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Pfyner Gemeindepräsidentin will es nochmals wissen

Seit 20 Jahren gibt es die politische Gemeinde Pfyn mit Dettighofen. Seit elf Jahren ist Jacqueline Müller deren Präsidentin. Obwohl ihr verkopfte Experten bei Bund und Kanton Sorge bereiten, will sie weitermachen.
Stefan Hilzinger
Interview mit Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller. (Bilder: Andrea Stalder

Interview mit Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller. (Bilder: Andrea Stalder

Frau Müller, Sie haben sich entschieden, für eine vierte Amtsdauer anzutreten. Warum?

Jacqueline Müller: Als ich vor gut elf Jahren erstmals kandidierte, folgte ich einem inneren Ruf. Niemand hatte mich seinerzeit zu einer Kampfkandidatur aufgefordert. Und ich fühle mich heute gleichermassen berufen wie damals. Die vielen verschiedenen Aufgaben des Amtes liegen mir. Ich übernehme gerne Verantwortung. Ich will für den Gemeinsinn etwas tun.

Welche Aufgaben reizen Sie? Häufig muss man in diesem Amt ja die Probleme anderer Leute lösen.

(Lacht) Ja, zu einem gewissen Masse stimmt das. Doch ich schätze es, wenn die Leute mit einem Anliegen direkt auf mich zukommen. Da habe ich ein offenes Ohr. Aber es sind die wichtigen Aufgaben einer Gemeinde, die das Amt anspruchsvoll machen, zum Beispiel die Finanzen oder auch die Werke, vor allem im Hinblick auf die Energiestrategie 2050.

Pfyn hat schon sehr früh in Glasfaserinfrastruktur investiert. Was bringt das einer Landgemeinde? Sie mussten ja doch einiges dafür aufwenden.

Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller.

Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller.

Bei den Investitionen kam die Gemeinde unter dem Strich sehr gut weg, denn wir haben mit der Swisscom und der Leucom zwei starke Partner an Bord. Derzeit ist das Vorhandensein eines Glasfasernetzes für uns ein wichtiger Standortfaktor. Noch ist die Technologie ja nicht allerorts verfügbar. In Dettighofen bestand damals dringender Handlungsbedarf. Die Leute fragen auch heute danach, ob es in der Gemeinde einen vernünftigen Zugang zum Internet gibt.

Aber Arbeitsplätze sichern oder gar neu ins Dorf holen, das leistet die neue Technologie nicht?

Nein, sicher nicht. Es geht um den privaten Komfort. Für mich ist die Sache eine Erfolgsgeschichte für die Gemeinde.

Pfyn wuchs im Jahr 2017 mit 2,5 Prozent überdurchschnittlich stark auf knapp 2000 Personen. Der Durchschnitt im Bezirk lag bei 1,4 Prozent. Geht es nun so weiter?

Nein. Noch haben wir die 2000er-Grenze nicht geknackt. Über viele Jahre stagnierte das Wachstum, teilweise ging die Bevölkerungszahl sogar leicht zurück. Jetzt erleben wir einen richtigen Bauboom in Pfyn. 30 Wohnungen sind derzeit bezugsbereit, 70 weitere sollen dazukommen. Der Boom hat uns einfach später erreicht als andere Gemeinden in der Region. Es wird teilweise auf Halde gebaut, wo ich mich schon auch frage, woher die Leute herkommen sollen. Das macht mir auch Sorgen, denn die Wohnungen sollten besetzt werden.

Die Gemeinde wäre doch froh um gute Steuerzahler. Denn der Steuerfuss von derzeit 69 Prozent gehört seit Jahren zu den höchsten im Kanton. Was tun Sie dagegen?

Dass der Steuerfuss weiterhin so hoch ist, beruht auf einer Art Abmachung mit der Bevölkerung: Schulden abzubauen, ist ein Ziel des Gemeinderates in der laufenden Legislatur. Das ist uns geglückt: Ende 2017 hat die Gemeinderechnung erstmals ein kleines Nettovermögen ausgewiesen. Es ist uns auch gelungen, unseren Anteil am Neubau der Mehrzweckhalle teilweise vorzufinanzieren. Der Bau der Halle gemeinsam mit der Schulgemeinde wird wohl für längere Zeit das letzte grössere Infrastrukturprojekt gewesen sein. Mittelfristig ist unser Ziel nun, den Steuerfuss weiter zu senken. Das Bevölkerungswachstum kommt sicher dem Steuersubstrat zugute, so dass eine Senkung drin liegen sollte.

Pfyn war für zwei Jahre Kulturhauptstadt der Schweiz. Was ist von dieser Aktion im Dorf hängen geblieben?

Das hat uns zu einem Markenzeichen verholfen. Es kommen sogar vereinzelt Touristen deswegen zu uns. Die beiden Künstler Alex Meszmer und Reto Müller hatten die Sache damals lanciert. Sie sind weltweit vernetzt und tragen den Namen Pfyn hinaus. Meszmer und Müller führen auch die Datensammlung zur Pfyner Geschichte weiter.

Wo sehen Sie die Gemeinde in vier, fünf Jahren?

Mir ist wichtig, dass Pfyn eine selbstbewusste und eigenständige Gemeinde bleibt, die ihre Aufgaben selbst bewältigen kann. Wobei wir auch Zusammenarbeiten mit anderen Gemeinden pflegen. Das ist uns wichtig.

Stichwort selbstbewusst: Pfyn hat als eine der wenigen Gemeinden beim regionalen Baureglement nicht mitgemacht. Die langwierige Geschichte hat Ihnen da Recht gegeben. Warum sind Sie nicht eingestiegen?

Zwei Gründe haben uns davon abgehalten, mitzumachen. Wir waren erstens damals bereits mitten in der Überarbeitung des alten Baureglements. Und zweitens hat uns das neue Konzept nicht überzeugt. Wir wollten das Konzept und den Aufbau des alten Reglements beibehalten, das ein in sich abgeschlossenes Instrumentarium darstellte. Leider wurde uns dies letztlich vom Kanton verwehrt, weil in lokalen Reglementen keine Bestimmungen aus übergeordnetem Recht übernommen werden dürfen. Jetzt muss man sich an vier verschiedenen Regelwerken parallel orientieren – aus kommunaler Sicht eine Verschlechterung gegenüber früher, was auch andere Gemeinden aus der Region so sehen.

Wo sehen Sie Möglichkeiten von Zusammenarbeiten mit anderen Gemeinden?

Vor allem bei der Bauverwaltung und im Sozialen. Bei der Feuerwehr arbeiten wir schon mit Müllheim zusammen. Die Berufsbeistandschaft ist ebenfalls regional gut organisiert. Die Verwaltung haben wir schon vor einem Jahr um eine 40-Prozent-Stelle aufgestockt, vor allem wegen der zunehmenden Bautätigkeit in den vergangenen Jahren. Die Aufstockung war längst nötig. Nun sind wir gut aufgestellt. Ein Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde ist kein Thema. Dafür macht mir aber etwas anderes Sorgen.

Was?

Die zunehmende Komplexität in den Sachgeschäften bringt unser Milizsystem an die Grenzen. Die Verwaltungen von Bund und Kanton sind total verakademisiert. Experten treiben ihr Fachgebiet bis zum Geht-nicht-Mehr und vergessen dabei, dass die Gemeinden diese Vorgaben in der ganzen Bandbreite umsetzen und der Bevölkerung plausibel machen müssen. Vieles ist nicht praxistauglich.

Wenn ich Sie so reden höre: Warum sind Sie nicht in die kantonale Politik eingestiegen, wie es viele Gemeindepräsidenten tun?

Nein, die Sache reizt mich nicht. Denn dann hätte ich in eine Partei eintreten müssen. Und das will ich nicht.

Zur Person

Jacqueline Müller (54) ist in Frauenfeld aufgewachsen und wohnt seit 1985 in Dettighofen. Nach der Handelsmittelschule arbeitete sie im Bankwesen. Sie ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Töchter. Sie ist eine begeisterte Pferdehalterin und Reiterin. Bei den Gesamterneuerungswahlen im Jahr 2007 setzte sie sich gegen den langjährigen Amtsinhaber Kurt Helg durch. Müller ist parteilos. (hil)

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