Kolumne
ResTZucker: Brexit, Krexit, Frexit

Die samstägliche Kolumne von David Angst, Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung».

David Angst
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David Angst, Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung». (Bild: Ralph Ribi)

David Angst, Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung». (Bild: Ralph Ribi)

Die britische Premierministerin Theresa May ist wahrlich nicht zu beneiden. Zwar haben die Briten den Brexit an der Urne beschlossen, aber jetzt, wo es ans Austreten geht, sind sie sich überhaupt nicht mehr einig darüber, ob und wie das vonstattengehen soll. Alle beschimpfen einander aufs Übelste, und May soll die Suppe auslöffeln.

Die Situation erinnert irgendwie an Kreuzlingen, auch wenn hier noch keine Volksabstimmung stattgefunden hat. Aber wie Grossbritannien zeigt, schaffen Volksabstimmungen oft mehr Probleme, als sie lösen. Man kann sich nun fragen, was der Brexit mit dem Kreuzlinger Boulevard zu tun hat. Es geht bei beidem um weniger Verkehr. Beim Brexit um den freien Personenverkehr, beim Krexit um weniger Autos.

Beide Fälle sind jedoch verzwickt. In Kreuzlingen ist die Devise des Stadtpräsidenten: «Lieber keine Verkehrsberuhigung als eine schlechte». Genau dasselbe sagt Theresa May über den Brexit-Vertrag. Im Gegensatz zu Thomas Niederberger kann sie das neue Regime aber nicht testen.

Komplizierter ist die Situation nur noch in Frauenfeld. Beim Ausstieg aus dem Zentrumsverkehr (Frexit) gibt es nämlich über ein halbes Dutzend Varianten. Und keine davon dürfte bei einer Volksabstimmung auf 50 Prozent Ja-Stimmen kommen. Gegenwärtig riecht es in der Hauptstadt nicht nur nach Zuckerrüben, sondern verdächtig nach der Variante «Null plus». So etwas in der Art hätten die Briten wohl auch gern: Null Personenverkehr, plus vollen Marktzugang. Aber da macht die EU wohl nicht mit.