Politik
Gemeinsam gegen eine Ehe zweiter Klasse: Die Thurgauer Jungparteien kämpfen für einmal für das gleiche Ziel

Thurgauer Jungparteien von ganz links bis ganz rechts setzen sich für die «Ehe für alle» ein. Selbst die Junge SVP steht hinter diesem Anliegen, über das am 26. September in einer eidgenössischen Volksabstimmung entschieden wird.

Christof Lampart
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Die Thurgauer Jungparteien stehen geschlossen hinter der eidgenössischen Initiative «Ehe für alle».

Die Thurgauer Jungparteien stehen geschlossen hinter der eidgenössischen Initiative «Ehe für alle».

Bild: Christof Lampart

Die Jungparteien im Kanton Thurgau, von den Jungsozialisten bis hin zur SVP, stehen vereint hinter dem Anliegen einer Ehe für alle.

Die Jung-SVP liess sich an der Medienkonferenz im Gasthof Eisenbahn in Weinfelden zwar entschuldigen, zugleich jedoch ausrichten, dass sie klar hinter dem Ja der anderen Jung-Parteien zur «Ehe für alle» stünde. Über diese eidgenössische Initiative wird in zwei Wochen, am Sonntag, 26.September, abgestimmt.

Weit mehr als nur ein symbolischer Akt

Lorenz Weber, Co-Präsident Junge Grünliberale Thurgau, machte deutlich, dass eine «Ehe für alle» für die Jungen «keine typische politische Frage mehr», sondern «eine Selbstverständlichkeit» sei. Diese Selbstverständlichkeit gelte es nun mit einer hohen Stimmenbeteiligung an der Urne «gesetzlich zu verankern».

Simon Vogel, Co-Präsident Junge Grüne Thurgau, betonte, dass die Bundesverfassung jedem das Recht auf Ehe und Familie gewährleiste, jedoch nicht ausführe, was genau darunter zu verstehen sei. So gesehen würden gleichgeschlechtliche Paare in ihren Grundrechten eingeschränkt. Die «Ehe für alle» sei weit mehr als nur ein symbolischer Akt, böte sie doch vielen Paaren bei Erbschaften, Besteuerung und Einbürgerung grosse Vorteile, welche eine eingetragene Partnerschaft bis heute nicht bieten könne.

«Ehe für alle» sichert Kinder besser ab

Für Noëlle Ruoss, Präsidentin der Juso Thurgau, bietet eine «Ehe für alle» «einen besseren Schutz für Familien und ihre Kinder». Fakt sei, dass homosexuelle Paare mit Kindern heute schon keine Seltenheit mehr seien. Und diese Familien verdienten den gleichen rechtlichen Schutz wie heterosexuelle Paare. «Eine ‹Ehe für alle› würde homosexuellen Paaren die gemeinsame Adoption ermöglichen, was Regenbogenkinder im Fall einer Scheidung oder eines Todesfalls rechtlich absichern würde.»

Wenn das Kind beim Tod des biologischen Elternteils zum Waisen wird, bestehen heute keinerlei Rechte oder Pflichten zwischen dem Kind und dem nichtleiblichen Elternteil.

Ehe-Bund darf nicht diskriminieren

Die Präsidentin der Jungen Mitte Thurgau, Flavia Scheiwiller, sieht in der eingetragenen Partnerschaft «eine Ehe zweiter Klasse». Es gehe nicht an, dass man Menschen aufgrund ihrer Liebe oder ihres etwaigen Kinderwunsches wegen diskriminiere. «Ein Kind braucht ein liebevolles Zuhause und Eltern, die sich Zeit nehmen und sich sorgen», sagte Scheiwiller weiter.

«Gleichgeschlechtlichen Paaren zu unterstellen, sie würden dies weniger gut können als heterosexuelle Paare, ist diskriminierend.»

Enrique Casteler, Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen Thurgau und selbst Betroffener, erklärte, was die «Ehe für alle» für sein Umfeld ändern würde. «Liebe ist nicht abhängig von Geschlecht oder Sexualität. Paare, die ihr Leben längerfristig gemeinsam verbringen wollen, müssen rechtliche Aspekte auch gemeinsam regeln können. Die Ehe ermöglicht das.» Die soziale Absicherung stelle neben der Liebe den Hauptgrund für eine Eheschliessung dar.

«Dieser Bund, den zwei Menschen vor dem Staat eingehen, darf nicht diskriminieren.»

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