Philipp Bleuer aus Matzingen taucht immer wieder in die Glamour-Fernsehwelt ein und hält dort die Linse auf die Promis

Philipp Bleuer tourt mit seiner Kamera quer durch Europa und rückt die Stars ins richtige Fernsehlicht. Derzeit fährt er auf einem Segway mitsamt Kamera übers Zürcher Glatteis.

Samuel Koch
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Philipp Bleuer hält bei den SRF-Sports-Awards voll auf den musikalischen Act mit Pegasus.

Philipp Bleuer hält bei den SRF-Sports-Awards voll auf den musikalischen Act mit Pegasus.

(Bild: PD/Adrian Bretscher)

ARD, SWR, SRF. RTL, Pro 7, ZDF. Was sich anhört, wie ein Lied der deutschen Hip-Hop-Band Fanta 4, ist eine Aufzählung der bisherigen Auftraggeber von Philipp Bleuer. Musikstars wie Lenny Kravitz, Helene Fischer oder Pegasus, Profifussballer von YB und Basel oder auch Ski-Asse wie Beat Feuz kommen dem selbstständigen Kameramann aus Matzingen ebenso regelmässig vor die Linse wie die Promi-Moderatoren Thomas Gottschalk, Günter Jauch oder Oliver Pocher. «Am reizvollsten ist die Arbeit bei Musikshows», sagt der 34-Jährige, der in der Nähe von Olten aufgewachsen ist.

Heute kann der Wahlthurgauer von seiner Leidenschaft leben, selbst wenn er nicht über nackte Zahlen sprechen will.

«Ich bin dankbar, weil ich mein Hobby zum Beruf machen konnte.»
Philipp Bleuer, PD Steadi GmbH.

Philipp Bleuer, PD Steadi GmbH.

(Bild: Samuel Koch)

Noch bis Mitte Februar gleitet er mit seiner Kamera bei «Art on Ice» übers Glatteis des Zürcher Hallenstadions. Jedoch nicht auf Kufen, sondern auf einem Segway mit Spikes. «Diese Idee ist mir vor Jahren bei einem Sprachaufenthalt in Kalifornien in den Sinn gekommen.»

Selbst grosse Bedenken und zunehmende Sicherheitsauflagen hinderten Bleuer nicht an der Umsetzung seines Pionierprojekts, nachdem ein chinesischer Kameramann auf einem Segway bei Olympia in Peking 2008 Sprintstar Usain Bolt in die Beine gefahren war. «Ich habe das Rechtliche zur Sicherheit abgeklärt», sagt Bleuer. Sein Bruder sei Rechtsanwalt.

Philipp Bleuer filmt auf seinem Segway mit Spikes vom Eis im Hallenstadion.

Philipp Bleuer filmt auf seinem Segway mit Spikes vom Eis im Hallenstadion.

(Bild: PD)

Steadicam-Montur wiegt über 25 Kilogramm

Noch viel lieber als mit dem Segway bewegt sich Philipp Bleuer zu Fuss über die Bühnen, um Livebilder in die Fernsehstuben zu senden. «Der grosse Vorteil gegenüber dem Kamera-Kran oder Drohnen ist, dass ich mit meiner Steadicam viel näher an die Stars herankomme und sie auf Kopfhöhe filme», sagt Bleuer.

Dafür wiegt die ganze Montur bis zu 30Kilogramm, weshalb es ihm hie und da in den Rücken schlägt. Dass er als Kameramann fast nie im Mittelpunkt steht, stört ihn überhaupt nicht.

«Ich finde es unglaublich spannend, hinter die Kulissen zu sehen und so viele interessante Leute kennen zu lernen.»

Die Leidenschaft fürs Filmen begleitet ihn seit seiner Kindheit, als er mit seiner Familie oft unterwegs war und Ferienvideos produzierte. «Selbst in meiner Jugend habe ich zu Hause Filme geschnitten, während meine Schulkameraden in den Ausgang gingen», sagt Bleuer ohne Reue. Denn seine Ideen haben ihm Türen und Tore in die glamouröse Fernsehwelt geöffnet.

Und warum wohnt er seit dreieinhalb Jahren im beschaulichen Matzingen? – «Weil ich dort nach langen, strengen und durchgetakteten Tagen meine Ruhe finde und auf sehr hilfsbereite Nachbarn zählen darf», sagt er. Dass er im Murgtal gelandet ist, bezeichnet er als absoluten Zufall. Aber es gefällt ihm gut in Matzingen, selbst wenn ihm der Thurgau bisher noch ziemlich unbekannt ist.

«Ich fühle mich wohl und erreiche den Flughafen für meine vielen Reisen über den Autobahnanschluss sehr schnell.»

Als grosses Ziel spienzelt Bleuer schon lange auf einen Auftrag am Eurovision Song Contest. «Grösser geht es kaum», sagt er zur wohl grössten Fernsehproduktion Europas mit wochenlangen Proben und fast 50 Kameraleuten. «Das ist ein grosser Traum», sagt er im Wissen, dass es dazu Kontakt zu den richtigen Entscheidungsträgern braucht.

Einen solchen lernte er einmal nach einem «Red Bull Air Race» in Las Vegas auf einer Autofahrt zurück ins Hotel kennen. «Ich habe meine Chance genutzt.» Zwei Wochen später wurde er für die RTL-Chartshow gebucht. «Wenn du mal drin bist, spricht sich die Qualität deiner Arbeit herum», sagt Bleuer.

Fotos mit dem Helikopter rufen Neider hervor

Davor machte er sich in der Schweiz einen Namen bei «Celebrations» oder «Joya rennt». Zu verdanken hat er seine Laufbahn auch SRF-Regisseur Beni Giger. «Er war mein grosser Förderer.»

Und wenn er nicht gerade durch Europa tourt, verbringt er seine Zeit beim Sport oder in der Luft, er fliegt leidenschaftlich gerne Helikopter. Das macht er nicht aus Spass, sondern um in Zukunft vielleicht einmal in die Gunst eines Auftrages bei der Tour de Suisse zu kommen und die Radrennprofis aus der Luft zu begleiten. Für seine Passion nimmt Bleuer viel auf sich und begibt sich oft ins Visier von Neidern. «Viele sehen nur meine Fotos aus aller Welt, mit Promis oder im Helikopter», sagt er.

Viele sähen nicht, dass er dafür viel Zeit und Energie opfere. Umso mehr freut er sich deshalb auf ruhige Stunden, «am liebsten zu Hause in Matzingen».