Abstimmung
Reduziert und trotzdem mehr: Sirnacher Gemeinderat folgt kantonalen Empfehlungen fürs Budget 2021

Die Sirnacher Stimmbürger befinden am 10. Januar an der Urne über das Budget 2021 und den Rechnungsabschluss 2019.

Olaf Kühne
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Gemeindepräsident Kurt Baumann und Schulpräsident Urs Schrepfer präsentieren das Sirnacher Budget 2021.

Gemeindepräsident Kurt Baumann und Schulpräsident Urs Schrepfer präsentieren das Sirnacher Budget 2021.

Bild: Olaf Kühne

Da war doch noch was. 2021, wenn auch bereits am 10. Januar, stimmen die Sirnacherinnen und Sirnacher über die Rechnung 2019 ihrer Gemeinde ab. Was sich nun furchtbar spät anhört, ist schlicht der Coronapandemie geschuldet. Als die Gemeinden im Frühling wegen des Virus ihre Gemeindeversammlungen absagen mussten, schuf ihnen der Regierungsrat die Möglichkeit, über Rechnungsabschlüsse an der Urne befinden zu lassen – oder erst Ende Jahr an der Budgetgemeindeversammlung. In Sirnach setzte man auf Letzteres. Am 10. Dezember hätte die Versammlung über Rechnung, Budget und weitere Traktanden befinden sollen.

Die zweite Welle der Pandemie macht dem Gemeinderat nun aber einen Strich durch die Rechnung. Während andernorts vereinzelt dennoch Gemeindeversammlungen durchgeführt werden, sagt der Sirnacher Gemeindepräsident Kurt Baumann: «In unserem Dreitannensaal haben wir schlicht nicht die räumlichen Begebenheiten, um alle Vorschriften einzuhalten.»

Zwei weitere Millionen für die neue Turnhalle

So werden denn die Sirnacher Stimmbürger am 10. Januar nur zu Rechnungsabschluss und Budget befragt. In den Abstimmungsunterlagen, welche sie in diesen Tagen zugeschickt erhalten, finden sie dennoch sechs Abstimmungszettel vor: Für das kommende Jahr hätte der Gemeinderat gerne nebst dem Budget separat die Investitionsrechnung und den gleichbleibenden Steuerfuss von 150 Prozent genehmigt. Ebenso aus 2019 die beiden Abschlüsse. Und weil Ende des vergangenen Jahres 2,2 Millionen Franken Überschuss resultierten, schaut der Gemeinderat mit seinem sechsten Antrag in die Zukunft: Zwei Millionen will er in die Vorfinanzierung der Dreifachturnhalle Birkenweg stecken. Diese ist zwar noch nicht bewilligt und kommt voraussichtlich erst im kommenden September an die Urne. Zudem ist die Kredithöhe noch unbekannt. «Ein Ja zur Gewinnverwendung ist kein Vorentscheid für die Turnhalle», sagt denn auch Gemeindepräsident Kurt Baumann. «Wird das Projekt an der Urne abgelehnt, lösen wir die Vorfinanzierung wieder auf.»

Der grosse Sirnacher Gewinn des vergangenen Jahres resultiert im Wesentlichen aus einer Erbschaft von 1,4 Millionen Franken (unsere Zeitung berichtete) sowie einem Steuerertrag, der eine Million über Budget lag. «Wir gehen für das laufende Jahr von einem ähnlich positiven Abschluss aus», sagt Baumann. Dies auch, weil Sirnach dank zahlreichen Neubauten rund 100 Neuzuzüger verzeichnen kann.

Für das Budget 2021 hielt sich der Gemeinderat zwar an die Empfehlungen des Kantons, hinsichtlich der Coronapandemie vorsichtiger zu budgetieren. «Wir haben unsere Hochrechnung für den Steuerertrag 2020 um drei Prozent reduziert», sagt Baumann. Weil aber 2019 und voraussichtlich auch 2020 weit besser abschliessen als jeweils vorhergesagt, liegt nun auch der Steuerertrag im Budget 2021 um 386000 Franken höher als noch für das laufende Jahr budgetiert.

Nullrunde für Personal – ausser für Lehrer

So stimmen die Sirnacher nun über ein 33-Millionen-Budget mit einem Verlust von 355000 ab. «Für das Personal bedeutet das eine Nullrunde», sagt Baumann – und Schulpräsident Urs Schrepfer ergänzt: «Ausser natürlich die vorgeschriebenen Stufenanstiege für das Lehrpersonal.» Grössere Ausreisser gebe ist im Schulbudget indes nicht, sagt Schrepfer. Auf einige Punkte weist er im Gespräch mit unserer Zeitung dennoch hin. So erhalten künftig auch Primarschüler der 5. und 6. Klasse ein iPad. Auf der Kindergartenstufe will Sirnach 53000 Franken zusätzlich in Deutschunterricht für fremdsprachige Kinder investieren – als Fortsetzung der bereits bestehenden Sprachspielgruppe. «Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir so noch mehr Eltern erreichen können», sagt Pädagoge und SVP-Kantonsrat Schrepfer.