Böses Blut wegen Stallneubau
in Wittenwil: Landwirt stellt Rekurrenten an den Pranger

Seit über einem Jahr befinden sich der Eigentümer eines Landwirtschaftsbetriebs und Einwohner von Wittenwil in einem Rechtsstreit. Dabei geht es um einen Stallneubau an der Scheuerstrasse.

Kurt Lichtensteiger
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Die Tafel vor der maroden Scheune bei Wittenwil führt unter anderem die 31 Namen der Einsprecher auf. (Bilder: Kurt Lichtensteiger)

Die Tafel vor der maroden Scheune bei Wittenwil führt unter anderem die 31 Namen der Einsprecher auf. (Bilder: Kurt Lichtensteiger)

Die frühlingshafte Witterung der vergangenen Tage lockte manche Naturfreunde ins Freie. Wer sich von Aadorf nach Osten entlang des Riets in Richtung Heiterschen begibt, gerät bald einmal ins Staunen. Schon aus etlicher Ferne nimmt eine Siedlung von Ökonomiegebäuden, genannt «Schüür», den Blick gefangen.

Darum herum türmen sich schlanke Bauvisiere in die Höhe. Da geschieht endlich etwas, mag man sich beim Anblick der teilweise eingestürzten oder stark baufälligen Gebäude denken. Beim Nähertreten erhöht sich die Aufmerksamkeit. Nicht nur, weil ein rot-weisses Band den Zutritt von der Scheuerstrasse her beeinträchtigt. Ein Dachziegel könne auf den Kopf fallen. Gar schon von einer möglichen Sperrung der Strasse sei die Rede gewesen, wie später zu erfahren war.

Schreiben des Anwalts aufgehängt

Den Blick gefangen nimmt deshalb – aber auch aus einem anderen Grund – eine grosse Tafel mit Warnhinweisen und angeschlagenen schriftlichen Erklärungen. Sie stammen vom Landeigentümer und zitieren ein siebenseitiges Schreiben eines renommierten Thurgauer Anwaltsbüros.

Wer sich die Zeit zum Lesen der Flut von Informationen nimmt, mag nach den teils widersprüchlichen Ausführungen nicht gescheiter geworden zu sein. Unübersehbar für den Betrachter sind vor allem die 31 fett gedruckten Namen, nämlich von Bewohnern des östlichen Teils von Wittenwil. Aufgeführt vom Landeigentümer, sind die Rekurrenten sozusagen verbal an den Pranger gestellt.

Die Nennung der Einsprecher heizt das vergiftete Klima zweifellos an. Das ungewöhnliche Vorgehen ist umso mehr ein Grund, sich eingehender mit der Materie zu befassen. Doch wie es in derlei Auseinandersetzungen oft der Fall ist, entpuppt sich auch hier der Rechtsstreit – zumal dieser bereits eine Vorgeschichte hat – als äusserst komplex: Widersprüche, Drohungen und Anschuldigungen stehen sich gegenüber.

14 Hektaren erworben

Konkret geht es um ein Baugesuch zum Neubau eines Laufstalls für Milchvieh mit Remise, einer Mastkälberaufzucht sowie Terrainveränderung und Rückbau verschiedener Ökononomiegebäude. Dies zu realisieren beabsichtigt Beat Schär aus Wängi, der die Siedlung mit einer Fläche von 14 Hektaren vor wenigen Jahren von Paul Klaus erworben hat, um sein Eigenland auf 44,5 Hektaren zu erweitern.

Nun sieht die Wängemer Familie mit vier Kindern ihre Entwicklungsmöglichkeiten beeinträchtigt. Schär verweist auf sein gutes Recht, zumal die Bauvorschriften eingehalten worden seien und die Gemeinde und der Kanton grünes Licht zur Realisierung gegeben hätten.

Auf der Gegenseite stehen die Rekurrenten, ein Grossteil aus dem östlich gelegenen Wittenwil, rund 500 Meter entfernt. Auch sie pochen in einem Schreiben auf ihre Argumente und wollen den Sachverhalt und die effektiven Hintergründe darlegen.

Sie betonen, dass Schär schon vor anderthalb Jahren an einem anderen Standort geplant habe, zwei Schweinemastställe zu erstellen. Die Wittenwiler lehnten sich gegen dieses Betriebskonzept auf, worauf die Bauherrschaft sein Baugesuch zurückzog und am jetzigen Standort plante. Die Bauanfrage am neuen Standort wurde mit der Gemeinde diskutiert.

Unliebsamer Schweinestall

Die Rekurrenten bemängelten jedoch die Höhe und die Länge des Gebäudes und das Fehlen nötiger Vorabklärungen. Sie befürchten – ohne explizit darauf einzugehen – dass ein industriemässiger Schweinestall dereinst wieder ein Thema sein könnte. Schuld für die Verzögerung des Baugesuches habe die Bauherrschaft, nicht die 31 Rekurrenten.

So zieht sich ein Baugesuch nach dem andern dahin und ist zu Juristenfutter geworden. Wer nach drei Einsprachen schliesslich recht bekommt – und es kann noch lange dauern – kann hier nicht beurteilt werden. Meist gibt es einen Verlierer. Es können aber auch zwei oder gar mehrere sein.

Aadorf verfügt noch über genügend Grundwasser

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Kurt Lichtensteiger

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Kurt Lichtensteiger