Glosse

RESTZUCKER: Wer hat, dem wird gegeben

Die Thurgauer SVP gewinnt. Und zwar mehr als verdient – zumindest beim Stimmbüro in Frauenfeld. Dass es überhaupt Gewinner und Verlierer gibt, ist nicht selbstverständlich. Das Corona-Virus hätte die Wahlbeteiligung wohl noch tiefer ausfallen lassen können.

David Angst
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David Angst.

David Angst.

Bild: Ralph Ribi

«Restez à la maison pour protéger votre santé.» Der Aufruf von Bundesrat Alain Berset an der Medienkonferenz vom Montag war eindringlich und an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Für alle, die nicht so gut Französisch können, hat Regierungspräsident Jakob Stark dies am Donnerstag noch auf Thurgauer Deutsch übersetzt: «Bliibed si dihamm.» Kurz und bündig.

Zum Glück kam dieser Aufruf nicht schon vor einer Woche, sonst wäre wohl am Wochenende überhaupt niemand an die Urne gegangen. Und unter den wenigen, die wählten, gehörte wohl der grössere Teil zur Risikogruppe über 65 Jahren. Kein Wunder. Für die Senioren war der Gang an die Urne die letzte Chance, noch einmal aus dem Haus zu gehen, ohne öffentliches Ärgernis zu verursachen. Mittlerweile wird man ja schon gebrandmarkt, wenn man mit dem Rollator mal eine Runde ums Altersheim macht.

Generell muss man sagen, dass die Wahlen des letzten Wochenendes ein kleines Stück Normalität in unser verrücktes Leben gebracht haben. Die Stimmbeteiligung war miserabel. Und die SVP hat gewonnen. Also alles ganz wie immer.

Und deshalb empört sich auch fast niemand darüber, dass in Frauenfeld bündelweise Stimmzettel der GLP einer anderen Partei angerechnet wurden. Und welche Partei war die Begünstigte? Ausgerechnet die SVP. «Denn wer da hat, dem wird gegeben», so steht es schon im Matthäus-Evangelium. Und was macht man mit einer Partei, die immer etwas mehr bekommt, als sie verdient? Man gibt ihr das kantonale Finanzdepartement.