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Pfyn ist dank Holz nicht auf dem Holzweg

Die neue Mehrzweckhalle ist Pfyns ganzer Stolz – auch wegen des einheimischen Rohstoffes am Bau. Jetzt hat die Branchenorganisation Lignum den Bau ausgezeichnet.
Stefan Hilzinger
Paul Koch, Präsident Lignum Ost übergibt die Auszeichnung «Schweizer Holz» an Schulpräsident Erich Schaffer (rechts). (Bild: Andrea Stalder)

Paul Koch, Präsident Lignum Ost übergibt die Auszeichnung «Schweizer Holz» an Schulpräsident Erich Schaffer (rechts). (Bild: Andrea Stalder)

Unsere Ahnen hätten sich verwundert die Augen gerieben darüber, was diese Woche in Pfyn gefeiert wurde: die neue Mehrzweckhalle aus einheimischem Holz. Damals eine Selbstverständlichkeit, heute die Umsetzung einer Vision. So beschrieb Geschäftsführer Simon Biegger den Rahmen für den Sommeranlass der Thurgauer Lobbyorganisation für die Wald- und Holzwirtschaft Lignum Ost.

Gastgeber waren Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller und Schulpräsident Erich Schaffer. Am Wochenende erst haben sie voller Freude mit der Bevölkerung die Halle eingeweiht. Bereits seit Mitte Juni dürfen die Pfyner Schulkinder wieder darin turnen, berichtete Schaffer.

Ohne Halle haben sich die Schüler viel im Wald bewegt

Das Jahr ohne Turnhalle habe auch ihr Gutes gehabt, sagte Schaffer. «Die Kinder haben sich viel draussen bewegt, unter anderem auch im Wald.» Daraus stammen die rund 500 Kubikmeter Fichten und die 100 Kubikmeter Weisstanne, welche die Bürgergemeinde als Rohmaterial in ihrem Wald schlagen liessen.

Über die Mehrkosten von 70000 Franken fürs Pfyner Holz liessen Gemeinde und Schule eigens abstimmen. Sie planten den 8-Millionen-Bau gemeinsam. «Am Schluss brauchten wir das Extrageld nicht einmal», sagte Schaffer. Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller wies auf die kurzen Wege hin, die das Holz nahm. Müller sagte:

«Von Pfyn in die Sägerei nach Stammheim, dann zum Holzbauer nach Hörhausen und zurück nach Pfyn sind es gerade einmal 40 Kilometer.»

Weil für Konstruktion und Fassade zu 100 Prozent Pfyner Holz verwendet wurde, überreicht Lignum-Ost-Präsident Paul Koch der Bauherrschaft eine Urkunde. Sie zeichnet Bauten aus mit einem Anteil von mindesten 80 Prozent Schweizer Holz.

Sie stellten die Wertschöpfungskette vom Wald bis zum fertigen Holzbau sicher: Architekt Donatus Lauener, Bürgerpräsident Stefan Rechberger, Nat Baumann (Eugster Holzbau), Ingenieur Walter Bieler, Schulpräsident Erich Schaffer, Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller und Martin Keller (Sägerei Keller). (Bild: Andrea Stalder)

Sie stellten die Wertschöpfungskette vom Wald bis zum fertigen Holzbau sicher: Architekt Donatus Lauener, Bürgerpräsident Stefan Rechberger, Nat Baumann (Eugster Holzbau), Ingenieur Walter Bieler, Schulpräsident Erich Schaffer, Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller und Martin Keller (Sägerei Keller). (Bild: Andrea Stalder)

Die am Holzbau beteiligten Fachleute gaben mit ihren Vorträgen an dem Abend Einblick in die besonderen Herausforderungen des Bauvorhabens. Alle entlang der Wertschöpfungskette – vom Holzschlag bis zur Montage auf der Baustelle – haben aus dem Projekt gelernt und zeigen sich erfreut über das Resultat, so der Tenor. «Es braucht Flexibilität von allen. Man kann Bretter nicht einfach von den Bäumen pflücken», sagte Stefan Rechberger, Präsident der Bürgergemeinde Pfyn.

«Wenn es so läuft hier, dann könnte das Schule machen», sagte der Frauenfelder Architekt Donatus Lauener, dessen Büro das Gebäude entworfen hat. Projekte wie dieses würden dazu beitragen, dass heimisches Holz wieder mehr Bedeutung als Werk- und Baustoff erlange, formulierten die Fachleute ihre Hoffnung.

Im Graubereich des
 Beschaffungswesens

Allerdings sprachen die Fachleute auch eine rechtliche Grauzone an. Ist es als öffentlicher Bauherr legal, zu verlangen, dass möglichst einheimisches Holz verwendet wird? Es könnten Probleme mit dem öffentlichen Beschaffungsrecht entstehen, weil Vergaben aber einer gewissen Summe international ausgeschrieben werden müssten.

Gerade internationale Unternehmen könnten intervenieren. Das sei aber kein Grund, nicht weiter am Thema dranzubleiben. «Gerade aktuell, mit dem vielen Käferholz, bietet sich Schweizer Holz als Baustoff wirklich an», sagte Lignum-Geschäftsführer Biegger.

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