Premieren an der Neunforner Bechtelis-Gemeindeversammlung: Erster Ehrenbürger und erster öffentlicher Parkplatz

Nach längerer Diskussion verleiht die Neunforner Bechtelisgemeinde Gilg Stüssi das Ehrenbürgerrecht. Und ab dem Sommer gibt es in Oberneunforn erstmals auf Gemeindegebiet öffentliche Parkplätze.

Mathias Frei
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Gemeindepräsident Benjamin Gentsch überreicht Ehrenbürger Gilg Stüssi die Urkunde.

Gemeindepräsident Benjamin Gentsch überreicht Ehrenbürger Gilg Stüssi die Urkunde.

(Bild: Mathias Frei)

In Neunforn muss man nicht immer gleicher Meinung sein. Das ist gut so. Obwohl es ja selten zu grösseren Diskussionen kommt an einer Gemeindeversammlung. Denn die Arbeit des Gemeinderats verleitet nur selten zu Kritik. Aber dass dann die Verleihung eines Ehrenbürgerrechts für mehr Gesprächsstoff sorgt als das Budget 2020 und die anderen Sachgeschäfte zusammen, irritiert dann doch. Worum ist es den 22 Stimmbürgern gegangen, die den Antrag auf Rückweisung der Ehrenbürgerrechts-Verleihung unterstützt haben? Ums Prinzip des Ehrenbürgerrechts oder konkret um den Ehrenbürger? Oder war es vielmehr ein Votum gegen den Gemeinderat?

Gemeindepräsident Benjamin Gentsch.

Gemeindepräsident Benjamin Gentsch.

(Bild: Mathias Frei)

Einmal mehr ist der Aufmarsch mit 159 Stimmbürgern zur Bechtelisgemeinde vom 2.Januar beeindruckend. Einmal mehr lässt sich aus der Traktandenliste auf kaum Kontroverses schliessen. Und dann kommt es zu Traktandum 6: Erteilung Ehrenbürgerrecht Aegidius (Gilg) Stüssi.

Ein Stimmbürger befürchtet «soziale Unruhe»

Stüssi ist nicht irgendwer. Das hört man aus der Verdankung von Gemeindepräsident Benjamin Gentsch. Stüssi ist der Initiant der Nüfere-Themenhefte. In der gleichen Versammlung präsentiert der pensionierte Lehrer die neunte Ausgabe der lokalhistorischen Publikation – Thema diesmal «Nüfere und s’Chloschter Töss». Das erste Heft kam 2003 heraus, Stüssi ist seit damals treibende Kraft. Daneben amtete er als Wilemer Ortsvorsteher, war danach im Neunforner Gemeinderat. Stüssi lebte 35 Jahre in der Gemeinde, bis er vor zwei Jahren nach Frauenfeld zog.

«Für das Ehrenbürgerrecht gibt es keine Wohnsitzpflicht.»

Das sagt Gemeindepräsident Gentsch. Vielmehr sei es eine ideelle Auszeichnung «für ausserordentliche Leistungen.» Am Ende des Traktandums – nach einem grossmehrheitlichen Ja zur Verleihung – sagt Stüssi, er freue sich, aber es gebe sicher noch zehn andere Neunforner, die diese Ehrung verdient hätten. Zuvor argumentiert aber ein Stimmbürger noch, Ehrenbürgerrechte führten zu «sozialer Unruhe». Er verlangt, das Ehrenbürgerrecht abzuschaffen.

«Wir haben ja noch nie jemanden so ausgezeichnet.»

Weitere Votanten stimmen darauf ein. Ein Rückweisungsantrag folgt, darauf Voten dagegen. Letztlich hat Neunforn seinen ersten Ehrenbürger.

Steuerfusssenkung um drei Prozentpunkte

Fast diskussionslos geht Neunforns Budget 2020 (inklusive Steuerfusssenkung) durch. Es rechnet bei einem Aufwand von 3,15 Millionen Franken mit einem kleinen Defizit von 70'000 Franken. Politisch Neunforn gibt es nun im 25. Jahr, und noch nie gab es schliesslich in der Rechnung ein Minus. Das Vorjahresbudget rechnet bei einem Aufwand von 3,025 Millionen mit einem Gewinn von 26'000 Franken. Die Investitionsrechnung 2020 sieht Nettoausgaben von 446'000 Franken vor (Budget 2019: 291'000 Franken). Weil der Bilanzüberschuss, also die kumulierten Überschüsse der vergangenen Rechnungsjahre, bei zwei Jahresteuererträgen liegt, hat der Gemeinderat eine Steuerfusssenkung von 44 auf 41 Prozent beantragt. Die Stimmbürger haben zudem einen Bruttokredit über 130'000 Franken für die Arbeiten der Totalrevision der Ortsplanung genehmigt. Die Kosten werden sich auf zwei bis drei Jahre verteilen. (ma)

Im Nebel: Auf diesem Wiesland kommt der ersten öffentliche Parkplatz Neunforns hin.

Im Nebel: Auf diesem Wiesland kommt der ersten öffentliche Parkplatz Neunforns hin.

(Bild: Mathias Frei)

Ebenfalls ein Ja erfolgt zum Bau des ersten öffentlichen Parkplatzes auf Gemeindegebiet, im Spickel zwischen Ossinger- und Hauptstrasse in Oberneunforn. Gemeinderat Florian Koch präsentiert das Bruttokreditbegehren über 310'000 Franken.

«Bei Veranstaltungen im Gemeindehaus oder in der Kirche fehlen Abstellplätze.»

Es gibt 15 öffentliche Parkplätze sowie einen Velounterstand. Überdies werden zwei Postautohaltestellen behindertengerecht ausgebaut, eine mit Wartehäuschen. Im gleichen Zug gestaltet der Kanton zu Gunsten der Verkehrssicherheit die Einmündung der Ossinger- in die Hauptstrasse neu, und es gibt eine Fussgängerinsel. Ein Antrag gegen die Verwendung von Pflastersteinen kommt durch.

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