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Post modern in Frauenfeld

Der Neubau der Hauptpost und die Sanierung des Altbaus sind in diesen Tagen abgeschlossen. Die ersten Mieter ziehen ein, die Pizzeria bewirtet Gäste, und die Post öffnet am 1. Oktober die Schalter. Der Bau strahlt moderne Urbanität aus.
Stefan Hilzinger
Projektleiter Stephan Selb führt durch den Neubau neben der Hauptpost in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Projektleiter Stephan Selb führt durch den Neubau neben der Hauptpost in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

«Isch d’Poscht nonig offe?» Der Mann mit dem Umschlag in der Hand macht auf dem Fussgängerstreifen kehrt, nachdem ihm einer der Bauarbeiter die Antwort zugerufen hat. «Am 1. Oktober!» Es liegt ein Hauch Bitumen in der Luft am Donnerstagmittag vor der Hauptpost an der Rheinstrasse. Arbeiter sind dran, auf dem Trottoir Belag einzubauen. Zwei schieben ein Toi-Toi-WC zur Seite. Langsam verschwinden die Zeichen der langjährigen Grossbaustelle im Frauenfelder Stadtzentrum. Maler sind an allen Orten zu Gange, mit Pinseln den letzten Anstrich zu geben. Vor der Pizzeria lädt ein Schild dazu ein, schon ab kommendem Montag das neue Angebot zu testen. «Soft Opening» heisst das in der Marketingsprache.

12 – 14 – 16 – 18. Alle zwei Jahre nahm das 40-Millionen-Projekt der Post eine wichtige Hürde. Den Weg von der Auflage des Gestaltungsplans im Jahr 2012 bis zur offiziellen Einweihung am 1. Oktober 2018 kennt Stephan Selb bis ins kleinste Detail. Er ist Projekt- und Bauleiter beim Frauenfelder Architekturbüro Staufer + Hasler, das den Bau schon 2009 entworfen hat.

Mitten durch die Baugrube verläuft eine Datenautobahn

Mit Klemmbrett in der einen Hand steht Selb im Innenhof auf Seite Murgstrasse und weist mit der andern nach oben. Hoch ragt der Neubau in den Himmel. Der Gebäudekomplex soll städtisch sein, sagte Architekt Thomas Hasler an der Grundsteinlegung im März 2016. Wer hier steht und sich umblickt, wird ihm nicht widersprechen. Ausser den üblichen Diskussionen und kurzfristig notwendigen Entscheidungen sei die Bauphase ohne grössere Probleme über die Bühne gegangen, sagt Selb.

«Zumindest, sobald wir einmal aus dem Dreck raus waren», sagt er. Denn an der Decke der Tiefgarage befindet sich die grösste Knacknuss, die es beim Aushub und dem Bau des Kellergeschosses zu lösen galt: Die Hauptzuleitung der Swisscom in den Osten der Stadt verläuft quer durch das Areal. Das sind 24 Rohre zu zehn Zentimeter Durchmesser vollgestopft mit Kabeln.

Eine andere grössere Herausforderung bestand darin, dass statt der einst geplanten Büros nun 48 Wohnungen in dem Z-förmigen Neubau realisiert worden sind, und dies im Rahmen des bewilligten Gestaltungsplanes. «Daher gibt es zu den Wohnungen keine Balkone im eigentlichen Sinn, sondern Loggien», sagt Selb. Die Räume sind berlinerisch hoch, die Fenster reichen bis zum Boden und eröffnen – insbesondere im obersten Stockwerk – überraschende Perspektiven auf die Innenstadt. An vielen Wohnungen hängen Zettel:

«Geputzt, bitte nur mit sauberen Schuhen betreten».

Heute Samstag zügeln die ersten von bisher 14 Mietern in den Neubau ein. Wohnungen hat es auch im Altbau, allerdings zieht in eine der drei nun eine internationale Anwaltskanzlei ein. Die Umnutzung ist bewilligt. Ausserdem im Altbau: ein Kinderhort eines Anbieters aus Zürich und die erwähnte Pizzeria einer Gastro-Kette, die der Migros gehört. Dass der Bau fast auf Termin hin fertig wurde, habe viel mit dem Pragmatismus und dem Augenmass der hiesigen Handwerker zu tun, sagt Selb.

Induktionsherd und Herzschrittmacher

Ein Bauleiter muss an vieles denken, manches ist sogar überlebenswichtig. Beim Blick in eine der Küchen sagt Selb: «Hier haben wir den Induktionsherd durch einen gewöhnlichen Glaskeramikherd ersetzt.» Denn die Induktionstechnik verträgt sich nicht mit dem Herzschrittmacher der Mieterin.
Noch ist es lärmig und staubig im und um den Gebäudekomplex an der Rheinstrasse. In der Wand unter den Arkaden vor der neuen Hauptpost klafft das Loch für den Geldautomaten. Plattenleger sind daran, Kittfugen zu ziehen. «Obacht, nicht draufstehen!» Zwei Putzfrauen erkundigen sich, wo es etwa zu tun gibt. «Die Schutzfolien in den Liften sieht aus wie Sau. Die kann jetzt raus», sagt Selb. Die Putzfrauen nicken und machen sich auf den Weg.

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