Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Raubtier reisst Schafe am Ottenberg – Spuren weisen auf Wolf hin

Die Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung warnt Schaf- und Ziegenhalter vor einem Grossraubtier. Dieses hat in den vergangenen Tagen im Raum Weinfelden mehrere Schafe gerissen. Die genetische Identifikation des Raubtiers läuft.
Larissa Flammer
Ein Wolf im Wildpark Bruderhaus bei Winterthur. (Bild: Benjamin Manser)

Ein Wolf im Wildpark Bruderhaus bei Winterthur. (Bild: Benjamin Manser)

Per Zufall ist Hansjörg Aeschbacher aus Weinfelden am Mittwoch einem Schafhalter begegnet, der zwischen Weinfelden und Berg gerade mehrere seiner Tiere tot aufgefunden hatte. Am nächsten Tag erhielt Aeschbacher, der selber zwei Schafe hält, eine E-Mail vom Kanton.

Dort heisst es an die Adresse von Thurgauer Schaf- und Ziegenhalter: «In den vergangenen Tagen wurden im Raum Berg (Ottenberg) mehrere Schafe durch ein Grossraubtier gerissen.» Die genetische Identifikation des Verursachers sei derzeit im Gange, «die Spuren vor Ort weisen auf einen Wolf hin». Das Schreiben an die Tierhalter liegt unserer Zeitung vor.

Zweimal holte sich das Raubtier seine Beute von der gleichen Weide

Roman Kistler, Amtsleiter der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung, präzisiert auf Anfrage:

«In zwei Fällen wurden Schafe gerissen. Einmal am vergangenen Wochenende und ein zweites Mal von Dienstag auf Mittwoch.»

Beide Male holte sich das Raubtier seine Beute auf der gleichen Weide. Sieben Tiere kamen dabei ums Leben oder mussten im Nachhinein getötet werden.

Der Amtsleiter betont, dass es sich bei dem Raubtier auch um einen grösseren Hund handeln könnte. Beobachtet habe die Vorfälle niemand. Der Kanton hat bei den getöteten Schafen Proben genommen. Spezialisten der Universität Lausanne werden das Genmaterial analysieren. Mit den Resultaten ist in zwei bis drei Wochen zu rechnen.

Schutzmassnahmen für Kleintiere

Die Jagd- und Fischereiverwaltung empfiehlt Kleintierhaltern in der E-Mail, Massnahmen zum Schutz der Nutztiere zu treffen: «Umzäunungen sind sorgfältig zu überprüfen und, wo nötig, anzupassen (sauberer Aufbau, ausreichende elektrische Spannung und Erdung).»

Über Nacht sollen Kleintiere wenn möglich in einem Stall untergebracht werden. Dies biete den besten Schutz gegen Angriffe von Grossraubtieren, da diese in der Regel nachts erfolgen würden. «Diese Massnahmen müssten sowieso eingehalten werden», ergänzt Roman Kistler.

Der letzte Wolf kam vor knapp zwei Jahren

Alex Gassner hält im Weiler Alp auf dem Ottenberg Milchziegen. Diese seien zu dieser Jahreszeit in der Nacht sowieso im Stall, weshalb er ihretwegen nicht beunruhigt sei. Bei den Schafhaltern sehe das anders aus, deren Tiere würden noch das Restgras abweiden.

Gassner stellt sich die Frage, ob der Wolf im Mittelland etwas zu suchen hat und ob der hohe Schutzstatus, den er geniesse, gerechtfertig sei.

«Muss er denn immer ein Massaker anrichten, bis man Massnahmen ergreifen darf?»

Es widerspreche der Forderung nach Nähe zur Natur, wenn man die Tiere immer mehr einzäunen müsse, damit ihnen nichts passiert.

Der letzte Wolf kam vor bald zwei Jahren

Anfang März 2017 hat ein Wolf im Kanton Thurgau mehrere Schafe gerissen. Er holte seine Beute in Hohentannen und in Uesslingen. Dass es sich um einen Wolf handelte, bewies die DNA-Analyse des Speichels, den das Raubtier hinterlassen hatte. Die Spezialisten der Universität Lausanne konnten damals sogar beweisen, dass der fragliche Wolf aus Italien stammte und als M75 bekannt war. Wenige Tage später wurde der männliche Wolf in Graubünden nachgewiesen.

Im Frühjahr 2017 hatten die Kantone Graubünden, Tessin, St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden M75 zum Abschuss freigegeben. Die Jäger hatten allerdings keinen Erfolg, die Bewilligungen liefen wieder ab. Vor M75 wurde im Thurgau 200 Jahre lang kein Wolf nachgewiesen. Eine Studie hat gezeigt, dass der südliche Thurgau theoretisch ein geeigneter Lebensraum für einen Wolf wäre. Das Gebiet ist allerdings klein und isoliert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.