Interview
Bundesrat Guy Parmelin gastiert auf Frauenfelder Rennbahn: «Pferdewetten überlasse ich anderen»

Bundesrat Guy Parmelin weilt am Pfingstmontag als Ehrengast auf der Frauenfelder Pferderennbahn. Der SVP-Magistrat freut sich auf spannende Wettkämpfe, interessante Begegnungen und kann sich gut vorstellen, einmal einen Rebberg im Thurgau zu besitzen.

Interview: Samuel Koch
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Bundesrat Guy Parmelin. (Bild: Reto Martin)

Bundesrat Guy Parmelin. (Bild: Reto Martin)

Seit rund dreieinhalb Jahren sitzt Guy Parmelin für die SVP im Bundesrat. Am Pfingstmontag, 10. Juni, stattet der 59-jährige Landwirt und Winzer aus Bursins VD dem Frauenfelder Pfingstrennen mit seiner Frau Caroline einen Besuch ab.

Herr Bundesrat Parmelin, sind Sie ein Zocker?

Nein. (lacht) Aber ab und zu im kleinen Kreis wetten wir, jedoch immer ohne Geldeinsatz.

Dann wetten Sie am Pfingstmontag auf keines der Pferde?

Nein, ich werde sicher nicht wetten. Das überlasse ich anderen.

Wie sind Ihre Beziehungen zum Kanton Thurgau?

Der Thurgau ist ein Landwirtschaftskanton, wie mein Heimatkanton Waadt auch. Beide Kantone verbindet die Milchwirtschaft oder der Wein- und Obstbau.

Seit ich Bundesrat bin, war ich schon mehrmals hier. Es gefällt mir sehr im Thurgau.

Der Thurgau gilt als SVP-Hochburg. Da müssen Sie sich ja wohlfühlen?

Nicht nur wegen der Politik. Die Landschaft ist unglaublich schön. Aber es ist schon so: Mit den Parteikolleginnen und -kollegen aus dem Thurgau verbindet mich eine schöne Freundschaft, zum Beispiel mit Ständerat Roland Eberle oder alt Nationalrat Peter Spuhler.

Wie unterscheiden sich Romands von Thurgauern?

Eigentlich nur von der Sprache her. (lacht)

Wie würden Sie den Thurgau beschreiben?

Modern, aufgeschlossen, traditionell. Und punkto Französisch noch entwicklungsfähig.

Frühjahrsmeeting 2019 in Frauenfeld.
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Frühjahrsmeeting 2019 in Frauenfeld. Auftritt des Kavallerieschwadrons 72.
Frühjahrsmeeting 2019 in Frauenfeld.
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Frauenfeld TG , 26.05.2019 / Pferderennen in Frauenfeld. Frühjahrsmeeting.
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Frühjahrsmeeting 2019 in Frauenfeld.

Wie ist Ihr Bezug zur Stadt Frauenfeld?

Ich kenne die Stadt aus meiner Zeit beim Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Wir haben hier sogar meine erste Medienkonferenz durchgeführt. Wir haben den Medien die Armeebotschaft erklärt und was in Frauenfeld gebaut werden soll.

Zu welchen Zwecken waren Sie zuletzt im Thurgau?

Vergangenen Herbst habe ich eine Tagung im Zentrum Lilienberg in Ermatingen durchgeführt und dort Ostschweizer Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Sport getroffen, um mit ihnen über ihre Bedürfnisse zu diskutieren. Zudem nahm ich im vergangenen Jahr an der Nationalfeier in Langrickenbach teil.

Bundesrat Guy Parmelin erhält an der Bundesfeier 2018 in Langrickenbach als Geschenk eine Sitzbank. (Bild: Reto Martin)

Bundesrat Guy Parmelin erhält an der Bundesfeier 2018 in Langrickenbach als Geschenk eine Sitzbank. (Bild: Reto Martin)

Mit dem Wechsel ins Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) stehen Sie unter anderem nicht mehr dem Waffenplatz Frauenfeld vor, der über die nächsten Jahre saniert und ausgebaut wird. Ist das für Sie ein Wermutstropfen?

Ich habe immer gesagt, dass ein Departementswechsel mit einem weinenden und einem lachenden Auge verbunden ist. Ich freue mich nun sehr auf meine neue Aufgabe im WBF.

Was ist für Sie spannend am neuen Departement?

Ich sage immer: ohne Bildung und Forschung keine Wirtschaft. Ohne diese drei Bereiche und ohne Sicherheit hätten wir keinen Wohlstand in diesem Land.

Wie beurteilen Sie den Fakt, dass mit Neo-Bundesrätin Viola Amherd zum ersten Mal eine Frau das VBS führt?

Ich finde das eine gute Lösung, und es passt in die gegenwärtige europäische Situation: In Deutschland, Frankreich und Italien sind ebenfalls Frauen Verteidigungsministerinnen.

Wie kam es dazu, Ehrengast am Frauenfelder Pferderennen zu sein?

Ständerat Roland Eberle hat meine Frau und mich eingeladen. Wir kommen sehr gerne und verbinden den Besuch mit einem Pfingstwochenende im Thurgau.

In Ihrem überfüllten Terminkalender dürfte eine Zusage schwierig gewesen sein. Was hat den Ausschlag für einen Besuch gegeben?

Wir waren noch nie am Pferderennen in Frauenfeld. Und weil ich grundsätzlich eine neugierige Person bin, habe ich mir diese Gelegenheit nicht nehmen lassen.

Welchen Bezug haben Sie zum Pferderennsport?

Mein Vater war im Militär ein Dragoner und beherbergte ein Armeepferd auf unserem Bauernhof. Das ist aber lange her.

Als grosser Sportfan verfolge ich oft Wettkämpfe von Reiter und Pferd am TV. Auch meine Frau liebt den Reitsport sehr.

Sie war selber aktive Reiterin, deshalb haben wir auch schon den einen oder anderen Anlass live mitverfolgt.

An der Seite seiner Frau Caroline singt Guy Parmelin das Thurgauerlied. (Bild: Reto Martin)

An der Seite seiner Frau Caroline singt Guy Parmelin das Thurgauerlied. (Bild: Reto Martin)

Reiten Sie selber Pferde?

Nein, nein, das tue ich den Pferden nicht an.

Worauf freuen Sie sich am meisten am Pfingstmontag?

Auf spannende Wettkämpfe und viele nette Begegnungen mit den Reitsportfreunden.

Wie werden Sie anreisen?

Als Bundesrat habe ich einen Chauffeur zur Verfügung, der mich anschliessend nach Bern fahren wird, damit ich für die kommende Woche im Bundesrat gut gerüstet bin.

Wie gelingt es Ihnen, an öffentlichen Anlässen den Mantel des Bundesrates auszuziehen und persönliche Beziehungen zu anderen Gästen zu pflegen?

Ich möchte den Menschen so begegnen, wie ich bin.

Ein guter Freund hat mir mal gesagt: Vergiss nie, woher du kommst. Aus einfachen Verhältnissen auf einem Bauernhof.

Mit diesem Wissen möchte ich den Leuten begegnen und ihnen zuhören.

Sie sind seit Ende 2015 Bundesrat. Wie lange möchten Sie noch im Amt bleiben?

Ich habe erst vor kurzem ein neues Departement übernommen. Da mache ich mir noch keine Gedanken über meinen Rücktritt. Zudem ist es als Bundesrat ein seltenes Privileg, dass man in der Regel seinen Rücktritt selber bestimmt.

Was steht im Juni nach dem Pfingstmontag auf Ihrer Agenda?

Im Vordergrund steht ganz klar die Sommersession und natürlich die tägliche Arbeit als Departementschef.

Wo verbringen Sie Ferien, wenn Sie einmal haben?

Wir sind oft in unserer Ferienwohnung in Villars VD. Sonst mache ich gerne mal hier und mal da Ferien. Und ich bin sehr gerne auch bei uns in Bursins und mache bei uns auf dem Bauernhof Ferien.

Zmorge, Ponyrennen und der Gemeindecup

Das Frühjahrsmeeting unter dem Patronat des Turf-Clubs hat am vorletztes Wochenende den Auftakt ins Jubiläumsjahr des Frauenfelder Rennvereins gemacht, der 1919 gegründet wurde. Den Abschluss macht das Swiss Derby am Sonntag, 23. Juni. Am Pfingstmontag, 10. Juni, findet der traditionsreichste der drei Renntage statt. Dieser Tag beginnt von 9 bis 11 Uhr mit einem Rennverein-Zmorge. Ab 10.20 Uhr starten fünf Ponyrennen. Danach messen sich die Gemeinden beim 13. Gemeindecup Regio Frauenfeld. Nach den insgesamt neun Galopp- und Trabrennen erfolgt der offizielle Festakt. (sko) Weitere Infos im Internet unter: www.rennverein.ch

Wie gestalten Sie Ihre rare Freizeit?

Freizeit ist tatsächlich ein seltenes Gut geworden. In den Ferien lese ich ab und zu mal ein spannendes Buch.

Sie sind leidenschaftlicher Winzer. Könnten Sie sich vorstellen, im Thurgau einmal einen Rebberg zu besitzen?

Warum nicht? (lacht) Ich kann mir noch so vieles vorstellen. Aber dann sicher erst als alt Bundesrat.

Welches ist Ihr favorisierter Weisswein?

Ich habe sehr gerne den Weisswein aus meiner Region. Die Chasselas-Traube gibt es fast nur bei uns. Der «Château de Vinzel» gehört zu meinem Lieblingstropfen.