Richtplan
Entwicklung unter Vorbehalt: Die Vision «Münchwilen 2045+» schreitet voran, birgt aber reichlich Zündstoff

Gemeindepräsidentin Nadja Stricker und Raumplanerin Karin Bétrisey präsentieren den nächsten Schritt des Grossprojekts Münchwilen 2045+: den Richtplan. Dieser kommt nicht bei allen gut an.

Miguel Lo Bartolo
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Gemeindepräsidentin Nadja Stricker und Raumplanerin Karin Bétrisey stellen sich den Fragen der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.

Gemeindepräsidentin Nadja Stricker und Raumplanerin Karin Bétrisey stellen sich den Fragen der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.

Bild: Miguel Lo Bartolo

Wenn Richtpläne vorliegen, gibt es immer Verlierer. Man kann es nie allen recht machen. Die Binsenwahrheit bestätigt sich denn auch an der Münchwiler Gemeindeveranstaltung vom Dienstagabend. Das Grossprojekt Ortsplanrevision startete im September 2020, als man der Bevölkerung erstmals die Vision «Münchwilen 2045+» vorgelegte. Nachdem im Rahmen des Mitwirkungsverfahren 20 Eingaben an den Gemeinderat überwiesen wurden, steht nun der ominöse Richtplan an der Tagesordnung.

Die beiden Rednerinnen, Gemeindepräsidentin Nadja Stricker und Karin Bétrisey, ihres Zeichens Kantonsrätin und Teilhaberin der mit dem Richtplan betrauten Strittmatter Partner AG, legen in der Dreifachturnhalle vor geschätzten 60 Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern ihre Ausarbeitungen dar. Auf gut 120 Seiten dokumentieren sie die potenzielle Entwicklungsrichtung der Gemeinde Münchwilen.

Die Anliegen aus der Bevölkerung seien in den Richtplan eingeflossen – und grösstenteils deckungsgleich mit jenen des Gemeinderats, sagt Nadja Stricker. So wolle man etwa den öffentlichen Verkehr gezielt ausbauen und die Schulwege überprüfen. Auch würden flächenmässige Erweiterungen der Sport- und Feuerwehranlage in Betracht gezogen.

Unmut aus der Bevölkerung

Im Namen von «Strittmatter und Partner» präsentieren Karin Bétrisey und Benjamin Müller konkrete Massnahmen für eine zukunftsfähige Entwicklung der Gemeinde. Die Rede ist von Zentrumsentwicklung, der Nutzung unbebauter Bauparzellen, grüner Umgestaltung, Bevölkerungswachstum. Bei Letzterem scheiden sich die Geister am augenscheinlichsten.

Die einen befürchten im Zuge der Entwicklung ein unkontrolliertes Wachstum.

«Was ist denn das Ziel? 10'000 oder 20'000 Einwohner?»

Man wolle nicht zur Stadt werden, so die Wortmeldung eines besorgten Bürgers. Die Gemeindepräsidentin wusste zu beruhigen. Der Gemeinderat wisse noch nicht, wie viel Potenzial er ausschöpfen wolle. Davon gibt es nämlich reichlich. Wie Karin Bétrisey erklärt, stehen der Gemeinde Münchwilen im Zeithorizont von 25 Jahren zirka fünf Hektare an potenzieller Entwicklungsfläche zur Verfügung.

Es gibt denn auch Stimmbürger, die einer Erweiterung weniger kritisch gegenüberstehen. So haben gemäss Stricker etwa einige im Nachtrag an die Vision Münchwilen 2045+ das Bedürfnis nach zusätzlichen Einfamilienparzellen geäussert.

Noch nichts in Stein gemeisselt

Weiteren Zündstoff barg das Zukunftsbild einer weitgehend in Arbeits- und Wohnsiedlung geteilten Gemeinde. Vor allem scheint die Verlegung der im Gebiet Büel-Oberhofen ungünstig gelegenen Arbeitszone ins Gebiet Bruggwiese zu missfallen:

Der rote Pfeil markiert die Verlegung der Arbeitszone.

Der rote Pfeil markiert die Verlegung der Arbeitszone.

Bild: PD

Ein Stimmbürger äussert sich während der Fragerunde:

«Wieso kommt man auf die Idee, eine ruhige, idyllisch gelegene Zone zu Gewerbegelände zu erklären?»

Es sei kurzsichtig, potenzielles schönes Wohnungsgebiet derart zu verprassen. Kritik gibt es auch von Seiten eines Landwirten. «Wenn ich mir die Pläne so anschaue, in denen vorrangig Wohngebiete und Arbeitszonen entwickelt und erweitert werden sollen, stelle ich mir die Frage: Wo bleibt Platz für uns Landwirte?»

Die Frage richtet sich an Bétrisey. Als Raumplanerin kenne sie den Konflikt nur zu gut. Sie verweist darauf, dass es sich beim Richtplan lediglich um ein Planungsinstrument handle, auf dessen Grundlage der Gemeinderat bestimmte Vorlagen erarbeite. Was im Richtplan als Entwicklung angedacht wurde, sei nicht in Stein gemeisselt. Die Bevölkerung habe auch in Zukunft immer ein Wörtchen mitzureden. Dafür ist nun Zeit. Bis zum 6. August dürfen sich Herr und Frau Münchwiler wieder im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens zu Wort melden.

Hinweis: Die Unterlagen zu den Richtplänen sind unter www.muenchwilen-tg.ch oder im Gemeindehaus einzusehen.