Rickenbacher Arbeitsprogramm hilft Erwerbslosen, in die Tagesstruktur zurück zu finden

Das Arbeitsprogramm «WorkSolutions» ist ein Angebot des Blauen Kreuzes Schaffhausen-Thurgau. Ihr Ziel: Menschen in den Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Vera Minder
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Langzeitarbeitslose haben es schwer, eine Festanstellung zu finden. Für sie kann die Arbeitsintegration eine wichtige Stütze sein.

Langzeitarbeitslose haben es schwer, eine Festanstellung zu finden. Für sie kann die Arbeitsintegration eine wichtige Stütze sein.

(Bild: PD)

Durch die Coronakrise wird dieses Jahr landesweit ein beträchtlicher Anstieg der Arbeitslosenquote erwartet. Wer arbeitslos wird, sucht manchmal jahrelang nach einer Anstellung. Für viele eine unvorstellbare Situation.

Doch genau das ist für einen 41-Jährigen aus der Region Alltag. Nach dem gymnasialen Abschluss habe er sein Studium abgebrochen, erzählt er. Er habe deshalb bis heute keine abgeschlossene Berufsbildung. Der Mann hat seitdem in verschiedenen Temporär-Jobs gearbeitet. Im Oktober 2018 ist er zurück nach Bronschhofen gezogen. Dort habe er sich sofort beim Sozialamt gemeldet. Im Januar 2019 hatte er seinen ersten Beratungstermin.

Dass er arbeiten wollte, war für ihn klar. «Die Alternative, einfach zu Hause zu sein, ist schlimm. Die ersten zwei Wochen fühlt es sich vielleicht noch wie Ferien an, aber nach einem Monat wird es belastend. Es ist, als hinge man im leeren Raum».

Ein Angebot des Blauen Kreuz

Die Arbeitsintegration der Stadt Wil fand für ihn ein Programm, das ihm Struktur bieten konnte. «WorkSolutions» heisst das Angebot des Blauen Kreuz Schaffhausen-Thurgau, mit Standort in Rickenbach. Das Ziel: Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Im Februar 2019 konnte der Mann anfangen. Auf dem Programm stehen sowohl Arbeiten als auch Beratungen. Zu tun gibt es Verschiedenes: Die Produktion von Dichtungsringen, Blumenschmuck, Verpackungen aller Art, Arbeiten aus der Druckbranche oder Kunststoffbearbeitung. Nico Gübeli, Betriebsleiter von «WorkSolutions», betont:

«Wir machen keine Laufbandarbeit.»

Die Arbeit soll sowohl für die Programmteilnehmenden als auch für die Leiter interessant sein. «Wir achten darauf, dass wir sowohl die fein- als auch grobmotorischen Fähigkeiten unserer Teilnehmenden fördern.» Das nimmt auch der Betroffene so wahr. «Die Qualität unserer Arbeit ist wichtig.» Die Jobs seien immer ähnlich, aber eben doch nicht gleich. Die kleinen Wechsel machten die Arbeit angenehmer. «Was wir machen, ist einfach, aber nicht anspruchslos», fasst er zusammen.

Betreuung von bis zu 30 Personen

«WorkSolutions» gibt es schon länger. 2005 wurde die arbeitsintegrierende Werkstatt gegründet, damals war sie noch ein Teil des Blauen Kreuz Schweiz. 2019 gab es einen Neustart. «Unser Ziel ist es, stets 30 Leute zu beschäftigen», sagt Gübeli. Zurzeit seien es zwischen 20 und 26.

Die Gruppe sei in Bezug auf Alter, Geschlecht und Religion bunt gemischt. «Die meisten sassen schon relativ lange zu Hause und haben sich isoliert. Die Arbeit gibt ihnen Sinn, man sieht, dass es ihnen gut tut. Sie kommen wieder aus sich heraus und es findet ein interessanter Kultur- und Altersaustausch statt.» Immer wieder verlassen Teilnehmende das Programm, sei es, weil es nicht das richtige für sie ist, oder weil sie den Schritt zurück in die Arbeitswelt geschafft haben. «Letzteres ist natürlich das Ziel und wir konnten auch schon einige Erfolge feiern. Es kommt vor allem darauf an, wie sehr es die Person selber will, dieses Ziel zu erreichen», sagt Gübeli.

Fähigkeiten individuell fördern

«Wir versuchen, auf jeden individuell einzugehen, sowohl in der Beratung als auch in der Förderung der Fähigkeiten», sagt Gübeli. Beispielsweise werde ein Deutschkurs angeboten, und:

«Wir möchten, dass die Teilnehmenden bei uns lernen, pünktlich zu sein, genau und pflichtbewusst zu arbeiten, sich also auch abzumelden, wenn sie verhindert sind.»

Dazu kommt alle drei Monate ein Standortgespräch zusammen mit der Betreuungsperson von den Sozialen Diensten oder der Arbeitsintegration. Am Ende des Programmes bekommen die Teilnehmenden ein Arbeitszeugnis. Die Teilnehmenden sind in der Regel für sechs Monate angemeldet, dann wird individuell entschieden, ob das Programm weiterhin das richtige ist.

Der Betroffene ist schon rund ein Jahr dabei und dankbar dafür. «Der respektvolle Umgang tut gut. Wir bekommen sowohl Lob als auch konstruktive Kritik, und vor allem auch Dankbarkeit für unsere geleistete Arbeit.» Das hilfreiche Angebot führt er auf das solide Schweizer Sozialsystem zurück.

Sein persönliches Ziel sei es, eine feste Stelle oder eine Ausbildungsmöglichkeit zu finden, sagt der 41-Jährige aus Bronschhofen. Eine Konstrukteur-Lehre würde ihn interessieren, es sei allerdings schwierig, eine zu bekommen in seinem Alter. Bis dahin ist er froh um das Programm.