Glosse
Restzucker: Birnen und Buchstaben

Wie reife Birnen hängen die Köpfe von Thurgauer Nationalratskandidaten an den Strassen im Kanton. Einige in grosser, einige in kleiner Schrift.

David Angst
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David Angst (Bild: Ralph Ribi)

David Angst (Bild: Ralph Ribi)

Wer jetzt mit seinem Elektromobil durch den Thurgau fährt, der sieht wieder Verschiedenes am Strassenrand hängen. An den Bäumen hängen reife Äpfel und an den Laternenstangen hängen reife Birnen – Entschuldigung – Köpfe von Kandidaten, die signalisieren: Ich bin reif für Bern. Bei einigen kann man leider den Namen beim Vorbeifahren nicht lesen, weil die Buchstaben zu klein sind. Einige Plakate hängen zudem an Baugerüsten und an den Kandelabern so hoch oben, dass man sie zwar von weitem sieht, aber die Namen noch weniger lesen kann.

Am einfachsten ist es innerorts während der Stosszeiten. Da kann man sogar die Slogans lesen. «Zämä fürschi», liest man zum Beispiel und denkt: «Ja, das stimmt tatsächlich, aber etwas schneller könnte es schon gehen.»

Tubelisicher ist einmal mehr die Plakatkampagne der SVP. Kein Wunder, dass die immer am meisten Stimmen macht. Die Buchstaben sind so gross, dass auch ein kurzsichtiger Legastheniker sie auf 50 Meter lesen kann. Nun gut, werden die anderen jetzt sagen. Die SVP hat auch das grösste Budget, deshalb kann sie sich die grössten Buchstaben leisten. Ja, es ist in der Politik wie anderswo: Das Leben ist einfach ungerecht.