Ritt auf dem silbernen «Ochsen» in Wagenhausen

Ältere sollen Jüngeren helfen. In einem alten Restaurant in Wagenhausen entsteht Wohn- und Kreativraum.

Thomas Güntert
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In der alten Gaststube des «Ochsens»: Silver-Ox-Projektleiter Andreas Schmid und Eigentümerin Eveline Herzer. (Bild: Thomas Güntert)

In der alten Gaststube des «Ochsens»: Silver-Ox-Projektleiter Andreas Schmid und Eigentümerin Eveline Herzer. (Bild: Thomas Güntert)

Eveline Herzer kaufte vor drei Jahren in Wagenhausen den ehemaligen Gasthof Ochsen, der 500 Jahre lang auch Postkutschenstation war. Die in Steckborn praktizierende und in Ermatingen wohnhafte Ärztin will im «Ochsen» ein besonderes Nutzungskonzept umsetzen. Es soll der Vereinsamung im Alter entgegenwirken, Sinnstiftung und gemeinschaftliches Wohnen fördern sowie aktiven, unternehmerischen Personen die Möglichkeit bieten, Wissen und Erfahrung an die nächste Generation weiterzugeben.

Zusammen mit dem ehemaligen Wagenhauser Gemeindepräsidenten Harry Müller, Unternehmensberater Andreas Schmid und Yannick Blättler gründete Herzer den Verein Silver Ox (www.silverox.ch), der darauf abzielt, die junge Generation mit erfahrenen Menschen zu verbinden. Bis im April 2020 wird der «Ochsen» im Rahmen einer Totalsanierung grundlegend umgebaut, wobei sechs Miet- und eine Ferienwohnung entstehen.

Ungewöhnliches Angebot an die junge Generation

«Der Silver Ox soll junge Leute unterstützen, denen die Mittel fehlen, eine Idee in einem konkreten Projekt zu verwirklichen», sagt Gesamtprojektleiter Andreas Schmid. Abseits des Alltagstrubels werden zweimal jährlich für jeweils 100 Tage einem ausgewählten Projektteam der Generation 1995 und jünger die umgebaute ehemalige Gaststube als Kreativ- und Arbeitsraum sowie die Ferienwohnung kostenlos zur Verfügung gestellt.

Bei solchen «100 Day Challenges» werden vor allem Projekte in der Ideenreifungsphase unterstützt, für die keine klassischen Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. «Daraus können durchaus auch Start-ups entstehen», sagt Schmid. Die Projekt-Bewerbungen werden vom Silver-Ox-Patronat beurteilt, insbesondere bezüglich Schwierigkeit, sozialem Nutzen und Kreativität.

Die Zwei- bis Viereinhalb-Zimmerwohnungen sollen zu regional üblichen Preisen an über 50 Jahre alte, unternehmerische und engagierte Persönlichkeiten vermietet werden, die mit ihrer Berufs- und Lebenserfahrung sowie spannenden Sichtweisen die jungen Projektteams unterstützen wollen. Mit regelmässigen «Silver-Talks» soll der Austausch der Generationen gefördert werden.

Junge Leute bekommen Hilfe von aussen

Ein vierköpfiges Patronat, bestehend aus erfahrenen Unternehmern der Region, steht dem Projektteam ebenfalls mit Rat zur Seite. Die Projektteams müssen im Rahmen einer Wette allerdings definieren, was sie nach 100 Tagen erreichen wollen. Andernfalls müssen sie einen Wetteinsatz einlösen, welcher der Allgemeinheit zugutekommen sollte. «Dieser Einsatz kann von einer Putzaktion im Rhein bis zu

Dienstleistungen für ältere Personen reichen», sagt Andreas Schmid. Die Kosten des Silver Ox bewegen sich im knapp sechsstelligen Rahmen. «Das Projekt erhält finanzielle Unterstützung vom Patronat, die ‹100 Day Challenge› zudem vom Startnetzwerk Thurgau und der Thurgauer Kantonalbank.» Schmid betont, dass der Umbau des «Ochsen» voll von der Eigentümerin finanziert wird.

«Man steckt auf jeden Fall mehr hinein, als man herausholt»,

sagt Eveline Herzer, die den «Ochsen» nicht als Investitionsobjekt, sondern als Liebhaberobjekt sieht. Bis Ende Oktober können Bewerbungen für die «100 Day Challenges» und die Mietwohnungen unabhängig von Nationalität und Wohnort eingereicht werden.