Primarschule Herdern-Dettighofen: Unzufriedene Schulbürger wollen das Budget 2020 kippen – das gelingt fast

Das Budget 2020 der Primarschulgemeinde Herdern-Dettighofen kommt nur knapp durch. Schuld sind nicht die Finanzen.

Mathias Frei
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Der neu markierte Schulweg zwischen Dettighofen und Kugelshofen. (Bild: Mathias Frei)

Der neu markierte Schulweg zwischen Dettighofen und Kugelshofen. (Bild: Mathias Frei)

Schulpräsident Patrick Siegen­thaler hat offenbar so ein Gefühl. Dass es knapp werden könnte, kurz vor der Abstimmung über das Budget 2020. Donnerstagabend, Budgetgemeinde der Primarschule Herdern-Dettighofen. Es könnte eine 45-Minuten-Versammlung werden.

Knapp müsste nichts werden, umstritten auch nicht. Die Behörde arbeitet gut. Das Minus der Erfolgsrechnung ist laut Schulpflegerin Regula Klauz vertretbar, der Grossteil der geplanten Investitionen betrifft Sanierungen und den ordentlichen Unterhalt.

Zahlreiche Schulbürger vor Ort

Schulpräsident Patrick Siegenthaler. (Bild: Mathias Frei)

Schulpräsident Patrick Siegenthaler. (Bild: Mathias Frei)

Aber seit die Schulstandortfrage auf dem Tisch ist, also seit acht Jahren, ist ein Teil der Schulbürger unberechenbar geworden, agiert emotional statt rational. An diesem Abend erscheinen 82 Schulbürger, erstaunlich viele. Vor einem Monat am wichtigen Infoabend zum zukünftigen Schulstandort-Modell waren es nur 50 Interessierte.

Bevor Siegenthaler über das Budget abstimmen lässt, erlaubt er sich, ein paar Worte im eigenen Namen an die Versammlung zu richten:

«Wir als Primarschulbehörde haben in den vergangenen Jahren motiviert am Thema der Standortfrage gearbeitet.»

Stets im Sinne der Schüler und Lehrpersonen, wie Siegenthaler bemerkt. Man habe gute Massnahmen umgesetzt und die Anliegen der paritätischen Arbeitsgruppe «Schulstandorte» ernstgenommen.

Voranschlag: 45 Ja-Sager gegen 35 Nein-Sager

Vielleicht hat Siegenthaler mit seiner Zwischenrede noch ein paar unschlüssige Schulbürger auf seine Seite ziehen können. Vielleicht waren die Meinungen sowieso schon vor Versammlungsbeginn gemacht. Auf jeden Fall sagen 45 Stimmberechtigte Ja zum Budget, 35 heben die Hand für Ablehnung. Zwei enthalten sich.

Als die Nein-Sager das Handzeichen machen, schüttelt da und dort ein Ja-Sager den Kopf. Als die Versammlung zu Ende ist, meint einer beim Verlassen der Turnhalle in Herdern zu seiner Frau:

«Die verjogglet üs jo scho jedes Mol.»

Er gehört offenbar zu den Unzufriedenen. Der jüngste Grund dafür ist der beim Infoabend vor einem Monat kommunizierte Entscheid der Behörde über die zukünftige Nutzung der Schulstandorte: in Lanzenneunforn Kindergarten und Mittagstisch, in Herdern Unter- und Mittelstufe.

Das war ein Modell, das die Bürger-Arbeitsgruppe für umsetzbar befand. Auch die Lehrerschaft und die kantonaleSchulaufsicht hatten sich für die entsprechende Schulraumnutzung ausgesprochen.

Nur 80'000 Franken Verlust budgetiert

Vom Budget 2020 an sich können die Nein-Stimmen nicht herrühren. Bei einem Aufwand von 2,87 Millionen Franken rechnet die Erfolgsrechnung mit einem Verlust von 80'000 Franken. Das Vorjahresbudget hatte bei einem rund 100000 Franken tieferen Aufwand mit einem Minus über 150'000 Franken gerechnet.

Einerseits steigt im Budget 2020 der Personalaufwand an (plus 80'000 Franken). Andererseits wird mit einem höheren Steuerertrag (plus 120'000 Franken) gerechnet. Die Investitionsrechnung sieht Brutto-Investitionen in Höhe von 1,14 Millionen vor, dank einer Entnahme von 295'000 Franken aus dem Baufolgekosten-Fonds sind es netto noch 845'000 Franken.

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