Glosse

ResTZucker: Voll den Nerv getroffen

Feuerwerk soll verboten werden, Cannabis sowieso und auch die Wega ist abgesagt. Dabei sollte sich das Volk auch mal etwas austoben, sich etwas leisten dürfen. Immerhin hat der Thurgau bald den bestuntersuchten Bohrkern nördlich der Alpen.

David Angst
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David Angst.

David Angst.

Bild: Ralph Ribi

Die Grünen des Bezirks Kreuzlingen haben 558 Unterschriften gegen das Abbrennen von Feuerwerk gesammelt und damit nach eigenen Angaben «den Nerv vieler Menschen getroffen». Damit könnten sie Recht haben, allerdings erst, wenn die von ihnen verlangten Verbote auch durchgesetzt werden.

Wegen Corona solle man jetzt plötzlich auch kein Cannabis mehr rauchen dürfen, verlangt Verena Herzog. Das passt ins Bild: Alles, was Spass macht, wird verboten. Kommt hinzu, dass diverse Oktoberfeste und die Wega nicht stattfinden können. Das könnte politisch gefährlich werden im Herbst. Dies sind Umstände, die auch schon zu Revolutionen geführt haben.

Ein guter Staat erlaubt es seinem Volk ab und zu, sich auszutoben. Und er leistet sich auch mal etwas, was nicht zwingend notwendig ist. Das hebt das kollektive Selbstwertgefühl. Warum wollen die Amis wieder Menschen auf den Mond schicken? Sicher nicht aus wissenschaftlichen Gründen, sondern damit die Bürger denken: «Wir sind eben doch die grössten Siebensiechen auf der Welt.»

Wir Thurgauer haben ja jetzt auch etwas, worauf wir stolz sein können. Wir leisten uns den bestuntersuchten Bohrkern nördlich der Alpen. Walter Enggist sei Dank. In allen anderen Ländern sind Tiefenbohrungen eine Angelegenheit der Geologen. Bei uns bezahlt das Amt für Archäologie. Aus den 13 Metern Bohrkern aus dem Hüttwilersee lässt sich zum Beispiel ablesen, ob der Stammeshäuptling der Pfahlbauer vor 10'000 Jahren Leinen-Unterwäsche trug. Oder ob sein Hund Flöhe hatte. Hoffentlich finden die Archäologen nicht auch noch heraus, dass er Cannabis geraucht hat. Sonst geht die politische Diskussion wieder los.

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