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Bodensee-Stonehenge: Pfahlbauer hinterlassen ein Rätsel

Die Steinhügel im Bodensee weisen darauf hin, dass sich der Pegel vor 5500 Jahren vorübergehend extrem senkte. Wozu auch immer: Die Pfahlbauer schütteten die Hügel im Trockenen auf. Heute liegen sie vier Meter unter dem Wasserspiegel.
Silvan Meile
Kantonsarchäologie Urs Leuzinger zeigt den Standort des abgetragenen Hügels. (Bild: Reto Martin)

Kantonsarchäologie Urs Leuzinger zeigt den Standort des abgetragenen Hügels. (Bild: Reto Martin)

Jetzt lassen sich die geheimnisvollen Steinaufschüttungen im Bodensee datieren.

«Die Hügel sind zirka 5500 Jahre alt»

sagt Urs Leuzinger, Projektleiter im Thurgauer Amt für Archäologie. Hinweise für diese Altersbestimmung haben einerseits geologische Abklärungen von Sedimentsschichten unter den Hügeln geliefert. Anderseits hat vergangene Woche ein Bagger von einem Floss aus bei Uttwil einen dieser 170 Steinhügel zumindest teilweise abgetragen. Anschliessend tauchten Archäologen zur Steinaufschüttung. Darin fanden sie Holzpfähle, wie sie für Pfahlbauer der damaligen Zeit typisch sind. Leuzinger weiss

«Diese Bauhölzer sind mit Steinbeilen behauen.»

Auch wenn die Funktion dieser Hölzer in den Steinaufschüttungen unklar bleibt, es sei sicher, dass hier Menschen am Werk waren. Doch das Rätsel, vor dem der Kantonsarchäologe steht, ist noch immer riesig. Die Steinhügel auf dem Seegrund werfen mit jeder Antwort wieder neue Fragen auf.

Grösser als ein Tennisplatz

Wozu haben die Pfahlbauern auf einer Länge von mehr als zehn Kilometern von Romanshorn bis Bottighofen wie an einer Kette alle rund 100 Meter solche riesigen Steinhaufen angelegt? Das ist völlig untypisch für Pfahlbauer, die ihre Häuser vielleicht sogar mal auf einem Steinhaufen konstruierten, aber immer in engen, geschlossenen Siedlungen bauten.

Im abgebaggerten Hügel kommen Holzstücke der Pfahlbauern zum Vorschein. (Bild: Amt für Archäologie Thurgau, Thomas Keiser)

Im abgebaggerten Hügel kommen Holzstücke der Pfahlbauern zum Vorschein. (Bild: Amt für Archäologie Thurgau, Thomas Keiser)

Auch Archäologe Leuzinger hat keine Antwort darauf, was den Pfahlbauer damals die Hügel bedeutet haben sollen. Eine einzelne dieser Steinaufschüttungen hat einen Durchmesser von bis zu dreissig Meter, vermag die Grösse eines Tennisplatzes zu überdecken. Dass sie vier Meter unter Wasser und 200 Meter vom Ufer entfernt liegen, macht die Verwirrung komplett.

Hügel stammen aus einer Zwischenepoche

Leuzinger ordnet die 5500 Jahre alten Hügel in die relativ kurze Pfahlbauer-Zeit zwischen der Pfyner und der Horgener Kultur ein.

«Aus dieser Zeit sind bisher keine Pfahlbausiedlungen am Bodensee bekannt.»

Grund dafür könnte der damalige Seespiegel sein. Denn Leuzinger hegt keine Zweifel mehr, dass die rätselhaften Hügel im Trockenen aufgeschüttet wurden. Darauf deuten auch gefundene Kohlestücke, die im abgebaggerten Hügel lagerten und aus der damaligen Zeit stammen. Die Pfahlbauer entfachten offenbar auf dem heutigen Seegrund Feuer. Seltsamerweise gibt es aber bei Pfahlbaufunden vor und nach 3500 vor Christus keinen Hinweis, dass der Bodenseepegel gegenüber heute tiefer war.

Mit den bisherigen Daten rufen nun die Thurgauer Archäologen ein internationales Forscherteam zusammen, um die «sensationellen Resultate» interdisziplinär zu besprechen. Vielleicht lassen sich zumindest Hinweise auf eine extreme Trockenheit oder etwa ein massives Erdbeben finden, was vor 5500 Jahren den Wasserspiegel des Bodensees vorübergehend markant absenken liess, um ihn bald darauf wieder auf das vorherige Niveau ansteigen zu lassen.

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