Ruin für Traditionsbetrieb
«Das ist der schwierigste Moment in meinem ganzen Leben»: Café-Confiserie Hirt in Frauenfeld schliesst nach 25 Jahren

Das Frauenfelder Traditionsunternehmen Café-Confiserie Hirt im «Rhyhof» hat den Konkurs angemeldet. Damit endet an der Rheinstrasse eine über 70-jährige Geschichte süsser Kreationen.

Samuel Koch
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Die Läden von Café Confiserie Hirt an der Rheinstrasse 11 sind am Mittwochmorgen schon heruntergerollt.

Die Läden von Café Confiserie Hirt an der Rheinstrasse 11 sind am Mittwochmorgen schon heruntergerollt.

Bild: Donato Caspari

Ein Stück Frauenfelder Geschichte. So beschreibt sich Café-Confiserie Hirt an der Rheinstrasse nach eigenen Angaben. Jetzt nimmt diese Geschichte ein jähes Ende, wie Geschäftsführer Markus Hirt am Dienstagnachmittag mitgeteilt hat. Denn gleichentags musste er am Bezirksgericht Frauenfeld schmerzlich den Konkurs über das Einzelunternehmen Café-Confiserie Hirt mit Ladengeschäft, Restaurant, Hotel und Cateringbereich eröffnen. Er sagt:

«Es ist eine Katastrophe. Es tut mir unendlich leid.»

Das immer schwierigere Umfeld in der Gastronomie und die drei Jahre dauernde Grossbaustelle der Post bis 2018 in unmittelbarer Nachbarschaft haben beim Traditionsbetrieb Spuren hinterlassen. Für Frauenfeld sei die neue Post zwar super, meint Hirt. Als Nachbar eines Grossprojekts aber sei es alles andere als lustig gewesen.

Selbst Strukturanpassungen und eine Umorganisation hätten nicht den gewünschten Erfolg für den Umschwung gebracht. Hirt spricht von Versuchen, die Arbeits- und Öffnungszeiten sowie das Sortiment den schwierigen Umständen anzupassen. Vergebens.

Bekanntes Grand Café im Wiener Stil

Schliesslich habe die Coronapandemie und ihre Auswirkungen mit dem Rückgang der Gästezahlen die Weiterführung des Betriebs verunmöglicht. Die Gastronomie und ganz speziell die Hotellerie und das Catering hätten unter den Auflagen zu Pandemiebewältigung einen fatalen Umsatzrückgang erlitten. Hirt ringt nach Worten und sagt:

«Alles ist komplett zusammengebrochen.»

Die Familie Hirt hat den Betrieb an der Rheinstrasse 11 seit fast 25 Jahren mit Herzblut, Innovation und Liebe zum Detail geführt. Markus und Rosmarie Hirt hätten alles versucht, den traditionsreichen Betrieb zu retten, dessen Geschichte bis ins Jahr 1948 zurückreicht. Die lange Geschichte beweist das Interieur im bekannten Grand Café im Wiener Stil.

Markus und Rosmarie Hirt in ihrem Café hinter einem hergerichteten Brunch.

Markus und Rosmarie Hirt in ihrem Café hinter einem hergerichteten Brunch.

Bild: Donato Caspari (Frauenfeld,
26. April 2019)

Seither haben im «Rhyhof» lediglich drei Generationen für süsse Kreationen gesorgt, wie der Website von Café-Confiserie Hirt zu entnehmen war. Nach dem Startschuss durch Fridolin Winiger übernahmen Maria und Paul Müggler den Betrieb während 29 Jahren, ehe Markus und Rosmarie Hirt 1996 das Traditionshaus im heutigen Eigentum der Alfred Oppikofer AG und der Staub Treuhand AG weiterführten.

Rund 30 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle

Markus und Rosmarie Hirt haben alles probiert, um die derzeit noch rund 30 Arbeitsplätze zu erhalten. «Leider erfolglos», meint Hirt. Den Mitarbeitenden mussten die Hirts ihre Hiobsbotschaft an einer Zusammenkunft am Dienstagnachmittag überbringen. Hirt sagt:

«Das ist der schwierigste Moment in meinem ganzen Leben.»

Der Ablauf der Mitarbeiterinformation sei so weit möglich mit den zuständigen Behörden koordiniert worden und in Absprache und Zusammenarbeit mit dem Konkursamt, der Arbeitslosenkasse und dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) geschehen. An der Rheinstrasse 11 jedenfalls bleiben die Rollläden ab sofort geschlossen. Die Mitteilung endet mit dem Satz: «Es geht dabei um eine möglichst optimale Betreuung der Betroffenen in dieser schwierigen Situation.»