Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Preichen, prahlen, prosten - ein Tag am Thurgauer Kantonalschützenfest

Nicht nur der üppige Gabentempel lockt zahlreiche Frauen und Männer am ersten Wochenende ans 70. Thurgauer Kantonalschützenfest. Im Hinterthurgau messen sich Amateure, Sportler und sogar Olympiateilnehmer.
Christof Lampart
Impressionen vom Kantonalen Schützenfest 2018, hier in der Schiessanlage Hochwacht in Sirnach. (Bild: Reto Martin)

Impressionen vom Kantonalen Schützenfest 2018, hier in der Schiessanlage Hochwacht in Sirnach. (Bild: Reto Martin)

Das Thurgauer Kantonalschützenfest findet zum ersten Mal seit 1984 wieder im Hinterthurgau statt. Kein Wunder also, hat sich das Tannzapfenland, und hier insbesondere das Festzentrum in Sirnach, aufs Feinste herausgeputzt, um seine Gäste am ersten Samstag zu empfangen. Kaiserwetter inklusive, versteht sich. Gerade an diesem ungetrübten Wetterhoch über Sirnach dürfte es aber wohl auch gelegen haben, dass auch am späteren Vormittag im offiziellen Festzentrum im Dreitannensaal sehr wenig los ist. Die Tische sind weitestgehend leer, die Serviererinnen stehen sich die Füsse in den Bauch. Wer einen Abstecher hinein macht, kommt vor allem, um den prächtigen Gabentisch zu begutachten. Auch zwei Schützen aus Zürich sind da, und werfen begehrliche Blicke auf die hochpreisigen Gewinne. «Nichts da! Die bleiben hier im Thurgau», kommentiert ironisch ein herbeieilender, einheimischer Schützenkamerad. Man lacht, klopft sich gegenseitig auf die Schulter. Und nimmt den Scherz als das, was er ist.

Impressionen vom Kantonalen Schützenfest 2018, hier in der Schiessanlage Hochwacht in Sirnach. (Bild: Reto Martin)

Impressionen vom Kantonalen Schützenfest 2018, hier in der Schiessanlage Hochwacht in Sirnach. (Bild: Reto Martin)

Ein Schluck geht immer – aber erst nach der Pflicht

Ebenso locker, zugleich jedoch wesentlich geschäftiger geht es auch einige Höhenmeter weiter weg zu und her. Hoch oben auf der Hochwacht, wo das lokale Schützenhaus steht, reiht sich ein Auto ans andere. «Es wird heute schon seit halb acht Uhr morgens geschossen», sagt der gut gelaunte Parkplatzanweiser. «Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen – genauso, wie wir es uns erhofft haben.» Gut gelaunt ist auch eine Schützengruppe, die eigens für das Thurgauer Kantonalschützenfest aus dem Wallis angereist ist. Die weit Gereisten haben es sich hinter dem Kofferraum des eigenen Kombis gemütlich gemacht. Dass sie alle Bierdosen und keinen Fendant in der Hand haben, mag vielleicht für Walliser ein Sakrileg sein, doch das Grüppchen hat damit kein Problem. «Ein Schluck geht immer», sagt ein stämmiger Schütze auf Französisch – und prostet den Passanten zu. Gut, dass sie schon geschossen haben, womit sie sich den Schluck nach eigener Schilderung auch redlich verdient haben. «Nicht schlecht, aber hätte besser sein können», antwortet ein anderer aus der Runde auf die Frage nach dem Resultat. Die Romands lachen, sind fröhlich. Schützen wissen halt nicht nur, wie sie treffen sollen, sondern auch, wie sie sich treffen sollen.

Olympiamedaillengewinnerin Heidi Diethelm nimmt ebenfalls am Kantonalen Schützenfest teil. (Bild: Reto Martin)

Olympiamedaillengewinnerin Heidi Diethelm nimmt ebenfalls am Kantonalen Schützenfest teil. (Bild: Reto Martin)

Olympische Gefühle im Schiessstand

Weniger hundert Meter weiter kommen am Kantonalschützenfest sogar olympische Gefühle auf, befindet sich doch auch die Bronzemedaillengewinnerin der Olympischen Spiele 2012 in Rio, Heidi Diethelm-Gerber, im Schiessstand. Sie wartet mit einer Bierruhe, bis sie an der Reihe ist. Fast wirkt es so, als wäre sie am Geschehen am Schiessstand gar nicht interessiert. Doch ist es wohl eher eine Mischung aus dem Wissen über das eigene, herausragende Schiessvermögen und die Fähigkeit zur mentalen Fokussierung, welche sie so ruhig wirken lässt. «Auch an diesem Anlass bin ich wahnsinnig aufgeregt», sagt Diethelm, wobei ihr breites, sympathisches Lächeln eine ganz andere Sprache spricht. Es ist gerade diese Mischung aus vielen Breitensportlern und verhältnismässig wenigen Spitzensportlern, welche das Kantonalschützenfest zu einem Anlass für jedermann beziehungsweise jedefrau werden lassen. Dessen Faszination kann sich kaum ein Besucher, sei er nun Schütze oder nicht, entziehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.