Glosse

Rechtzeitig zum Schluss

Schimpf und Schande sowie Fluchwörter in Fäkalsprache rund um eine Frauenfelder Grossbaustelle sind längst der Hysterie rund ums Corona-Virus gewichen. Die Gemeinde Matzingen jedoch beschäftigt die temporäre Verkehrsanordnung weiter, die vielleicht gerade noch rechtzeitig vor dem Abschluss der Baustellenphase kommt.

Samuel Koch
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Ein Bild, das fast in Vergessenheit geraten ist: Ein Fahrzeug passiert die Kreuzung Marktstrasse/St.Gallerstrasse vor der Phase der Grossbaustelle.

Ein Bild, das fast in Vergessenheit geraten ist: Ein Fahrzeug passiert die Kreuzung Marktstrasse/St.Gallerstrasse vor der Phase der Grossbaustelle.

(Bild: Andrea Stalder, November 2018)

Riesig der Aufschrei in den sozialen Medien. Schimpf und Schande über die Verantwortlichen. Öppe öpper ballte die Faust im Sack und fluchte im Stillen vor sich hin. Ja gar Terminologien, die sonst nur mit WC und Kloschüssel in Verbindung gebracht werden, machten die Runde, nachdem sich Verkehrsteilnehmer in Frauenfeld seit Sommer 2019 wegen der Grossbaustelle und der zumindest stadtauswärts gesperrten St.Gallerstrasse ein Mü länger gedulden müssen.

Samuel Koch, Redaktor Thurgauer Zeitung, Leiter Ressort Frauenfeld.

Samuel Koch, Redaktor Thurgauer Zeitung, Leiter Ressort Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Ausgefuchste unter uns, die früher während des Geografieunterrichts nicht auf einem Fensterplatz sassen, sind über Talstrasse, Försterhausstrasse oder Alte Landstrasse in Richtung Matzingen, Wil und St.Gallen gelangt statt übers A7/A1-Kreuz Attikon. Diese Schlaufe oder die Hauptstrasse über Thundorf empfahl auch das Tiefbauamt und veranlasste, dass obige Schleichwege per Verkehrsanordnung temporär verboten werden. Wiederum gab’s Empörung mit Fluchwörtern in Fäkalsprache.

Nun gut. Die Gemeinden Frauenfeld und Matzingen sind ihren Verpflichtungen mit öffentlichen Auflagen und Einsprachefristen nachgekommen, um die temporären Fahrverbote gesetzlich zu legitimieren. Einzig in Matzingen hakt es, denn der Gemeinderat hat seinen Ortsteil Dingenhart kurzerhand von der Gemeinde abgeschnitten. Die Einwohner des Weilers am Fusse des Stählibuckturms starteten zur Rebellion, als die Wut beim breiten Autovolk längst der Aufmerksamkeit über Trumps WEF-Besuch, Winterstürmen oder der omnipräsenten Hysterie ums Corona-Virus gewichen war.

Den Matzinger Gemeinderat beschäftigt das Thema weiter. Denn mit Auflage bis Ende März sieht das Gesuch auch die Signalisation eines Zubringerdienstes vor. Sofern wiederum Einsprachen eingehen, dürfte sich die Umsetzung des Provisoriums weiter verzögern. Vielleicht stellt der Kanton dann die temporären Signale Anfang Juni auf – gerade rechtzeitig zum Schluss der Grossbaustelle in Frauenfeld. Wenn nämlich alles nach Plan geht, gehört sie schon in den Sommerferien der Geschichte an.