Politik
«Man sollte immer gelassen reagieren, quasi langsam erschrecken»: Karl Ringenbach sagt nach 30 Jahren im Dienst der Gemeinde Gachnang Adieu

20 Jahre Mitglied in Orts- oder Baukommission und zehn Jahre im Gemeinderat: Karl Ringenbach kehrt der Politik Ende Juni endgültig den Rücken. Er will aber nicht ganz untätig bleiben, fährt weiterhin fürs Rote Kreuz und hat für die Freizeit genügend Pläne.

Samuel Koch
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Karl Ringenbach vor dem Eingang zur Gemeindeverwaltung.

Karl Ringenbach vor dem Eingang zur Gemeindeverwaltung.

Bild: Samuel Koch

Nachzutrauern ist nicht sein Ding. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen. So handhabt es Karl Ringenbach seit je her. Deshalb bereitet es ihm auch keine Mühe, den Gemeinderat Gachnang Ende Juni nach zehn Jahren zu verlassen. Das sei nach dem Militärdienst so gewesen, nach seiner Zeit bei der Feuerwehr, seinem Beruf als Linienpilot und jetzt nach all den Jahren im Dienst der Gemeinde. Er sagt:

«Es war eine gute Zeit, aber jetzt geht es vorbei. Schön wars.»

Für Ringenbach ist es jetzt an der Zeit, Jüngeren Platz zu machen. Mitte Juni haben die Stimmberechtigten mit Fabian Heinzer im zweiten Wahlgang seinen Nachfolger gewählt. Sieben Jahre arbeitete Ringenbach in der Ortskommission Islikon mit, 13 Jahre in der Baukommission und zuletzt eben die Dekade im Gemeinderat, wo der 66-Jährige stets für die Werkbetriebe verantwortliche zeichnete, zuletzt als Vize von Gemeindepräsident Roger Jung.

Karl Ringenbach im Oktober 2012, noch als Pilot bei der Swiss.

Karl Ringenbach im Oktober 2012, noch als Pilot bei der Swiss.

Bild: PD

Den Dorfverein Islikon präsidierte er von der Gründung 1997 bis zu seiner Wahl in den siebenköpfigen Gemeinderat, damals noch unter Gemeindepräsident Matthias Müller. «Für mich war von Anfang an klar, dass ich die laufende Legislatur nicht beende», sagt Ringenbach. 2019 wollte er nicht aufhören, denn der Gemeinde hätte nach mehreren Rücktritten eine Vierervakanz gedroht. Ringenbachs Rücktritt ist also keine Überraschung. Seine Absichten habe er immer offen kommuniziert. «Ich gehe mit einem guten Gefühl», sagt er.

Mit dem Zirkel auf der Landkarte

Anfang der 80er-Jahre zog es Ringenbach mit seiner Familie aus Zufall nach Gachnang. Damals Pilot bei der Swissair, musste er für Pikettdienste innerhalb einer Stunde am Flughafen Zürich sein. «Mit dem Zirkel war das also eine einfache Sache», sagt er und schmunzelt. Die stark wachsende Gemeinde habe aber viel mehr zu bieten als nur die nahe Anbindung an Winterthur und Zürich. Ringenbach sagt:

«Gachnang ist gut situiert, und im Vergleich zum Kanton Zürich sind die Landpreise günstiger.»
Karl Ringenbach, Vizegemeindepräsident und ressortverantwortlicher Gemeinderat Werkbetriebe (2011 bis 2021).

Karl Ringenbach, Vizegemeindepräsident und ressortverantwortlicher Gemeinderat Werkbetriebe (2011 bis 2021).

Bild: Samuel Koch

Zudem habe es ihm die schöne Landschaft angetan, mit der Kartause Ittingen oder dem Seerücken als Naherholungsgebiete. Innerhalb der letzten 20 Jahre ist die Gemeinde am westlichen Ende des Kantons Thurgau von 2700 auf 4600 Einwohnern angewachsen. Für Karl Ringenbach eine wahnsinnige Entwicklung.

Neues Pumpwerk und flächendeckend Glasfaser

Die stark wachsende Gemeinde brachte für Ringenbach und den Gemeinderat auch Herausforderungen mit sich. So kümmerte er sich etwa stets um eine sichere, gute und zahlbare Versorgung von Strom und Wasser. Als Höhepunkt bleibt für ihn die Sanierung des Grundwasser-Pumpwerks Thuracker in Erinnerung, womit sich Gachnang für die Zukunft rüstete. Das EW-Netz sei ständig à jour gehalten worden. Ausserdem blickt er auf das flächendeckende Glasfaserprojekt zurück, das in Kooperation mit der Leucom und der Swisscom realisiert wurde.

Seinen Beruf als Pilot mag Ringenbach nur bedingt mit seinem Tun im Gemeinderat vergleichen. «Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe», sagt er. Was höchstens eine Analogie zulässt, sei die Art und Weise, wie eine Reaktion auf Unvorhergesehenes erfolgen muss. Ringenbach sagt:

«Man sollte immer gelassen reagieren, quasi langsam erschrecken.»

Das habe er bei Zwischenfällen im Cockpit gelernt, etwa, als bei einem Jumbo nach dem Start in Zürich wegen Vogelschlags ein Triebwerk ausfiel und zur Notlandung angesetzt werden musste. «Es braucht die Gelassenheit, überlegt und richtig zu handeln», sagt er.

Was bleibt von fast 30 Jahren Engagement in der Gemeinde? «Viele schöne Erinnerungen», sagt Ringenbach. Ansonsten freut er sich auf mehr Freizeit und Zeit für seine sieben Enkel oder fürs Fotografieren. Ringenbach fährt im Winter Ski und geht Langlaufen, im Sommer ist er beim Wandern oder auf dem Velo anzutreffen. Und ganz zu Ende ist sein Dienst zum Wohle der Mitmenschen noch nicht. Er ist weiterhin als Rotkreuzfahrer unterwegs. «Mir geht es doch gesundheitlich gut, und ich will etwas zurückgeben.»