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Rekordernte: Zu wenig Mäuler für alle Äpfel

Es ist der Herbst der Rekordernten. Doch für Tonnen von Äpfeln fehlen die Abnehmer. Deshalb müssen Bauern schönstes Tafelobst zu Schleuderpreisen weggeben. Bei den Winzern ist das Problem weniger gravierend.
Silvan Meile
Äpfel der Sorte Gala. (Bild: Susann Basler)

Äpfel der Sorte Gala. (Bild: Susann Basler)

Die Obstproduzenten geraten vom Regen in die Traufe. Im vergangenen Jahr liess später Frost die halbe Ernte ausfallen, in diesem Jahr gibt es nun zu viele Äpfel. Denn die Obstbäume haben sich vom damaligen Stress erholt und reagieren mit umso mehr Früchten. «Die Äpfel haben sich perfekt entwickelt», sagt Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbandes. Das führt dazu, dass der Markt das viele Tafelobst nicht schlucken kann. «Schweizweit werden im Handel pro Jahr durchschnittlich rund 100 000 Tonnen einheimische Tafeläpfel verkauft», sagt Gilg. Schätzungen zufolge werde die Branche in diesem Jahr aber 168 000 Tonnen ernten, einen Drittel im Thurgau. Das füllt die Lagerbestände bis unters Dach und drückt den Preis für ein Kilo Tafeläpfel gegen einen Franken.

Doch die Obstbauern sind auch gezwungen, bestes Tafelobst in die Mostereien zu fahren, wo der Preis drei bis viermal tiefer liegt als beim Detailhandel. «Das tut weh», sagt Gilg. In der Branche sei nun Solidarität gefragt. «Der Thurgauer und der St.Galler Obstverband rufen seine Mitglieder nach Rücksprache mit den Abnehmern zum Zusammenhalt auf.» Die Produzenten sollten sich an die im Vorfeld mit den Vermarktern vereinbarten mengenmässigen Richtwerten halten. Das darüber hinaus anfallende Tafelobst sollen die Produzenten über die Vermarkter zu gleichen Teilen an die Industrie oder Mostereien verkaufen und so den tieferen Erlös auf alle Schultern gleich verteilen.

Von einer Kontingentierung will die Branche aber nichts wissen. «Wir müssen den Markt spielen lassen, die Betriebsabläufe laufend optimieren und effizienter werden», sagt Gilg. Der aktuelle Mengenüberschuss gründe auf dem sehr ertragreichen Jahr, bestehe nicht wegen zu vieler Obstbauern. Die Anbauflächen seien in der Schweiz nicht massiv zu gross. Ein durchschnittliches Jahr decke den Bedarf gut ab.

Qualität vor Masse bei den Weinbauern

Eine Kontingentierung kennen die Weinbauern. In den Rebhängen sind die maximalen Traubengewichte festgeschrieben, die pro Quadratmeter geerntet werden dürfen. Im trockenen und heissen 2018 sind die Früchte sehr üppig gewachsen. Theoretisch hätte in diesem ertragreichen Jahr vielerorts mehr geerntet werden können, sagt Markus Müller, Präsident von Thurgau Weine. Doch die Mengenbeschränkung mache Sinn. Durch sie könne die Qualität der Weintrauben mit ihrer Herkunftsbezeichnung möglichst hochgehalten werden. Ausserdem sei der Markt gesättigt. Würde er in so ertragsreichen Jahren mit zusätzlichem Wein geflutet werden, käme der Preis der Thurgauer AOC-Weine zusätzlich unter Druck.

Auch Urs Hausammann, der auf dem Iselisberg seine Iselisberger Weine selber keltert, ist von der Mengenbeschränkung nicht wirklich betroffen. «Wir schauen nur auf die Qualität, nicht auf eine möglichst grosse Menge.» Deshalb würde er seine Rebstöcke regelmässig zurückschneiden, damit nur die besten Trauben hängen bleiben. Dadurch unterschreite er die vorgeschriebene Maximalmengen sowieso. Kürzlich habe er in einem fremden Rebhang aber tatsächlich gesehen, wie ein Teil der Trauben verfault, weil er wohl aufgrund der Kontingentierung nicht mehr verkauft beziehungsweise gekeltert werden darf. Generell müsse aber ein Thurgauer Weinproduzent mit Qualität glänzen, nicht mit Masse. Denn dort sei die Konkurrenz enorm, sagt Hausammann.

Eine Möglichkeit bleibt aber noch für die überschüssigen Trauben. Zu einfachem Landwein dürften sie dennoch verarbeitet werden.

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