Interview

Regierungsrätin Monika Knill: «Die Faszination des Amts hält an»

Thurgauer Regierungsratswahlen (3): Monika Knill, SVP, strebt motiviert eine vierte Amtszeit an.

Sebastian Keller
Hören
Drucken
Teilen
Monika Knill fühlt sich wohl im Regierungsgebäude in Frauenfeld.

Monika Knill fühlt sich wohl im Regierungsgebäude in Frauenfeld.  

Bild: Andrea Stalder

Sie sind seit bald zwölf Jahren Regierungsrätin. Spüren Sie keine Amtsmüdigkeit?

Monika Knill: Nein, Neugierde und Faszination am Amt hält bei mir an. Wenn ich mich am Sonntag auf die neue Woche freue, ist das ein gutes Zeichen.

Was macht es aus?

Die Vielfalt des Amtes. Ich erachte es als Privileg, mit den vielen Sonnen-, aber auch den Schattenseiten.

Haben Sonnen- oder Schattenseiten zugenommen?

Es gab immer beides. Verändert hat sich, wie man sie thematisiert.

Nennen Sie ein Beispiel.

Mit den sozialen Medien hat sich auch die Art verändert, wie man Kommunikation erwartet. Die 24-Stunden-Gesellschaft fordert Reaktionszeit fast über Nacht.

Macht das höhere Tempo das Regieren schwieriger?

Das Regieren nicht unbedingt, aber die Arbeit wird anspruchsvoller. Die Reduktion auf eine Schlagzeile erachte ich als schwierig. Vieles ist eben nicht nur schwarz oder weiss. Aber das passt nicht in die verkürzten Kommunikationsgefässe wie Twitter. Manchmal mache ich mir Sorgen, dass man auf der Oberflächlichkeit verharrt. Die Politik ist manchmal Steigbügelhalter für diese Tendenz.

Sie stehen dem Departement für Erziehung und Kultur (DEK) seit drei Legislaturen vor. Ist ein Wechsel ein Thema?

Das prüfe ich jedes Mal. Aber wie jedes Mal halte ich mich bis nach den Wahlen bedeckt. Ich weiss, dass ich entscheiden könnte.

Als Amtsälteste.

Genau. Deshalb wäge ich Pros und Kontras sorgfältig ab.

Im DEK gibt es einige Baustellen, die Pädagogische Hochschule Thurgau (PHTG) oder das Kunstmuseum. Mit einem Wechsel hätten Sie die Probleme los.

Ein derart motivierter Wechsel würde mir nicht entsprechen. Dass es schwierigere Geschäfte gibt, gehört dazu. Genau in solchen Situationen ist ein Regierungsmitglied gefordert.

Eine These zur Freistellung des Vizerektors der PHTG: Ihnen wäre es lieber gewesen, wenn das nicht öffentlich verhandelt worden wäre.

So absolut würde ich das nicht sagen. Aber Art und Umfang waren aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar. Es gab in meinen bald zwölf Jahren kein Geschäft, mit dem ich mich so stark beschäftigte wie mit der PH. Mir war es ein persönliches Anliegen, die Gesamtsituation positiv zu beeinflussen. Heute sind wir an einem guten, konstruktiven Punkt.

Zur Person

Seit bald zwölf Jahren im Amt


Monika Knill wurde 2008 erstmals in den Regierungsrat gewählt. Seither schaffte sie die Wiederwahlen immer problemlos. Sie steht seit bald zwölf Jahren dem Departement für Erziehung und Kultur (DEK) vor. Vor ihrer Wahl sass sie fünf Jahre im Grossen Rat. Sie ist gelernte medizinische Praxisassistentin und hat sich zur Verwaltungsökonomin weitergebildet. Knill ist verheiratet, mit ihrem Mann Josef hat sie zwei erwachsene Töchter. Die SVP-Politikerin wohnt in Alterswilen. «Familie geniessen» zählt die 47-jährige neben Sport, Wandern und Kultur zu ihren Hobbys. Sie ist Bürgerin von Appenzell und Erlen. (seb.)

In PH-Mitarbeiterschaft gab es Unmut, viele offene Fragen. Das ist Gift für eine Organisation.

Ja. Es ging aber nicht nur um die Freistellung. Mit ihr ist aufgebrochen, dass an der PH inhaltliche Meinungen aufeinandergeprallt sind. Eine pädagogische Hochschule ist eine Expertenorganisation, wo alle einen hohen Bildungsstand haben und ihre Expertise mitbringen, ihre Meinungen vertreten wollen. Hier gärte etwas vor sich hin.

Sebastian Wörwag wird neuer PH-Präsident. Ein Glücksfall?

Ja, aber wir hatten mehrere sehr gute Bewerbungen. Mit Blick auf die Akkreditierung ist es super, wenn jemand kommt, der die Hochschullandschaft kennt, der ein breites Netzwerk hat. Sebastian Wörwag weiss auch, was in einem Change-Management-Prozess für hochschulinterne Fragen und Ängste da sind. Sebastian Wörwag ist ein Zugpferd, das die PHTG auch in der Schweizer Hochschullandschaft gut verankern kann.

Eine Thurgauer Fachhochschulfiliale wird gefordert. Kann man darauf hoffen?

Darauf darf und muss man sogar hoffen. Klar ist, es wird nicht einen Hochschulstandort geben können wie Buchs, Rapperswil und St.Gallen. Vielleicht ein Institut, das im Thurgau angesiedelt wird. Etwas, was zum Thurgau passt, wo es Anknüpfungspunkte gibt. Nehmen wir die Swiss Future Farm in Tänikon, wo es um die Digitalisierung der Landwirtschaft geht.

Die verschiedenen Regionen bringen sich in Stellung für den Standort des Historischen Museums. Wann entscheiden Sie?

Das Ziel ist, dass der Regierungsrat 2020 Grundsatzentscheide für das Historische Museum wie auch das Kunstmuseum fällt. Ich hoffe, dass wir vor den Sommerferien informieren können.

Parteikollege und Regierungsratskandidat Urs Martin fordert einen Volksentscheid zum Kunstmuseum.

Wenn es um eine Erweiterung oder einen neuen Standort geht, ist ein Volksentscheid zwingend. Ein Museum ist nicht zum Schnäppchenpreis zu haben, das Volk redet schon wegen der Summe mit – beim Kunstmuseum wie Historischen Museum.

Der Oberthurgau propagiert Arbon, Frauenfeld will als bisheriger Standort punkten. Begrüssen Sie diesen Wettbewerb der Regionen?

Ich finde es grossartig, dass man sich um einen Museumsstandort reisst, das zeigt den kulturellen und touristischen Stellenwert.

Mit Martin waren Sie nicht immer einig, nun machen Sie zusammen Wahlkampf. Fällt Ihnen das schwer?

Nein. Jeder weiss, dass Kantonsrat und Regierungsrat eine andere Rolle ist. Wir Bisherigen haben diesen «Umstieg» auch geschafft. Ich traue Urs Martin das zu, er ist ein schlauer Kopf.

Auf Smartvote ist zu lesen, dass Sie dafür sind, Gemeindefusionen verstärkt zu fördern. Ein heisses Eisen.

Vielleicht, aber Gedanken machen sollte man sich trotzdem. Ich spreche die Bildung von Volksschulgemeinden an, die wir bereits finanziell fördern. Wichtig ist: Dieser Prozess muss vor Ort angestossen werden.

Ihnen schwebt eine Markthalle für den Thurgau vor.

Unbedingt! Diese Idee treibt mich schon länger um, ein toller Holzbau, multifunktional nutzbar. Ein Anziehungspunkt mit Atmosphäre, wo es die vielen Thurgauer Produkte gibt.

Dann trinken sie nach Ihrer Wiederwahl einen Thurgados und keinen Appenzeller?

Ich liebe Appenzeller, daher trinke ich erst einen Möhl-Süssmost und dann einen Appenzeller. Wir wollen ja weiterhin gut in der Ostschweiz zusammenarbeiten.

Knill sitzt fest im Sattel

Einschätzung der Redaktion

Kurz nach ihrem 48. Geburtstag dürfte Monika Knill auf ihre Wiederwahl anstossen. Trotz Baustellen wie PH und die offene Museumsfrage sitzt die SVP-Regierungsrätin fest im Sattel. Ihr Departement hat sie im Griff, kennt Dossiers und ist bestens vernetzt. Parteipolitisch fällt die Magistratin kaum auf. Sie muss ab und zu gegen ihre Partei antreten, was sie souverän tut. Zu hoffen ist, dass sie Arbeit und Entscheide künftig transparenter macht. Damit kann sich die sportliche Regierungsrätin für das Öffentlichkeitsprinzip aufwärmen. (seb.)