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Rot und kämpferisch: So will SP-Frau Barbara Dätwyler in den Frauenfelder Stadtrat

Barbara Dätwyler Weber stieg 2016 als Nachfolgerin von Gemeinderat Lukas Hefti in die Lokalpolitik ein. Nun kandidiert die gebürtige Burgdorferin für die SP als Stadträtin.
Stefan Hilzinger
Die roten Haare sind ihr Markenzeichen. Barbara Dätwyler Weber in Oberkirch, mit dem Langdorf im Hintergrund. (Bild: Donato Caspari)

Die roten Haare sind ihr Markenzeichen. Barbara Dätwyler Weber in Oberkirch, mit dem Langdorf im Hintergrund. (Bild: Donato Caspari)

Auf den Plakaten ist sie die Frau in Rot. «Das ist ein politisches Statement», sagt SP-Stadtratskandidatin Barbara Dätwyler Weber. Rot sei nun mal ihre Lieblingsfarbe. Doch hinter dem roten Kleid steckt auch etwas Wahlkampftaktik.

«So steche ich nebst den meist in gedeckten Farben gekleideten Herrschaften etwas mehr ins Auge».

Rot ist auch die Farbe der Riegel am historischen Gärtnerhaus beim Friedhof Oberkirch, wo Dätwyler mit ihrem Mann, dem Architekten Adrian Weber und den beiden Söhnen seit elf Jahren wohnt. «Frauenfeld als Wohnort zu wählen, war ein pragmatischer Entscheid», sagt sie in ihrem unverkennbaren Berner Dialekt.

«Ich habe damals in Münsterlingen gearbeitet, man Mann als Architekt häufig in Zürich, da lag Frauenfeld gerade richtig.»

Aarberg zu nahe und Samedan zu kalt

Als junge Pflegefachfrau kam Dätwyler vor 22 Jahren in den Thurgau. Die Ausbildung am Lindenhofspital in Bern verlangte ein Praktikum in einem anderen Krankenhaus. Aarberg war ihr zu nah, in Samedan war es ihr zu kalt, und die Ostschweiz kannte sie schon von gelegentlichen Familienferien. «Mein Vater arbeitete bei der Post, und so kannten wir jeweils in freien Postwohnungen günstig Ferien machen». Nach Abschluss der Ausbildung folgte postwendend ein Job-Angebot aus Münsterlingen, dass sie gern annahm. «Mir hat es von Anfang gut gefallen, und ich wollte nach der Lehre etwas Geld verdienen.» Und die gebürtige Burgdorferin ist geblieben. Sie konnte sogar ihren Mann, der aus dem Berner Seeland stammt, motivieren, ihr in den Thurgau nachzufolgen.

Sie wuchs in einem sozialdemokratischen Elternhaus auf. Vater und Mutter waren politisch engagiert. Er in der Exekutive der Stadt, sie in der Schulkommission. «Wir haben am Familientisch viel diskutiert», sagt Dätwyler, die mit zwei Schwestern gross wurde. Laut seien die Diskussionen zwar nicht gewesen, aber häufig intensiv.

In ihrer Wahlheimat setzte sie sich vorerst für berufspolitische Anliegen ein. Seit 2015 präsidiert sie die Ostschweizer Sektion des Berufsverbandes Pflege (SBK). Mit dem Rücktritt von Lukas Hefti aus dem Gemeinderat erfolgte im Frühling 2016 der Schritt in die Frauenfelder Politik. Schon vorher war sie im Vorstand der Ortspartei aktiv. Sie sagt dazu:

«Es war schon ein sehr steiler Einstieg in die Lokalpolitik.»

Sie hätte damals bereits das Vizepräsidium des Gemeinderates übernehmen sollen. «Ohne Erfahrung im Parlamentsbetrieb wäre das zu früh gewesen.» Doch man einigte sich, den üblichen Turnus zu brechen, sodass vorerst die CVP/EVP zum Zuge kam. Dätwyler ist seit dem Eintritt ins Parlament Mitglied der Geschäftsprüfungskommission Gesundheit, Gesellschaft und Freizeitanlagen sowie der Spezialkommission Frauenfeld 2030.

Aktuell präsidiert sie nun den Gemeinderat noch bis Ende der Legislatur im Mai. «Das macht den Wahlkampf nicht einfacher», sagt sie, denn als Parlamentspräsidentin ist sie gehalten, sich aus dem politischen Tagesgeschäft herauszuhalten. Sie lasse bei ihren offiziellen Auftritten als Gemeinderatspräsidentin den Wahlkampf ruhen. Doch die Rolle der schweigenden Beobachterin liegt nicht in ihrer Natur:

«Ich will mitreden.»

Eine eigenständige Politik betonen

Dätwyler verhehlt nicht, dass ihre Partei im Gemeinderat in jüngster Zeit zwischen die Fronten geraten ist und politisch isoliert dastand. So unterstützte die SP als einzige Fraktion die von Stadtrat beantragte Erhöhung des Steuerfusses. «Wir sind der Meinung, dass diese moderate Erhöhung nun hätte erfolgen sollen», sagt sie. Und:

«Schulden sind eine Hypothek für die Frauenfeld».

Bei den Gemeinderatswahlen 2015 verlor die SP einen Sitz. Mit vier Vertretern hat Dätwylers SP gerade noch Fraktionsstärke. «Das ist für uns aber kein Grund für Resignation, sondern eher Ansporn, uns kämpferisch zu zeigen. Denn wenn wir uns mit anderen zusammentun, dann verschwinden wir.» Wenig hält sie vom Versuch der FDP, mit ihrer Stadtratskandidatur eine rechte Mehrheit zur erreichen.

«Der Stadtrat ist doch bereits bürgerlich dominiert. Frauenfeld braucht auch eine linke Stimme.»

Als SP-Frau mit beruflichem Hintergrund im Gesundheitswesen läge – im Fall ihrer Wahl – die Übernahme des Departementes Gesellschaft und Soziales von Parteikollegin Christa Thorner nahe. «Aber warum nicht ins Baudepartment? Das wäre sicher eine spannende Herausforderung», sagt sie mit einem Lachen.

Im Sommer 2018 rutschte Dätwyler für Christa Thorner in den Grossen Rat nach. Ihre Arbeit im Spital Münsterlingen hat Dätwyler bis auf sporadische Aushilfen eingestellt. «Politik macht mir Spass. Es hat mit den Ärmeln so richtig reingenommen».

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