«Es ist eine Hassliebe entstanden»: Theatergruppe Wängi rettet alte Säule aus Vereinshaus

Das Wängemer Vereinshaus wird zurzeit saniert. Inmitten des Saals stand eine Säule. Sie soll nach Abschluss der Arbeiten einen Ehrenplatz erhalten.

Maya Heizmann
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Pascal Thür von der Münchwiler Friess Metallbau AG bestimmt das Gewicht der Säule aus dem Wängemer Vereinshaus. (Bild: Maya Heizmann)

Pascal Thür von der Münchwiler Friess Metallbau AG bestimmt das Gewicht der Säule aus dem Wängemer Vereinshaus. (Bild: Maya Heizmann)

Sie ist 382 Zentimeter lang und wiegt 227 Kilogramm. Die Säule ist ein Gusseisenrohr, gefüllt mit Beton, und stand jahrelang mitten im Wängemer Vereinshaus, das derzeit renoviert wird. Während Aufführungen versperrte sie den Zuschauern im Saal teilweise die Sicht auf die Bühne.

«Im Laufe der Jahre ist zur Säule, die das schwere Dach während bald hundert Jahren das Dach des Gebäudes abgestützt hatte, eine Art Hassliebe entstanden», sagt Beat Krähemann, Präsident Theatergruppe Wängi. Man könne diese Zeitzeugin mit nostalgischem Wert nicht einfach entsorgen und verschrotten.

Deshalb startete der Verein Anfang Jahr eine Säulen-Rettungsaktion: Symbolisch verkaufte er bei seinen Theateraufführungen den Gönnern je einen Zentimeter Säule für 50 Franken. Ebenfalls sollen die Mehrkosten für die Versetzung mit ihrer Sonntagsspende getragen werden.

Nun sind über 3000 Franken zusammengekommen. Die Idee, die Säule draussen vor dem Eingang des Vereinshauses zu platzieren, wurde verworfen. Nach den Renovierungsarbeiten soll das Erinnerungsstück einen Ehrenplatz in Innern des Gebäudes erhalten. In einem Nostalgiekasten wird ein Teil der Säule zu sehen sein, zudem das bei den Renovierungsarbeiten gefundene Stickmuster aus 1888 und einiges mehr. Die Sponsoren werden auf einer Tafel erwähnt. Zurzeit ist die Säule bei der Friess Metallbau AG in Münchwilen. Dort wird sie gekürzt und eine Halterung erhalten.

Neues Sitzplatzkonzept

Viel Geschichtliches vom einstigen Stickerei-Gebäude aus dem Jahre 1878 ist nicht vorhanden. Am 2. Mai 1925 kaufte es die katholische Kirchgemeinde von der Witwe K. Krähenmann zum Preis von 22'000 Franken.

Das Gebäude ist in die Jahre gekommen. Die katholische Kirchgemeinde stimmte deshalb einem Budget von 1,1 Millionen Franken für die Renovierung zu. Die Arbeiten schreiten voran, im kommenden November sollte das Haus wieder mit einer neuen Infrastruktur und einem neuen Sitzplatzkonzept der Bevölkerung und den Vereinen zur Verfügung stehen.