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Perlende Läufe auf dem Flügel: Joe Haider am Frauenfelder Jazzfestival Generations

Er ist erstaunt über sein Alter und entzückt so das Publikum. Joe Haider ist am Jazzfestival Generations ein gern gehörter Gast. Am Donnerstag machte der Pianist im Eisenwerk solo und im Trio seine Aufwartung.
Reiner Kobe
Konzentriert: Joe Haider am Konzertflügel im Theater im Eisenwerk. (Bild: Andrea Stalder)

Konzentriert: Joe Haider am Konzertflügel im Theater im Eisenwerk. (Bild: Andrea Stalder)

Wenn er so konzentriert am Flügel sitzt, die Hände wendig über die Tasten gleiten lässt, mag man nicht glauben, dass ihm vor wenigen Jahren nach einem Schlaganfall die Koordination zwischen linker und rechter Hand abhandengekommen war. Joe Haider scheint wieder ganz der Alte, wie er am Donnerstag bei zwei Auftritten, solo sowie im Trio, am Generations eindrücklich unter Beweis stellte.

Beim Solo-Recital im Theater im Eisenwerk erzählt Haider beiläufig Geschichten und Anekdoten aus seinem Leben, denn «ein paar davon waren vom Veranstalter gewünscht», wie er dem amüsierten Publikum klar macht. Zum Beispiel nennt er, der selber über sein Alter von 82 Jahren erstaunt ist, den ältesten Konzertpianisten der Welt. Mit 90 Jahren gab Menachem Pressler sein Debüt mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 17 bei den Berliner Philharmonikern. So wie Pressler, gesteht Haider jetzt, möchte er auch spielen können, «leicht und mitgesungen».

Joe Haider im Theater im Eisenwerk. (Bild: Andrea Stalder)

Joe Haider im Theater im Eisenwerk. (Bild: Andrea Stalder)

Für Mutter, Tante und Grossvater

Zum Mitsingen kommt es dann doch nicht, glücklicherweise. Aber leicht ist Haiders Spiel allemal. Seine Eigenkompositionen widmet er Mutter, Tante und Grossvater, auch verstorbene Kollegen wie Woody Shaw oder Mal Waldron werden bedacht. Letzterer spielte Klavier, erinnert sich Haider, «wie meine Mutter strickte: zwei links, zwei rechts, und die mittlere liess er fallen». Insgesamt gelangen Haider nach wie vor perlende Läufe und auch beim verfremdeten Volkslied «Bald gras´ ich am Neckar», das seine Mutter gerne sang, gibt er sich ideenreich.

Für sein anschliessendes Trio in der Eisenbeiz hat sich Haider mit Bassist Lorenz Beyeler, 39 Jahre, und dem 38-jährigen Schlagzeuger Claudio Strüby zusammengetan, also zwei jungen Musikern der Schweizer Szene, die seine Enkel sein könnten. Dies kommt nicht von ungefähr, da der deutsche Pianist, der in Stuttgart aufwuchs, seit Jahren in Bern lebt, wo er von 1984 bis 1995 die Swiss Jazz School leitete, eine der wichtigsten Ausbildungsstätten für Jazz in der Schweiz. Konsequent nur, dass Haider mit dem Grossen Musikpreis des Kantons Bern geehrt worden ist. Das war im Jahr 1995.

Joe Haider. (Bild: Andrea Stalder)

Joe Haider. (Bild: Andrea Stalder)

Big-Band als Festivalhöhepunkt

Am Samstag, 6. Oktober, geht das Jazzfestival «Generations» mit einem fulminanten Schlussbouquet zu Ende. Der Abend startet um 19 Uhr im Casino mit The Generations Big Band plays Maria Schneider. Schneider gilt gemäss Reclams Jazzlexikon «als eine der originellsten Komponistinnen des zeitgenössischen Big-Band-Jazz». Um 21 Uhr geht es weiter mit Donny McCaslin und seinen Mannen im «Dreiegg». Gleichzeitig startet im «La Terrasse» die Antonio Lizana Group. Den Abschluss macht im «Dreiegg» ab 23 Uhr Aphrotek. (ma)

www.generations.ch

Ihn reizen die Jazz-Standards

Im Trio kommt der wahre Haider zur Geltung, dem es nach wie vor an Spielfreude nicht gebricht. Staunend nimmt er wahr, dass einige Zuhörer nach 22 Uhr nach Hause gehen. Nichtsdestotrotz sind es Jazz-Standards, die Haider reizen. Cole Porter hat es ihm wieder angetan mit «I’m getting sentimental over you» oder «All of you». «If I were a bell», mit dem einst Miles Davis cool glänzte, gerät ebenso berührend wie die Ballade «Everytime we say Goodbye» mit einem stimmungsvollen Wechsel von Dur zu Moll. Erwähnenswert noch das 1941 für Billie Holiday verfasste «Lover Man», das Charlie Parker fünf Jahre später während seines Entzugs zu einer der tragischsten Aufnahmen der Jazzgeschichte machte: Der legendäre Altsaxofonist erlitt dabei einen Nervenzusammenbruch.

Joe Haider. (Bild: Andrea Stalder)

Joe Haider. (Bild: Andrea Stalder)

Bei all den Standards, die mit ihren einprägsamen Broadway-Melodien das «Great American Songbook» prägen und zu einem gelungenen Abend beitragen, kommt Haiders Experimentiergeist wieder voll zum Zug. In seinem stark akkordischen Spiel verbinden sich verschiedene Traditionen und moderne Einflüsse. Polyrhythmische Sentenzen und dunkle Klangfarben kommen seinen beiden Begleitern – man spräche besser von eigenständigen Mitmusikern – entgegen. Sie vermögen eigene Akzente zu setzen mit solistischen Duftnoten, die einträgliche, stabile rhythmische Fundamente liefern.

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