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Der Herdermer Wald leidet: Die Regierung rechnet mit dem Schlimmsten

Bei einem Waldrundgang in Herdern hat Regierungsrätin Carmen Haag erfahren, warum der Schutzwald auch ein Schusswald ist und dass es Eschen und Fichten himmeltraurig geht.
Thomas Güntert
Regierungsrätin Carmen Haag pflanzt mit dem Forstwart-Lernenden Pascal Weidmann eine Winterlinde. (Bild: Thomas Güntert)

Regierungsrätin Carmen Haag pflanzt mit dem Forstwart-Lernenden Pascal Weidmann eine Winterlinde. (Bild: Thomas Güntert)

«Das ist mein erster Baum, den ich wissentlich gepflanzt habe», sagte die Regierungsrätin Carmen Haag, als sie am Mittwoch auf einer kantonseigenen Parzelle eine Winterlinde pflanzte. Zweimal jährlich ist die Chefin des Departements für Bau und Umwelt zu Besuch in den Thurgauer Forstrevieren.

Nach einer Sitzung mit den Forstfachleuten im Schloss Herdern stellte der Förster Hansjörg Hagist den Schutzwald des Frauenfelder Waffenplatzes vor. Zweimal jährlich führt das Militär dort dreiwöchige Wiederholungskurse durch, bei denen 110 der 150 Hektaren grossen Waldfläche mit Haubitzen beschossen werden. Hagist bemerkte, dass der Wald kein Holz produzieren, sondern vor herumfliegenden Metallteilen schützen soll. Regierungsrätin Haag war sichtlich überrascht, als sie im Wald eine alte Blindgänger-Granate erkannte, die mit einem Vorsicht-Schild markiert war.

Der öffentlich zugängige Schutzwald wird bei Schiessübungen mit 72 Barrieren abgesperrt. Markus Neuweiler, verantwortlich für den Waffenplatz, erklärte, dass durch das vermehrte Aufkommen von Biker und Jogger bei Schiessübungen Truppenunterstützung benötigt wird.

«Es tut mir weh, wie die Bevölkerung mit dem Wald umgeht und meint, er sei Allgemeingut»

sagte Hagist. Etwas wehmütig erinnerte sich der alte Förster daran, wie er vor 50 Jahren mit der Ausbildung begonnen hatte und wie sich der Wald seither verändert hat.

«Die Esche ist hier die zweitwichtigste Laubholzart und der geht es himmeltraurig», betonte Hagist, der für das Eschentriebsterben den Wohlstand und die Globalisierung verantwortlich macht und bei den Menschen ein Umdenken fordert. Wenn Hagist in Kürze in Pension geht, wird sein Forstrevier Herdern aufgelöst und den Forstrevieren Seerücken sowie Neunforn-Uesslingen zugeteilt.

Auch der Borkenkäfer fordert ein Umdenken

Förster und Forstbetriebsleiter Paul Koch stellte auf der zweiten Station sein Forstrevier Neunforn-Uesslingen vor und ging dabei auf die Borkenkäferschäden ein. Daniel Böhi, Leiter des Kantonsforstamtes, bemerkte, dass das Käferholz für Privatwaldbesitzer allenfalls noch ein Nullsummenspiel ist. «Generell kann der Privatwaldbesitzer dazu verpflichtet werden, dass er das käferbefallene Holz aus dem Wald holt», sagt Böhi.

Er gab aber zu bedenken, dass das nicht so einfach ist, wenn der Forst selbst nicht in der Lage ist, seine Hausaufgaben zu machen.

«Der Borkenkäfer ist in der Regierung angekommen»

sagte Carmen Haag. Zuletzt seien Gelder für Massnahmen mit Käferholz gesprochen worden. «Wenn es so weitergeht, müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen.»

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