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Interview

Aus dem Schulzimmer nach Dubai: Die Hüttlinger Rollstuhlathletin Catherine Debrunner ist zurück im Spitzensport

Zuletzt unterrichtete die Para-Leichtathletin Catherine Debrunner eine Klasse. In einer Woche reist die Rollstuhlfahrerin an die WM nach Dubai. Ihr Ziel: Der Einzug ins Finale.
Laura Sachers
Catherine Debrunner an «Weltklasse Zürich» Ende August. (Bild: Felix Walker)

Catherine Debrunner an «Weltklasse Zürich» Ende August. (Bild: Felix Walker)

Um ihr Studium als Lehrerin abzuschliessen, hat die 24-jährige Rollstuhlathletin nach den Paralympics in Rio 2016 eine zweijährige Wettkampfpause eingelegt. Seit einem Jahr ist sie zurück im Spitzensport. In einer Wochen nimmt sie an der WM in Dubai teil.

Waren Sie in Ihrer Schulzeit eine Musterschülerin?

Catherine Debrunner: Nein, das würde ich nicht sagen. Aber ich habe zielstrebig und pflichtbewusst die Schulbank gedrückt.

Während der Wettkampfpause haben Sie Ihr Studium als Lehrerin abgeschlossen. Unterrichten Sie momentan?

Ich bin Klassenlehrperson einer ersten Klasse an der Primarschule Waltenschwil AG. Dort unterrichte ich seit Mitte August mit einem Pensum von 30 Prozent.

Was ist Ihnen wichtiger: der Sport oder der Beruf?

Das ist eine schwierige Frage. Im Sport brauche ich mehrheitlich den Körper, im Schulalltag den Kopf. Diese Kombination gefällt mir sehr. Zudem bin ich beim Sport oft auf mich alleine gestellt, da die Rollstuhlleichtathletik eine Einzelsportart ist. Hingegen habe ich bei der Arbeit Kontakt zu Menschen. Momentan ist es mir finanziell nicht möglich, ausschliesslich auf die Karte Sport zu setzen. Ich bin auf ein sicheres Einkommen angewiesen.

Und wie würden Sie sich nun entscheiden?

Das kann ich nicht. Ohne das eine wäre ich im anderen nur halb so gut und umgekehrt.

Sie wohnen mittlerweile in Geuensee in Luzern. Vermissen Sie den Thurgau nicht?

Doch, sehr sogar. Der Thurgau ist und bleibt meine Heimat. Ich komme immer wieder gerne nach Hause, um meine Familie und Freunde zu besuchen.

Haben Sie sich während Ihrer Pause nicht nach den täglichen Trainings gesehnt?

Ich bereue die Pause kein bisschen. Im Gegenteil: Es war die richtige Entscheidung für mich. Da ich bereits seit meinem achten Lebensjahr Rollstuhlleichtathletik betreibe, tat es gut, während zweier Jahre einen Tapetenwechsel zu haben. Während der Wettkampfpause konnte ich meine Ausbildung abschliessen und ein Austauschsemester in Lausanne machen. Dieser Austausch war eine sehr spannende Erfahrung, welche mir viel auf meinen Weg mitgab. In dieser Zeit trainierte ich völlig unbeschwert und ohne jeglichen Wettkampfdruck.

Die WM in Dubai steht vor der Tür. Wie oft trainieren Sie momentan?

Ich trainiere acht Mal pro Woche. 70 Prozent verbringe ich auf der Tartanbahn in Geuensee. Die restliche Zeit gebe ich Schule. Das ist ein guter Ausgleich für mich.

1300 Athleten aus über 100 Ländern

Zum ersten Mal überhaupt findet eine Paraleichtathletik-WM in Dubai statt. An den Medaillenwettkämpfen im Leichtathletikstadion vom 7. bis 15. November nehmen über 1300 Athleten aus über 100 Ländern teil. Catherine Debrunner wird am Samstag, 9. November, zu ihrem ersten Wettkampf an den Start gehen. Sie erhofft sich zumindest wieder einen Podestplatz, wie an der WM in Doha 2015.

Wie wichtig ist die WM für Sie?

Sehr wichtig. Es ist mein erster Grossanlass seit den Paralympics in Rio 2016. Damals habe ich den siebten Platz erzielt. Einerseits freue ich mich sehr, wieder an einem solchen Anlass dabei zu sein, und gegen die besten Athletinnen der Welt anzutreten. Andererseits sehe ich es als eine Standortbestimmung im Hinblick auf die Paralympics in Tokyo 2020.

An der WM in Doha vor über vier Jahren haben Sie die Silbermedaille gewonnen.

Mit diesem Erfolgserlebnis habe ich damals nicht gerechnet. In Doha haben einfach alle Faktoren zusammengepasst.

An der WM in Doha 2015 erreichte Catherine Debrunner den zweiten Platz. (Bild: Martin Rhyner)

An der WM in Doha 2015 erreichte Catherine Debrunner den zweiten Platz. (Bild:
Martin Rhyner)

Wie schätzen Sie Ihre Chancen für den kommenden Wettkampf ein?

Schwierig zu sagen. Ich habe grosse Fortschritte gemacht. Doch meine Konkurrenz schläft nicht, und auch sie hat hart gearbeitet. Ich denke, wenn ich meine Leistung optimal abrufen kann, sollte der Einzug ins Finale über 400 m und 800 m ein realistisches Ziel sein.

Was strapaziert Ihre Nerven mehr: Die letzten Sekunden vor dem Start eines Wettkampfes oder Ihr Durchsetzungsvermögen bei den Schülern?

Definitiv die letzten Sekunden vor dem Start eines wichtigen Wettkampfes.

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