Rose statt Handschlag – Abschlussfeier der Fachmittelschule an der Kanti Frauenfeld mal anders als sonst

36 Fachmittelschüler erhielten am Freitagabend in der Kantonsschule ihr wohlverdientes Abschlusszeugnis. Für sie war einiges ungewohnt.

Claudia Koch
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Donato Caspari

Die festliche Kleidung der jungen Damen und Herren liess an diesem Abend auf eine gewöhnliche Abschlussfeier schliessen. Aussergewöhnlich stach jedoch die spezielle Bestuhlung in der Aula hervor. Pro Absolventin oder Absolvent durften bis drei Begleitpersonen an der Feier teilnehmen. Entsprechend waren die Stühle in Dreiergrüppchen aufgestellt und auf jedem Stuhl lag ein Zettel, auf dem man sich mit Namen, Adresse und Telefonnummer eintragen musste. Rektorin Chantal Roth sagte:

Chantal Roth, Rektorin Kantonsschule Frauenfeld.

Chantal Roth, Rektorin Kantonsschule Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari
«Das setzen wir wegen dem Contact-Tracing so um.»

Sie sei überaus froh, dass die Abschlussfeier in einem so festlichen Rahmen abgehalten werden könne.

Die Abschlussfeier nach drei Jahren Fachmittelschule war eine von vier Feiern vergangenen Freitag und Samstag. In der Fachmittelschule wurden in Frauenfeld die schriftlichen wie auch die mündlichen Prüfungen durchgeführt. Für die Absolventinnen und Absolventen der Handels- und Informatikmittelschule hingegen fanden schweizweit keine Abschlussprüfungen statt.

Spezielles Kapitel in Schulgeschichte

Kantonsrätin und Parteipräsidentin der SP Thurgau Nina Schläfli erinnert sich gut an ihre eigene Maturafeier. «Das ist schon zwölf Jahre her», stellte sie überrascht fest. Sie sei völlig aufgekratzt gewesen, habe die abfallende Anspannung genossen und Wehmut wegen des Abschieds ihrer Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter verspürt. Diese Gefühle teilte sie später am Abend auch in ihrer Festrede mit.

Doch zuvor ergriff Rektorin Roth das Wort und sprach von einer verrückten Zeit, in der vieles anders kam, als ursprünglich angedacht war. «Doch heute ist der Zeitpunkt so, wie er sein soll», fuhr Roth fort und fügte an, dass diese Abschlussjahrgänge ein spezielles Kapitel in der Schulgeschichte schreiben werden. Mit der Aufforderung, den Erfolg zu geniessen und stolz auf die erbrachte Leistung zu sein, übergab sie an Nina Schläfli, die den jungen Menschen Wünsche mit auf den Weg gab. Sie sagte:

Nina Schläfli, Rednerin, Kantonsrätin und Präsidentin SP Thurgau.

Nina Schläfli, Rednerin, Kantonsrätin und Präsidentin SP Thurgau.

Bild: Donato Caspari
«Bleiben Sie neugierig, offen für Neues, eignen Sie sich Kompetenzen an und stellen Sie Fragen.»

Auch rief sie auf, kritisch zu sein, für seine Werte einzustehen und sich gesellschaftlich zu engagieren.

Endlich folgte der langersehnte Moment der Übergabe der Abschlusszeugnisse, der ebenfalls etwas anders ablief als üblich. «Wir verzichten auf die Gratulation per Handschlag und überreichen dafür eine Rose», erklärte Prorektor Oliver Szokody.

Aufgeteilt in jeweils zwei Gruppen durften die aufgeregten 33Absolventinnen und drei Absolventen ihren Fachmittelschulausweis glücklich in Empfang nehmen. Eine kurze Irritation, als ein Couvert fehlte, löste sich zum Glück sofort auf. Aus Versehen hatte jemand zwei Couverts erhalten.

Jimmy-Bauer-Preis dank Notendurchschnitt 5,62

Ein weiterer Höhepunkt war die Verleihung des Jimmy-Bauer-Preises, der an Anja Brunnschweiler aus Hauptwil mit dem besten Notendurchschnitt von 5,62 ging. Anschliessend lud die Rektorin die Gäste zu einem Apéro, wegen Corona nicht stehend, sondern sitzend. Einige Absolventinnen spähten vorsichtig ins Couvert, um die einzelnen Noten zu studieren. Andere studierten ihren Fachmittelschulausweis ausführlich mit ihren Angehörigen. Die Absolventin mit dem verschwundenen Couvert zeigte sich nach der Schrecksekunde sichtlich erleichtert:

«Ich zweifelte einen Moment daran, ob ich wirklich bestanden habe.»

Die Stimmung im Foyer war auf jeden Fall aufgekratzt, gepaart mit Erleichterung und Vorfreude auf die neuen Herausforderungen.

Noch viel mehr Diplome

(clk) An der Fachmittelschule (FMS) Frauenfeld haben insgesamt 36 Absolventinnen und Absolventen nach ihrer dreijährigen Ausbildung ihren Fachmittelschulausweis erhalten, 26 aus dem Berufsfeld Gesundheit/Pädagogik, zwei aus dem Berufsfeld Soziale Arbeit und weitere acht aus dem Berufsfeld Kommunikation und Information. 38 Absolventinnen und Absolventen haben die Fachmaturität in den Berufsfeldern Gesundheit, Soziale Arbeit, Kommunikation und Information sowie Pädagogik erfolgreich abgeschlossen. An der Handelsmittelschule (HMS) feierten zehn, an der Informatikmittelschule (IMS) 17 Jugendliche den schulischen Abschluss. Elf Kandidatinnen und Kandidaten der Handelsmittelschule sowie 19 Kandidatinnen und Kandidaten der Informatikmittelschule konnten nach drei Schuljahren und einem Jahrespraktikum in einem Unternehmen ihren eidgenössischen Fähigkeitsausweis sowie die Berufsmatura entgegennehmen.

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Géraldine Bohne