Glosse

Poetische Strassenplaner sind in Sirnach am Werk

Südsicht auf einen umsichtigen Sirnacher Gemeinderat und einen erfolgreichen Eschliker Gemeindepräsidenten.

Olaf Kühne
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Olaf Kühne

Olaf Kühne

(Bild: Peter Pfistner)

Um schiefe Zähne geht es nicht. Aber um Spangen. Schliesslich ist die Bezeichnung nicht nur für die Dinger in Teenagermündern gebräuchlich, sondern auch für Umfahrungsstrassen. Zumindest, wenn sie irgendwie die Form einer Zahnspange haben. Bogenförmig oder so. Strassenplanerpoesie halt.

So eine befahrbare Spange hat seit diesem Frühling auch Sirnach. Die Spange Hofen. Dank ihr haben Sirnacher weniger Autolärm. Und Eschliker kommen schneller auf die Autobahn. Nun will aber ein Eschliker nach Wil. Als Stadtpräsident. Gemeindepräsident Hans Mäder holt im ersten Wahlgang ein Glanzresultat, ist also Kronfavorit im zweiten.

Darauf hat der Sirnacher Gemeinderat prompt reagiert. Er gleist nach der Spange Hofen flugs die Spange Grünau Nord auf. Damit Eschliker schneller nach Wil kommen. Ob sie damit ihren Nachbargemeindepräsidenten loswerden wollen oder ihm den roten Asphaltteppich ausrollen, weiss man nicht.

So oder so machen die Sirnacher aber einen Denkfehler: Der Wiler Stadtpräsident hat Wohnsitzpflicht. Eine schnelle Verbindung Wil-Eschlikon bringt also nichts. Oder aber: Der Sirnacher Gemeinderat betreibt Zweckpessimismus und geht davon aus, dass Hans Mäder nach der ersten Legislatur möglichst schnell zurück nach Eschlikon will. In vier Jahren müsste so eine Strasse doch zu realisieren sein.

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