Präsidentin der Frauenzentrale Thurgau: «Für einen Perspektivenwechsel wäre ich gerne mal Lastwagenfahrerin»

Die Frauenfelderin Annina Villiger liest gerne sieben Bücher auf einmal. Sich selbst beschreibt sie als wissbegierig. Als Präsidentin der Frauenzentrale setzt sie sich unter anderem für berufstätige Mütter ein - und hofft auf ein Umdenken der Gesellschaft.

Desirée Wenger
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Annina Villiger, Präsidentin der Frauenzentrale, würde gerne nach Venedig wandern. (Bild: Andrea Stalder)

Annina Villiger, Präsidentin der Frauenzentrale, würde gerne nach Venedig wandern. (Bild: Andrea Stalder)

Was hat Sie vergangene Woche besonders beschäftigt?

Ich hatte eine Operation am Hüftgelenk als Spätfolge eines Unfalls. Das hat mich natürlich beschäftigt.

Warum wohnen Sie in der Stadt Frauenfeld?

Wie so vieles im Leben ist auch das ein Zufall. Wir suchten einen Wohnort rund um Zürich, aber mein Mann ist in Frauenfeld in die Kantonsschule gegangen und einer seiner Verbindungskollegen erzählte ihm, dass er ein Reihenhaus baue. So kam es dann, dass wir einen Teil davon erworben haben.  

Gibt es einen Lieblingsort für Sie im Thurgau?

Ich gehe sehr gern am Untersee in Mammern in die Badi. Es ist genial dort. Das Baden in einem See in der Schweiz ist ein grosses Privileg. Wir können einfach in einem X-beliebigen Gewässer baden gehen.

Was ist Ihre zweite Heimat?

Da ich sehr gerne wandere, würde ich sagen, das Albula-Tal und der Kanton Graubünden im Allgemeinen. Dort ist es nicht überlaufen.

Was tun Sie für den Umweltschutz im Alltag?

Ich probiere, mit Ausnahmen, nur Fahrrad zu fahren. Ausserdem versuche ich, so wenig wie möglich zu fliegen. Meine Kinder zwingen mich zum Umdenken. Ich finde es toll, dass sich die Jungen soweit hinterfragen.

Als wohlhabende Schweizerin habe ich aber wohl doch einen grossen Fussabdruck.

Was machen Sie, um gesund zu bleiben?

Fahrrad fahren, schwimmen und gesund essen. Einfach bei allem etwas Mass halten.

Womit tanken Sie Energie?

Ich lese Romane. Manchmal auch Klassiker. Letzte Woche habe ich Effi Briest gelesen.

Haben Sie ein Morgen-Ritual?

Ich mache jeden Morgen circa zehn Minuten Bodengymnastik.

Können Sie kochen?  

Ich kann kochen und koche auch sehr gern. Das aufwendigste Gericht wäre wohl einen guten Braten oder ein Thai Curry. Das Alltagskochen macht mir nicht immer Freude, aber so einen ganzen Samstag lang kochen, finde ich toll.  

Was wäre Ihre Henkersmahlzeit?

Ich weiss nicht, ob ich bei einer Henkersmahlzeit etwas herunterbekommen würde. Ich nähme wahrscheinlich ein richtig scharfes Thai Curry.

Bier, Wein, Cola oder Kaffee: Auf was könnten Sie am ehesten verzichten?

Am besten könnte ich auf Cola verzichten. Den Rest möchte ich mir jedoch nicht entgehen lassen. Allerdings trinke ich gerne Cola, wenn ich krank bin. Das ist für mich ein Medikament.

Was ist Ihre schönste Kindheitserinnerung?

Ich funktioniere sehr fest über Gerüche. Der Geruch von frisch gemähtem Gras oder Heu ist eine schöne Erinnerung. Geblieben sind mir auch wie wir auf der Strasse bis zehn Uhr abends barfuss Federball spielten und im Sommer barfuss in die Schule gingen.

Mit welchem Vornamen würden Sie neu ins Leben starten wollen?

Katharina. Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Name zwar sehr schön und recht modern ist für mein Alter, aber er passt eher zu einem Kind. Katharina ist für mich ein starker Name für eine Frau.

Was ist Ihr gefühltes Alter?

Ich glaube, ich fühle mich genau so alt wie ich bin. Man merkt einfach, dass man nicht mehr 37 ist. Ich will mich auch nicht dagegen sträuben.

Ich finde diesen Jugendwahn total lächerlich.

Haben Sie ein Lieblingstier und was bewundern Sie daran?

Ich habe sehr gerne Esel. Diese Tiere sind einfach so bescheiden und lustig anzusehen. Vielleicht hätte ich Esel, wenn ich auf dem Land leben würde.

Was nehmen Sie immer mit, wenn Sie aus dem Haus gehen?

Den Flyer für die nächste Veranstaltung der Frauenzentrale. Und natürlich den Hausschlüssel.

Was haben Sie zuletzt im Internet gekauft?

Ich kaufe aus Prinzip nicht so viel im Internet. Zuletzt habe ich mir für den Frauenstreik etwas in der Farbe Lila gekauft und für meine Bodengymnastik ein Set Faszienrollen.

Sie erwähnten den Frauenstreik. Wie geht es diesbezüglich weiter?

Der Regierungsrat versprach, die Begehren in angemessener Frist zu prüfen. Es sind sehr viele Forderungen eingegangen, herauskristallisiert haben sich einige gemeinsame Nenner wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Vergünstigung der Kinderbetreuung oder auch Wertschätzung der Care-Arbeit.

Für was setzen Sie sich persönlich am meisten ein?

Für ein gesellschaftliches Umdenken. Frauen sollen arbeiten und Kinder kriegen können und sich nicht wegen der Karriere gegen Kinder entscheiden müssen. Da braucht es neue Lösungen.

Man soll den Frauen keinen Strick drehen wegen ihrer Gebärfähigkeit. Kinder sind schlussendlich das Wichtigste, auch für unsere Zukunft.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich habe kein Vorbild. Es gibt sicher ganz viele Frauenfiguren, die im Stillen unbekannte Schafferinnen sind, diese bewundere ich. Das könnte eine bolivianische Bäuerin sein, die mit Ach und Krach ihren Acker bewirtet und so ihre Familie durchbringt.

Mit welchem Menschen würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?

Für einen Perspektivenwechsel aus unserem Elfenbeinturm heraus, wäre ich gerne mal Lastwagenfernfahrerin, um zu sehen, wie so ein Tag abläuft.

Was möchten Sie unter allen Umständen im Leben noch machen?

Ich würde gerne von Frauenfeld nach Venedig wandern oder sonst eine lange Wanderung unternehmen.

Wohin war Ihre weiteste Reise?

Neuseeland ist das Weiteste, das ich bisher gereist bin. Das war sozusagen die «Kennenlernreise» von meinem Mann und mir. Wir sind mit dem Velo um die Südinsel geradelt.

Worauf freuen Sie sich an einem freien Wochenende?

Ich liebe die Samstagsstimmung; egal ob auf dem Markt oder in einem Café. Ausserdem liebe ich das Zusammenkommen von Freunden und Familie am Samstagabend. Die Samstagsstimmung hat etwas Unglaubliches. Sonntag mag ich weniger. Er ist so ruhig und ich muss dann Vorbereitungen treffen.

Wonach schmeckt Glück?

Kaffeeduft liebe ich sehr, der schmeckt für mich nach Glück. Den Duft verbinde ich mit Pausen und Ferien, da ich Kaffee als etwas Wertvolles erachte und ihn geniesse.

Auf welchen Luxus möchten Sie nicht verzichten?

Ich kaufe mir ab und zu ein Paar teure Schuhe in Frauenfeld. Oder gehe mal im Speisewagen einen Kaffee trinken oder bestelle mir im Restaurant ein zweites Glas Wein. Das gönne ich mir schon.

Was liegt auf Ihrem Nachttisch?

Sieben Bücher, die ich parallel lese. Das ist sehr schlecht, weil es ein bisschen chaotisch ist, aber das mag ich. Ich habe jedoch keinen Fernseher und auch kein Netflix.

Von wem hatten Sie als Teenager ein Poster über dem Bett hängen?

Eines von Softrock-Sänger Cat Stevens. Mit nacktem Oberkörper. Damals war er noch ein junger Mann.

Was war Ihr erstes Auto?

Ich hatte effektiv mal einen VW Golf. Den würde ich nicht mehr fahren und ich würde auch kein Auto kaufen, wenn ich jung wäre.

Was ist Ihr heimliches Hobby ?

Ich höre sehr gerne Oper. Klassische Musik und grosse Werke haben einfach ihren Reiz. Ich mag Carmen sehr.

Wie würden Sie sich in einer Kontaktanzeige beschreiben?

Lustig, kommunikativ, wissbegierig.

Was würde Ihre Mutter über Sie sagen?

«D’Annina isch e Liebi, aber leider isch sie links.»

Zur Person

(dew) Annina Villiger Wirth ist 1966 im Kanton Aargau geboren und studierte Wirtschaft an der Universität St. Gallen. Seit 2001 lebt sie mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern in Frauenfeld, wo sie an der Kantonsschule Wirtschaft und Recht unterrichtet. Seit 2016 ist sie Präsidentin der Frauenzentrale und seit 2019 sitzt sie für Chrampfe & Hirne (CH) im Frauenfelder Gemeinderat.