Radsport
Ein Frauenfeld in Frauenfeld, Heimsieg der einheimischen Namensvettern und Bundesrätin Viola Amherd: Die Tour de Suisse feierte ihren Auftakt im Thurgau

Mit zwei Rennen der Frauen und einem Zeitfahren der Männer hat die Tour de Suisse am Wochenende Frauenfeld und die Region besucht. Bundesrätin Viola Amherd stattete den Organisatoren ebenfalls einen Besuch ab. Diese ziehen trotz Einschränkungen ein positives Fazit.

Viola Stäheli
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Die Tour de Suisse der Frauen in Frauenfeld.
Frauenfeld TG , 06.06.2021 / Tour de Suisse in Frauenfeld . Tour de Suisse Women

Donato Caspari

Ein rot blinkendes Auto fährt durch. Nur noch fünf Minuten, und dann ist es so weit. Die Verkehrssoldaten bringen sich in Position. Ein gutes Dutzend Töfffahrer macht den Auftakt, und dann sind sie da: die Fahrerinnen der diesjährigen Tour de Suisse. Es ist ein surrendes Geräusch zu hören, als sie Lenkstange an Lenkstange durch Frauenfeld fahren. Die zweite Etappe am Sonntag hat gerade begonnen, noch ist das Feld dicht gedrängt.

Insgesamt zehn Runden werden die Fahrerinnen durch Frauenfeld absolvieren, was insgesamt eine Distanz von 98 Kilometern ergibt. Das ist weniger als die erste Etappe am Samstag, die 114 Kilometer umfasste und von Frauenfeld über Warth ins Seebachtal zum Kloster Kalch­rain und über Pfyn zurück nach Frauenfeld führte.

Erster Tag der Tour de Suisse in Frauenfeld und Region bei Hörhausen.
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 Tour de Suisse Women bei Nussbaumen
Tour de Suisse Women bei Nussbaumen
Tour de Suisse Women auf der Thurbrücke zwischen Frauenfeld und Warth

Erster Tag der Tour de Suisse in Frauenfeld und Region bei Hörhausen.

Bild: Donato Caspari

Abgeschirmter Start- und Zielbereich

Die Tour de Suisse findet pandemiebedingt unter speziellen Bedingungen statt: Der Start- und Zielbereich ist selbst für Medienschaffende nur zugänglich, wenn sie akkreditiert sind und einen negativen PCR-Test vorlegen können, der nicht älter als 72 Stunden ist. Zuschauer haben gar keine Möglichkeit, in diesen mit Sichtschutz abgeschirmten Bereich zu kommen – aus diesem Grund sind einzig ein paar Schafe auf der Frauenfelder Allmend an der Ziellinie zugegen.

Entlang der Strecke haben sich aber Zuschauer eingefunden. Zum Beispiel Holger Lerch mit seiner Frau Karin und den neunjährigen Zwillingen Leonie und Jannik. «Besonders Jannik und ich fahren viel Fahrrad und sind Fans von Radrennen. Und so weit ist Frauenfeld nicht weg.» Gut anderthalb Stunden hat die Fahrt allerdings trotzdem gedauert, die Familie wohnt in der Nähe von Stuttgart.

Familie Lerch verfolgt die Rennen am Strassenrand.

Familie Lerch verfolgt die Rennen am Strassenrand.

Bild: Donato Caspari

Etwas näher hatte es Roman Allenspach mit seinen Kindern Maurin und Ladina aus Wängi. «Die Tour de Suisse ist für die Kinder spannend», sagt er. Während Ladina alles ziemlich cool findet, ist Maurin von einem begeistert: den vielen Töffs. Am Streckenrand steht auch der Frauenfelder Nicky Schmid, der sich besonders über eines freut:

«Es ist super, dass an dieser Tour de Suisse Frauen dabei sind. Das war an der Zeit!»

Tatsächlich hat erstmals eine Tour de Suisse der Frauen stattgefunden. Gemäss Oliver Senn, Direktor der Tour de Suisse, war insbesondere die Finanzierung lange Zeit ein Problem – in diesem Jahr hat die Frauenausgabe, die zwei Etappen umfasste, allerdings geklappt. Die Vision der Organisatoren der Tour de Suisse ist es, das Rennen der Frauen in den nächsten Jahren auf fünf Etappen zu erweitern.

Olivier Senn, Direktor Tour de Suisse.

Olivier Senn, Direktor Tour de Suisse.

Bild: Samuel Koch

Beitrag zum weiteren Aufschwung des Frauenradrennsports der Schweiz

Am Auftakt der Tour de Suisse der Frauen am Samstag war die nationale Verteidigungsministerin Viola Amherd dabei, die sich im Vorfeld bereits sehr erfreut gezeigt und die Frauenausgabe als wichtigen Beitrag zum weiteren Aufschwung des Frauenradrennsports in der Schweiz bezeichnet hatte.

Während sich die Tour de Suisse der Frauen vollumfänglich in und um Frauenfeld abgespielt hat, ist die Etappe in der Kantonshauptstadt für die Männer erst der Auftakt gewesen. Insgesamt acht Etappen umfasst ihre Tour de Suisse, die erste Etappe in Frauenfeld war ein Zeitfahren über fünf Kilometer. Und beim Auftakt in Frauenfeld haben zwei Frauenfelder Namensvetter dem Rennen ihren Stempel aufgedrückt. Stefan Küng siegte vor Stefan Bissegger.

Das haben sich Jan Mader und seine Freunde nicht entgehen lassen. Sie sind alle Studenten und zwischen 20 und 22 Jahre alt. Bereits vor dem Start der Frauen haben sie sich am Streckenrand eingerichtet – mit wiederverwendeten Open-Air-Campingstühlen, Büchsenbier und guter Laune. «Im Moment finden keine grossen Sportveranstaltungen statt. Wenn nun die Tour de Suisse vor der Haustüre vorbeifährt, ist das ein guter Grund, zusammen den Athleten zuzuschauen.»

«Ein voller Erfolg, den Umständen entsprechend»

Anders Stokholm, Präsident Verein Tour de Suisse HUB Frauenfeld.

Anders Stokholm, Präsident Verein Tour de Suisse HUB Frauenfeld.

Bild: Samuel Koch

Die lokalen Organisatoren um deren Präsidenten Anders Stokholm haben am späteren Sonntagnachmittag ein positives Fazit gezogen. «Aus organisatorischer Sicht ist alles reibungslos gelaufen», sagt Stokholm. Dem OK habe das schlechte Wetter in die Karten gespielt, zumal es Ende Mai noch dazu aufrufen musste, dass die Zuschauer die Rennen von zu Hause verfolgen sollten. Zwischenzeitlich aber sind die Schutzmassnahmen gelockert worden, weshalb ein Aufenthalt an der Strecke nicht mehr verboten war. «Es war alles sehr friedlich», sagt Stokholm, der sowohl am Samstag als auch am Sonntag mit Besuchern das Gespräch gesucht hat. Er ergänzt:

«Die Freude war gross.»

Für die Fahrer war das Wetter mit grösstenteils nassen Strassen und rutschigen Markierungen weniger vorteilhaft. «Trotzdem sind Unfälle ausgeblieben», sagt Stokholm. Über den Besuch von Bundesrätin Viola Amherd hat sich das lokale OK gefreut. Trotz gelungener Organisation inklusive Heimsieg von Stefan Küng bleibt ein Wermutstropfen zurück. Stokholm sagt: «Wir hätten gerne ein Volksfest gefeiert. Aber den Umständen entsprechend war es ein voller Erfolg.» (sko)