Positiv aufgefallen
Frauenfelder Stadtbusse verteilen Smileys an Autofahrer und Fussgänger – eine Stinkefinger-Anzeige gibt es aber nicht

Die «Vielen Dank»-Anzeige mit dem Lächeln gibt es zwar schon seit Dezember 2019, kam aber erst in jüngerer Vergangenheit vermehrt in den Frauenfelder Stadtbussen zum Einsatz. Sowohl die Chauffeure als auch die Stadtbusverwaltung sind von der Möglichkeit begeistert, den Leuten eine kleine Freude zu bereiten.

Mathias Frei
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Etwas Gefreutes: ein Smiley und ein Dank auf der Anzeige eines Frauenfelder Stadtbusses.

Etwas Gefreutes: ein Smiley und ein Dank auf der Anzeige eines Frauenfelder Stadtbusses.

Bild: Andri Vöhringer

Das zaubert einem als Autofahrer grad ein Lachen aufs Gesicht. Hat der Stadtbus, dem man eben Vorfahrt gewährt, einem nun einen Smiley gezeigt? Dazu ein «Vielen Dank»? Ja, hat er. Das ist eine programmierte Einstellung auf den drei Busanzeigen vorne, an der Seite und hinten am Stadtbus.

Coronapandemie führte zu sinkenden Passagierzahlen

Die 13 im Einsatz stehenden Stadtbusse legten im Jahr 2020 rund 728'000 Kilometer zurück – das sind 38'000 Kilometer unter Budget. Einen ungleich grösseren Rückgang verzeichnete man gemäss Geschäftsbericht der Stadt bei den letztjährigen Fahrgastzahlen – nachdem dieser Wert in den vergangenen Jahren kontinuierlich am Steigen war. So wurden 2020 etwas über 1,84 Millionen Passagiere verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von 600'000 Einsteigerinnen und Einsteigern oder 25 Prozent. «Die Fahrgastzahlen in den ersten zwei Monaten waren vielversprechend, da deutlich mehr Einsteigende gezählt wurden», heisst es im Geschäftsbericht. Dann stoppte die Pandemie respektive der Lockdown ab Mitte März 2020 diese positive Entwicklung. Auf Anordnung des Bundes wurde der Fahrplan schweizweit heruntergefahren. Nachfragestärkste Linie im 2020 mit 574'000 Passagieren war weiterhin die Linie 2 (Sandbühl–Bahnhof–Flurhof), dicht gefolgt von der Linie 1 (Sonnmatt–Bahnhof–Spital–Bühl/Obholz). Die Linie 5 (Im Alexander–Bahnhof–Walzmühle) konnte aufgrund der Erweiterung in die Walzmühle einen Zuwachs um 13 Prozent auf rund 253'000 Passagiere verzeichnen. (ma)

Pascal Siegenthaler ist seit sieben Jahren Stadtbus-Chauffeur in Frauenfeld. Er ist begeistert vom Smiley-Knopf auf dem Bedienungsbildschirm im Busführerstand. Er sagt:

«Pro Tag drücke ich ihn etliche Male.»
Die Smiley-Taste auf dem Bedienungsbildschirm im Führerstand des Stadtbusses.

Die Smiley-Taste auf dem Bedienungsbildschirm im Führerstand des Stadtbusses.

Bild: Andri Vöhringer

Etwa wenn ihm ein Auto Vorfahrt gewähre, wenn er auf eine Hauptstrasse einbiegen müsse, oder wenn er eine Lichthupe bekommt von hinten als Zeichen, dass er aus der Haltestellen-Einbuchtung ausfahren könne. Auch Fussgänger bekommen die liebenswürdige Botschaft angezeigt, etwa wenn sie den Bus am Fussgängerstreifen sehen und schon von weitem mit einem Handzeichen auf ihren Vortritt verzichten. In solchen Situationen sind das wichtige Sekunden, welche die 34 Frauenfelder Chauffeurinnen und Chauffeure auf der Stadtbusflotte geschenkt bekommen. Denn zu viel Zeit haben sie beileibe nicht auf den hiesigen Strassen.

Auf einen Knopf mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an

Vanessa Ponzo, Leiterin Betrieb Stadtbus beim städtischen Amt für Tiefbau und Verkehr.

Vanessa Ponzo, Leiterin Betrieb Stadtbus beim städtischen Amt für Tiefbau und Verkehr.

Bild: Andri Vöhringer

Auch Siegenthalers Tochter freut sich immer, wenn der Papi ihr im Vorbeifahren mit einem Smiley zuwinkt. «Wir haben unsere Fahrerinnen und Fahrer angewiesen, dieses kleine Zeichen des Dankes proaktiv einzusetzen», sagt Vanessa Ponzo. Sie ist Leiterin Betrieb Stadtbus beim städtischen Amt für Tiefbau und Verkehr. Die Anzeigenfunktion hat Postauto Ostschweiz, die den Transportauftrag für die Stadt ausführt, zwar bereits im Dezember 2019 auf den Fahrplanwechsel 2019/20 programmiert. Aber erst in jüngerer Vergangenheit komme der Smiley nun auch vermehrt zum Einsatz, sagt Ponzo.

Für die Frauenfelder Chauffeurinnen und Chauffeure war der neue Knopf kein Problem. Just auf den besagten Fahrplanwechsel wurde auch der neue Bedienungsbildschirm in die 13 Stadtbusse eingebaut, von denen zwölf der Stadt gehören und einer für die erweiterte Linie 5 zugemietet ist. Es gab einen zweistündigen Einführungskurs. Siegenthaler lacht:

«Bei so vielen Knöpfen kommt es auf einen mehr oder weniger auch nicht mehr an.»

Wie Vanessa Ponzo erklärt, könnten die drei Aussenanzeigen mehr oder weniger nach Belieben programmiert werden. Pläne für eine Stinkefinger-Anzeige als Gegenentwurf zum Smiley gebe es aber keine, meint sie lachend.

Leute kommen meist nur mit negativen Rückmeldungen

Ein Smiley und «Vielen Dank».

Ein Smiley und «Vielen Dank».

Bild: Andri Vöhringer

«Die Stadtbusverwaltung findet die Smiley-Anzeige eine super Sache», sagt Ponzo. Das sei eine ausgezeichnete Möglichkeit, den Fahrgästen, aber auch den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Strassenverkehr eine kleine Freude zu bereiten und Danke zu sagen.

«Berufschauffeur im Frauenfelder Strassenverkehr ist ein stressiger, herausfordernder Job.»

Die Stadtbusfahrerinnen und -fahrer würden ihn aber mit Herzblut machen, sagt Vanessa Ponzo. Leider sei es heutzutage so, dass man kaum Rückmeldungen erhalte, wenn die Mitarbeitenden ihre Arbeit gut machten. «Zu uns kommen die Leute nur, wenn der Chauffeur in ihren Augen unfreundlich war oder zu schnell gefahren ist», erklärt die Leiterin Betrieb Stadtbus beim Amt für Tiefbau und Verkehr.

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