Politnachwuchs im Bezirk Frauenfeld legt bei den Grossratswahlen zu

Im Bezirk Frauenfeld hat sich der Anteil der Jungpolitiker im Grossen Rat auf einen Schlag verdoppelt. Die vier Jungen jedoch geben sich nicht zufrieden.

Samuel Koch
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Das Kantonsspital mit altem und neuem Bettenhaus thront über Frauenfeld und der Region.

Das Kantonsspital mit altem und neuem Bettenhaus thront über Frauenfeld und der Region.

Bild: Donato Caspari (14. Januar 2020)

Eine klare Trennlinie zwischen Jung und Alt ist eine Frage der Definition. Ein Blick auf die Zahlen des Bundes zeigt, dass die Grenze zwischen Jung und Alt im Bezirk Frauenfeld beim Alter von 42 Jahren liegt. Denn laut Bundesamt für Statistik waren 2018 die Hälfte der rund 68'000 Einwohner im Bezirk höchstens 42 Jahre alt.

Von den bei den Grossratswahlen vom Sonntag 32 Gewählten im Bezirk ist der Anteil der Jungen um ein Deutliches geringer, liegt er doch nur gerade bei einem Achtel.

EVP unterbietet Altersdurchschnitt der Grünen

Von den 267 Kandidierenden auf den elf Listen haben nur gerade vier Unter-42-Jährige den Sprung in den Grossen Rat geschafft: der 35-jährige Jörg Schläpfer (FDP), die 34-jährige Severine Hänni (SVP) sowie der 39-jährige Simon Weilenmann und der 26-jährige Simon Vogel (beide Grüne).

Simon Vogel, Grüne (neu).

Simon Vogel, Grüne (neu).

(Bild: PD)

Der jüngste des Quartetts bezeichnet den Anteil der Jungen als schrecklich. «Ich wünschte mir, dass die Gesamtbevölkerung im Grossen Rat besser vertreten ist», sagt Simon Vogel, der den Altersdurchschnitt nicht nur im ganzen Bezirk in die Tiefe drückt.

Denn die Grünen weisen von allen Bezirksparteien mit 46,75 Jahren den zweittiefsten Altersdurchschnitt auf. Einzig die EVP unterbietet dieses Mittel mit ihren zwei Kantonsräten noch mit durchschnittlich 45,5 Jahren. Insgesamt liegt der Altersdurchschnitt aller 32 Kantonsräte aus dem Bezirk deutlich höher, nämlich bei 50,5 Jahren.

Doppelt so viele junge Gesichter aus dem Bezirk Frauenfeld

Für Jörg Schläpfer ist die junge Bevölkerung mit vier Mandaten nach wie vor stark untervertreten, selbst wenn sich das aus seiner Sicht drastische Bild von vor der Wahl mit ihm und Lucas Orellano (GLP) erholt hat. Die Zahl der Jungpolitiker hat sich am Sonntag verdoppelt. Laut Schläpfer bereichern junge Gesichter ein Parlament. Der Freisinnige sagt:

Jörg Schläpfer, FDP (bisher).

Jörg Schläpfer, FDP (bisher).

(Bild: PD)
«Viele jüngere Menschen sind unabhängiger und unvoreingenommener als einige gesetztere Persönlichkeiten.»

Gerade Junge würden andere, teils kreative Lösungsansätze einbringen. In der Pflicht bei der Rekrutierung des Politnachwuchses steht auch seine FDP, die auf ihrer Liste nur einen Anteil von 21,87 Prozent an Kandidierenden unter 42 Jahren aufgestellt hat und so im Bezirk den zweithintersten Platz belegt. Nur die Liste der EDU weist mit 13,04 Prozent einen noch geringeren Anteil an Jungpolitikern auf als die Freisinnigen. Spitzenreiter bei dieser Kennzahl sind BDP, GLP und SP, wobei keiner derer Gewählten nun im Grossen Rat Platz nehmen darf.

Severine Hänni, SVP (neu).

Severine Hänni, SVP (neu).

(Bild: PD)

Den Altersdurchschnitt ihrer Bezirkspartei drückt auch Severine Hänni, die von einer guten Entwicklung mit vielen jungen Politikern spricht. «Leider aber reicht es vielen Jungen nicht beim ersten Versuch in den Grossen Rat», meint die Neo-SVP-Kantonsrätin zu den Gründen für die Untervertretung der Jungen.

Das Durchschnittsalter der SVP beträgt 52 Jahre, womit sie den zweithöchsten Wert aufweist. Übertrumpft wird die SVP nur noch von der CVP mit einem Altersdurchschnitt der gewählten drei Kantonsräte von 52,66 Jahren.

Junge verlassen Kanton wegen Unattraktivität

Frisches Blut bringt auch Simon Weilenmann in den Kantonsrat. Der Überraschungsmann der Grünen glaubt, dass der Thurgau für viele junge Menschen noch zu wenig attraktiv sei. Er sagt:

Simon Weilenmann, Grüne (neu).

Simon Weilenmann, Grüne (neu).

(Bild: PD)
«Viele Junge, die sich auch für Politik interessieren, verlassen den Kanton in Richtung Winterthur, Zürich und Bern und kommen meistens erst später zurück.»

Mit Blick auf seine Partei aber glaubt er mit Hilfe der jüngeren Generation an einen Gegentrend und gibt sich in Durchhalteparolen. «Das kommt schon», sagt er und ergänzt: «Jüngere vertreten heute vielmehr selbstbewusst ihre Meinung als noch früher.»