Tierschutzverein Sirnach meldet mehrere zugelaufene Schildkröten

Dem Tierschutzverein Sirnach und Umgebung sind in den vergangenen Wochen gleich sechs Schildkröten zugelaufen. Das ist kein Zufall, sagt Vereinspräsidentin Elsbeth Tromp.

Roman Scherrer
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Vor zwei Jahren ist dem Tierschutzverein Sirnach und Umgebung eine Schildkröte zugelaufen, deren Panzer mit rosaroter Farbe markiert war. (Bild: PD/Tierschutzverein Sirnach und Umgebung)

Vor zwei Jahren ist dem Tierschutzverein Sirnach und Umgebung eine Schildkröte zugelaufen, deren Panzer mit rosaroter Farbe markiert war. (Bild: PD/Tierschutzverein Sirnach und Umgebung)

«Schildkröten sind Ausbruchskünstler im Quadrat», sagt Elsbeth Tromp. Die Präsidentin des Tierschutzvereins Sirnach und Umgebung, welcher in Aadorf zu Hause ist, zählte in den vergangenen Wochen gleich sechs zugelaufene Panzertiere. Bei vier davon konnten die Besitzer ausfindig gemacht werden. Dies dank der regelmässigen Ausschreibungen des Tierschutzvereins, etwa in der Zeitung, auf Facebook oder mit Plakaten. Die anderen beiden Tiere seien wohlauf, wie Tromp sagt.

Dass Schildkröten den Weg ins Freie finden, ist laut Elsbeth Tromp nicht nur der Tatsache geschuldet, dass die Tiere gut ausbrechen können und eben nicht so langsam sind, wie sie oft dargestellt werden. «Oft sind die Gehege auch gar nicht genügend ausbruchsicher», sagt Tromp.

Im Hochsommer sehr aktiv

Für die Präsidentin des Tierschutzvereins ist es kein Zufall, dass sie gerade im Hochsommer mehrere zugelaufene Panzertiere aufnehmen musste. «Die Schildkröten sind bei diesem warmen Wetter richtig aufgeheizt, sie laufen dann wahnsinnig weit», erklärt sie. Die Tiere bräuchten vor allem viel Licht und Wärme, um nach dem langen Winterschlaf wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. «Ausserdem sind sie in dieser Zeit paarungswillig. Die Männchen wollen raus, um ihre Weiber zu suchen», erklärt Elsbeth Tromp.

Elsbeth Tromp  Präsidentin Tierschutzverein Sirnach und Umgebung

Elsbeth Tromp
Präsidentin Tierschutzverein Sirnach und Umgebung

So seien die meisten der zugelaufenen Schildkröten denn auch Männchen. Hält jemand mehrere männliche Panzertiere zu Hause, kann es schnell einmal dazu kommen, dass diese aufeinander losgehen. «Erst recht, wenn noch ein Weibchen dabei ist», sagt Tromp. In den meisten Fällen sei es aber so, dass die Tiere anfangen, miteinander zu kämpfen, wenn sie zu wenig Raum in ihrem Gehege vorfinden. «Je weniger Platz sie haben, desto eher gehen sie aufeinander los. Man kann eine Schildkröte nun mal nicht auf einer Fläche von zwei Quadratmetern halten.» Viele Besitzer seien zu wenig darüber informiert, was ihre Tiere brauchen, sagt Tromp. «Wir vom Tierschutzverein geben sehr gerne Auskunft darüber. Aber lieber ist uns natürlich, wenn sich die Leute informieren, bevor sie ein Tier anschaffen.»

Jede Platzierung kostet

Kann der Tierschutzverein den Besitzer eines Tieres nicht ausfindig machen, ist er gesetzlich verpflichtet, das Tier nach zwei Monaten an einem neuen Ort zu platzieren. Jede Platzierung kostet den Verein, dessen Betrieb dank Spenden und Mitgliederbeiträgen gewährleistet wird. Im vergangenen Jahr hatte der Tierschutzverein Sirnach und Umgebung etwa 56 entlaufene Katzen zu platzieren, bei denen sich kein Besitzer gemeldet hatte.

Eine solche Platzierung musste Elsbeth Tromp vor zwei Jahren auch bei einer Schildkröte vornehmen, obwohl sie den Besitzer ausfindig gemacht hat. «Der Panzer des Tiers war mit knall-rosaroter Farbe markiert. Es war ein lustiger Anblick. Der Besitzer dachte, er würde seine Schildkröte damit besser finden, falls sie ausbricht», berichtet Tromp.

Eine männliche Griechische Landschildkröte, die dem Tierschutzverein Sirnach und Umgebung kürzlich zugelaufen ist. (Bild: PD/Tierschutzverein Sirnach und Umgebung)

Eine männliche Griechische Landschildkröte, die dem Tierschutzverein Sirnach und Umgebung kürzlich zugelaufen ist. (Bild: PD/Tierschutzverein Sirnach und Umgebung)

Besitzer wollte markiertes Tier nicht mehr

Allzu wichtig war dem Halter das Tier aber offenbar nicht. Denn als Tromp ihm sagte, er könne die Schildkröte für 50 Franken – als Entschädigung für den beim Tierschutzverein entstandenen Aufwand – bei der Pflegestation abholen, sagte er, er wolle sie nicht mehr, wenn es etwas koste. «Das zeigt die Werte unserer Gesellschaft. Viele Leute denken, wenn ihr Tier weg ist: Dann ist es halt weg, kaufen wir das nächste», sagt Tromp.

Dass Besitzer von Schildkröten den Panzer ihres Tiers markieren, passiere des Öfteren, wie die Präsidentin des Tierschutzvereins berichtet. Dabei sei dies gar nicht nötig: «Jede Schildkröte unterscheidet sich in ihrer Panzer- oder Bauchzeichnung ganz klar von der anderen.» Bald schon wird sich Elsbeth Tromp wieder etwas weniger mit den Panzertieren beschäftigen müssen. Im Herbst nämlich, sobald es wieder kälter wird, ziehen sie sich zurück und bereiten sich auf den Winterschlaf vor. Um dann für die Paarungszeit im nächsten Sommer wieder fit zu sein.