Rheinsicherheit
Wiffen küsst man nicht: Die Präventionskampagne «zdoof» soll auf Gefahren auf dem Rhein aufmerksam machen

Immer mehr Menschen verbringen ihre Freizeit auf dem Rhein. Das bringt Gefahren mit sich. Mit einer humorvollen Kampagne macht die Schaffhauser Wasserpolizei heikle Situationen im Freizeitbootsverkehr sichtbar. Am Dienstagvormittag wurden neue Aktionen vorgestellt.

Thomas Güntert
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Eine neue Wiffe auf dem Rhein bei Diessenhofen.

Eine neue Wiffe auf dem Rhein bei Diessenhofen.

Bild: Thomas Güntert

Bis zu 800 Personen tummeln sich an schönen Sommertagen zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen mit den verschiedensten Fortbewegungsmitteln auf dem Rhein. Die Coronapandemie und das schöne Wetter sorgten im vergangenen Jahr für einen hohen Freizeitdruck, der sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen mit Kursschiffen und Wiffen.

Martin Tanner, Leiter Verkehrs- und Wasserpolizei Schaffhausen.

Martin Tanner, Leiter Verkehrs- und Wasserpolizei Schaffhausen.

Bild: Thomas Güntert
«Auf dem Rhein kann eine Reissleine beim Stand-up-Paddeln tödlich sein.»

Das sagte Martin Tanner, Leiter der Verkehrs- und Wasserpolizei Schaffhausen, an einer Medienkonferenz am Dienstagvormittag zur Präventionskampagne «zdoof». Tanners Team fährt an drei Tagen in der Woche sowie bei hohem Betrieb mit dem Motorboot Patrouillen auf dem Rhein.

Videos: CHMedia Videounit

Präventionskampagne geht in die zweite Runde

Stefan Casutt, Eclipse Studios, Schaffhausen.

Stefan Casutt, Eclipse Studios, Schaffhausen.

Bild: Thomas Güntert

Der Kanton Schaffhausen, der Landkreis Konstanz, die Seepolizei Thurgau, Schaffhauser Polizei sowie die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein sensibilisieren regelmässig gemeinsam die Öffentlichkeit und suchen Alternativen zu den herkömmlichen Wiffen. Stefan Casutt von Eclipse Studios aus Schaffhausen erklärte, dass man mit humorvoll provokanten Videos und Plakaten mit coolen Sprüchen über falsche Verhaltensregeln in den sozialen Medien rund 150'000 Personen erreicht hat. Der Name «zdoof» richte sich speziell an diejenigen, die keinen Sicherheitsabstand zu Kursschiffen und Wiffen einhalten oder ihre Boote zusammenbinden. Tanner sagte:

«Wir sind uns bewusst, dass wir mit den Präventionsmassnahmen bei einigen Leuten anecken werden.»

Der Polizeichef bemerkte aber, dass diese Präventionskampagne nichts mit dem Tauchunfall an Ostern in Diessenhofen zu tun hat. «Das ist eine ganz andere Sache», sagte Tanner. In diesem Jahr wird das Maskottchen Nessi ins Zentrum der Kampagne gestellt und die Prävention mit Plakaten und Aufsteller sichtbarer gemacht. Es werden wasserfeste Nessi-Anhänger verteilt, womit die Kapitäne ihre Freizeitboote anschreiben sollen, um unnötige Suchaktionen zu vermeiden, wenn ein Boot aufgefunden wird.

Neue Wiffe wird in der Praxis getestet

Auf dem Rheinabschnitt zwischen Öhningen und Schaffhausen ist das Tiefbauamt Schaffhausen für die Schifffahrtsignalisation und den Unterhalt der Wiffen zuständig. Eine Wiffe besteht aus einem in den Boden gerammten Eichenpfahl und einem grün-weissen Schifffahrtszeichen, wobei die grüne Seite die Fahrrinne der Kursschiffe markiert. Durch die Standfestigkeit kann es bei einem Zusammenprall zu lebensgefährlichen Situationen kommen. Bereits vor 15 Jahren musste ein Versuch mit einer Stahlboje abgebrochen werden, weil sie sich aufgrund von Schwemmgut und der starken Strömung nicht am Ort halten konnte. Von 2014 bis 2018 wurden Wiffen mit Drehkörper getestet, die sich auch nicht bewährten. Im Frühjahr 2020 wurden 5 der 50 Wiffen entfernt.

Ein Boot der Wasserpolizei Schaffhausen.

Ein Boot der Wasserpolizei Schaffhausen.

Bild: Thomas Güntert

Der Schaffhauser Kantonsingenieur Dino Giuliani erklärte, dass seit März ein Praxistest mit einer neuen Boje durchgeführt wird, die mit einer Kette an einem 1,7 Tonnen schweren Stein angehängt ist. Die ovale Form verbessert die Stabilität in Strömungsrichtung und mit einem Verstärkeraufsatz mit integriertem Radarreflektor bleibt sie möglichst lange im Blickfeld der Schiffskapitäne.

Dino Giuliani, Schaffhauser Kantonsingenieur.

Dino Giuliani, Schaffhauser Kantonsingenieur.

Bild: PD

Die ersten Tests konnten allerdings nur bei einer geringen Abflussmenge gemacht werden. Die Herausforderungen sind die hohe Fliessgeschwindigkeit und der Wasserpegel, der bei einer Abflussmenge zwischen 200 und 1000 m³/Sekunde bis zu drei Metern differieren kann. Wenn sich die Boje nach einem drei- bis fünfjährigen Test mit mindestens einem Hoch- und Niedrigwasser bewährt, könnten 15 Wiffen in langgezogenen Rheinabschnitten ersetzt werden. Giuliani sagte:

«In Kurven und engen Fahrrinnen ist eine exakte Orientierung mit ortsfesten Schifffahrtszeichen unabdingbar.»