Reservationsstopp bei den Thurgauer Traulokalen: Heiratswillige Paare müssen sich gedulden

Paare, die ihre Hochzeit nächstes Jahr planen, können keines der beliebten Traulokale reservieren. Eine SVP-Kantonsrätin stellt deshalb das Projekt Haushaltsgleichgewicht 2020 in Frage. Laut Amt für Zivilstandswesen gilt der Reservationsstopp nur vorübergehend.

Thomas Wunderlin
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Das Intarsienzimmer in der Kreuzlinger Seeburg zählt zu den beliebtesten Traulokalen der Schweiz. (Bild: Donato Caspari)

Das Intarsienzimmer in der Kreuzlinger Seeburg zählt zu den beliebtesten Traulokalen der Schweiz. (Bild: Donato Caspari)

Wer vor malerischer Kulisse in einem historischen Gebäude heiraten möchte, der hat im Thurgau an verschiedenen Orten die Gelegenheit dazu. Besonders interessant dürfte das Angebot für Paare sein, die auf eine kirchliche Hochzeit verzichten. Das kantonale Zivilstandsamt führt eine Liste der externen Traulokale.

Nach Angaben von Claudia Berner, Leiterin der Abteilung Zivilstandswesen, sind die beliebtesten jene der Schlösser Hagenwil und Arbon und der Kreuzlinger Seeburg sowie das Weinfelder Wöschhüsli. Zivilstandsbeamte nehmen in diesen Lokalen Trauungen vor und tragen Partnerschaften ein – genauso wie in den Traulokalen der Zivilstandsämter. Zurzeit sind allerdings manche Brautleute und Hochzeitsplaner verunsichert, denn fürs nächste Jahre sind keine Reservationen möglich.

SVP-Kantonsrätin Isabelle Altwegg vermutet einen Abbau von Dienstleistungen. (Bild: Donato Caspari)

SVP-Kantonsrätin Isabelle Altwegg vermutet einen Abbau von Dienstleistungen. (Bild: Donato Caspari)

Altwegg: Abbau statt Verbesserung

Das Amt für Handelsregister und Zivilstandswesen teilt auf seiner Website mit, «bis auf weiteres» könnten für 2020 einzig Termine in den offiziellen Traulokalen an den Standorten Amriswil und Frauenfeld angeboten werden, und zwar nur von Montag bis Freitag. Begründet wird die Einschränkung mit der Reduktion der Zivilstandsämter von fünf auf zwei auf den 1. Januar 2020.

Die Sulger SVP-Kantonsrätin Isabelle Altwegg bezeichnet die Einschränkung als «völlig unverständlich, weil ja keine Stellen abgebaut werden», wie sie in einer am Mittwoch eingereichten Einfachen Anfrage an den Regierungsrat schreibt.

Die Reduktion der Zivilstandsämter gehört zum Projekt Haushaltsgleichgewicht 2020. Der Regierungsrat will damit 150000 Franken Miete sparen und den verbleibenden Ämtern, die 12 Vollstellen umfassen, eine konstante Grundauslastung ermöglichen. Zurzeit wird laut Berner geprüft, ob die in Frauenfeld und Amriswil verbleibenden Ämter in ihren bisherigen Räumlichkeiten bleiben können.

Bedeutende Einnahmequelle für Traulokale

Ein gutes halbes Jahr vor der Umsetzung muss festgestellt werden, wie Kantonsrätin Altwegg schreibt, «dass die Fusion statt zu einem verbesserten Angebot zu einem Abbau der Dienstleistungen führt». Viele Brautpaare und beliebte externe Trauungsorte seien betroffen, da für 2020 keine Samstagstrauungen reserviert werden könnten. Gegenüber dieser Zeitung betont Altwegg, dass die Hochzeitsveranstaltungen für die externen Traulokale eine bedeutende Einnahmequelle darstellten.

Das Weinfelder Wöschhüsli zählt zu den beliebtesten Traulokalen. (Bild: Reto Martin)

Das Weinfelder Wöschhüsli zählt zu den beliebtesten Traulokalen. (Bild: Reto Martin)

Die «Schweizer Illustrierte» zählte die Seeburg 2016 zu den «50 schönsten Orten zum Heiraten» der Schweiz. Für den Wirt Matias Bolliger sind die Trauungen «sehr wichtig». Als Traulokal dient das sogenannte Intarsienzimmer.

Alle fünf Wochen heiraten vier Paare in der Seeburg

Alle fünf Wochen kommt samstags ein Zivilstandsbeamter für vier Trauzeremonien, die um 11, 11.30, 12.30 und 13 Uhr stattfinden. Die Termine sind immer ausgebucht. «Das bedeutet vier Apéros rund ums Haus», sagt Bolliger, «bei schlechtem Wetter im Zelt». Bei jedem Apéro nehmen üblicherweise 40 bis 70 Personen teil. Dazu kommt ein Abendessen; da es im Innern der Seeburg serviert wird, kann nur eine Hochzeitsgesellschaft bedient werden.

Giacun Valaulta, Chef des Amts für Handelsregister und Zivilstandswesen. (Bild: Andrea Stalder)

Giacun Valaulta, Chef des Amts für Handelsregister und Zivilstandswesen. (Bild: Andrea Stalder)

Giacun Valaulta, Chef des Amts für Handelsregister und Zivilstandswesen, sagt: «Es gibt auch 2020 Trauungen am Samstag.» Details würden «in den nächsten Wochen» bekanntgegeben. Weshalb zurzeit ein Reservationsstopp gilt, erklärt Valaulta nicht. Zu vermuten ist, dass es um die Auslastung der Zivilstandsbeamten geht. Bei einer Anreise wegen einer einzelnen Trauung wäre der Aufwand zu gross.