Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Zölibat aufheben, negative Einstellung zur Homosexualität überdenken: Thurgauer lesen Rom die Leviten

Weltweite Missbrauchsfälle werden bei Austritten aus der katholischen Kirche laufend als Grund ins Feld geführt. Das Thurgauer Kirchenparlament trägt diese Argumente nun in den Vatikan und fordert drastische Reformen.
Silvan Meile
Die katholische Synode an einer Sitzung im Rathaus Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder, 4. Februar 2016)

Die katholische Synode an einer Sitzung im Rathaus Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder, 4. Februar 2016)

Die Thurgauer Katholiken lehnen sich auf. Sie verlangen vom Vatikan einen Kurswechsel: Das Zölibat soll aufgehoben, geistliche Ämter für Frauen eingeführt und die negative Einstellung zur Homosexualität überdacht werden. Das wären starke und mutige Zeichen, schreibt das Büro der katholischen Synode in einer Resolution für ein Umdenken im Vatikan. Und die Initianten dieser Forderung erachteten es auch als «Zeichen der Demut – welches Rom senden könnte, um zu zeigen, dass es ihm ernst ist».

Ausschlag zu diesem Schreiben an die geistliche Führung gaben die Fälle von sexuellen Übergriffen, welche die katholische Kirche weltweit immer wieder von neuem erschüttern, insbesondere in Irland, Deutschland oder den USA. «Für eine glaubwürdige Kirche», steht über dem Dokument, das an Bischof Felix Gmür übergeben werden soll, bevor dieser im Februar 2019 als Schweizer Vertreter an die Bischofskonferenz zum «Schutz von Minderjährigen» nach Rom reist. Der erste Satz der Resolution lautet:

«Wann hören diese Schreckensbotschaften von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche auf?»

«Wir wollen einen Neuanfang einleiten», sagt Dominik Diezi, Präsident der Synode, dem katholischen Parlament. Am Donnerstag berät dieses darüber, ob es die Resolution tatsächlich überweist. «Ein Grossteil der bisherigen Rückmeldungen waren positiv», sagt Diezi. Für viele sei es ein Gebot der Stunde, nun klar Stellung zu beziehen. Denn die katholische Kirche steht wegen Missbrauchsfällen längst unter Generalverdacht. Das schadet ihrer Glaubwürdigkeit.

Kirchenaustritte meist aus diesen Gründen

«Die Verantwortlichen im Vatikan müssten sich jetzt auf ihre gemeinsame Verantwortung besinnen», heisst es im Schreiben. «Der rote Faden durch all diese unerträglichen Missbrauchsfälle ist ein eklatanter Machtmissbrauch.» Das männliche Machtsystem, das verheimliche und vertusche, müsse wirksamer kontrolliert werden.

«Es ist zwar bis heute nicht wissenschaftlich belegt, dass das Zölibat Missbrauchsfälle fördert», sagt Diezi. In Medien signalisierten aber katholische Würdenträger schon selber, dass ein Zusammenhang bestehen könne. Im Schreiben heisst es nun:

«Es muss eine offene Auseinandersetzung darüber geben, ob sexualisierte Gewalt durch den Zölibat, die negative Einstellung zur Homosexualität und den Klerikalismus gefördert wird.»

Ein so unmissverständlicher Ruf der Thurgauer Landeskirche, der bis zum Heiligen Stuhl hallen soll, ist ungewöhnlich und wohl erstmalig. Primär obliegt der Landeskirche durch die hiesigen dualen Strukturen die Aufgabe, die Bereiche Finanzen, Personal und Infrastruktur auf ihrem Gebiet zu regeln.

Dass nun die Thurgauer Landeskirche so deutlich ihre Meinung in Rom kundtut, hat auch damit zu tun, dass sie Steuerzahler verliert. Oft werden von den Leuten, die aus der Kirche austreten, genau die Punkte ins Feld geführt, für die nun die Resolution einsteht.

Nicht Druck aufsetzen, sondern den Rücken stärken

Es sei nun Sache der Synode, über die Resolution zu beraten, sagt Kirchenratspräsident Cyrill Bischof. Persönlich könne er aber sehr wohl dahinter stehen. «Es ist eine gute Möglichkeit, die Anliegen der kirchlichen Basis zur Sprache zu bringen.» Das wiederum sei die Aufgabe einer Landeskirche, die auf ihre Mitglieder angewiesen ist. Ausserdem stehe man als getaufter Christ in der Verantwortung, gegen Unrecht einzustehen.

«Und wir müssen für Glaubwürdigkeit sorgen. Nur eine glaubwürdige Kirche hat auch eine Zukunft.»

Der Basler Bischof Felix Gmür soll die Argumente im Vatikan einbringen. Im kommenden Jahr präsidiert er die Schweizer Bischofskonferenz. Diezi sagt, man wolle ihn nicht unter Druck setzen, sondern ihm den Rücken stärken. Das bestätigt auch eine Nachfrage in Solothurn.

«Die Beobachtungen und Anliegen der Resolution werden Bischof Felix bei der Erörterung der Situation in Rom unterstützen», sagt Hansruedi Huber, Sprecher des Bistums. Er sagt auch, dass von allen gemeldeten sexuellen Übergriffen in der katholischen Schweiz nur sieben in den vergangenen 27 Jahren passiert seien.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.