Pepe Lienhard spielt erstmals am Bluesfestival Frauenfeld: «Ich kann das tun, was mir gefällt»

Pepe Lienhard hat sich bisher kein Bluesfestival Frauenfeld entgehen lassen. Jetzt, zum Zehn-Jahr-Jubiläum, hat Programmchef Ruedi Laubacher ihn mit seiner Big Band eingeladen. Mit einer Blues-Show treten sie am Samstagabend auf – just an seinem 73. Geburtstag.

Dieter Langhart
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Pepe Lienhard in seinem Musikzimmer daheim im Frauenfelder Kurzdorf. (Bild: Ralph Ribi)

Pepe Lienhard in seinem Musikzimmer daheim im Frauenfelder Kurzdorf. (Bild: Ralph Ribi)

Es hat zehn Jahre gedauert, bis Sie am Bluesfestival Frauenfeld auftreten.

Ich kenne das Festival gut, gehe stets hin, ebenso ans Jazzfestival Generations. Jetzt hat mich Ruedi Laubacher angefragt, ob ich bei der Jubiläumsausgabe mitmache.

Freuen Sie sich?

Aber sicher. Die Rüegerholz-Halle ist super, ich kenne die Szene, lese das Magazin Jazz ’n’ More.

Spielen Sie ein Solo?

Nein, ich will mich nicht ablenken. Ich komme ja mit meiner Big Band, in der hat es wunderbare Solisten.

Was wollen Sie als Jazzmusiker an einem Bluesfestival?

(lacht) Zeigen, in wie vielen Big-Band-Stücken der Blues vorkommt: in Glenn Millers «In The Mood», in Armstrongs «St. Louis Blues», den ich schon 1958 spielte, aber auch im Bebop.

Kommen nur Instrumentals?

Nicht doch. Zwei unserer Sänger sind dabei: Dorothea Lorene und Kent Stetler. Mehr als die Hälfte unserer Stücke sind mit Gesang.

Womit können wir an Ihrem Auftritt rechnen?

Mit etwas Besonderem! Bis auf etwa drei, vier Nummern aus unserem Tournee-Repertoire.

Stimmt, Sie sind ja mit «World Of Music» unterwegs.

Am 23. April geht es weiter in Deutschland, im September treten wir im KKL auf.

Ihre Abschiedstournee?

Niemals!

Ich brauche das Publikum.

Letztes Jahr kam ich mit den alten Freunden aus meiner ersten Band The College Stompers zusammen.

Nicht langsam müde?

Niemals! Es macht mir nichts aus, zu reisen und in Hotels zu übernachten. Mit Udo Jürgens damals gaben meine Band und ich 156 Konzerte in sechs Monaten – das wäre mir jetzt zu viel.

Wie hat sich der Big-Band-Jazz in den Jahren verändert?

Junge Musiker sind technisch perfekt, ich habe sie auch gefördert in der Army Band – aber ihnen fehlt oft das besondere Gefühl.

Die Seele des Jazz kommt nicht aus den Noten.

Ich bin ein Verfechter des Handwerks, aber das Echte, das Herz ist wichtiger.

Werden Sie noch auf Ihren Abräumer «Swiss Lady» angesprochen?

Das war 1977 mein erster Hit. Er war optisch gut, kam am Fernsehen, wurde rauf und runter gespielt. Die Zuhörer reduzierten mich auf diesen Hit. Bald nervte mich der Song, weil die Leute keine englischen Stücke mehr hören mochten. Und ich wollte nicht in eine musikalische Sackgasse geraten. Aber ich verdanke dem Song viel. Am 4. Oktober in Weinfelden spielen wir ihn. Und vielleicht mache ich einmal eine Swing-Version daraus.

Was bedeutet Ihnen Ihr Publikum?

Wir können nicht für jene spielen, die nicht ans Konzert kommen. Wir müssen authentisch sein für die Anwesenden, 150 Prozent präsent, dürfen uns nicht anbiedern. Die authentische Performance habe ich in Monte Carlo von den Grossen gelernt, von Sinatra oder Belafonte. Die in der zweiten Garde haben eher Allüren als die Besten.

Was ist mit schlechter Presse?

Beim ersten Engagement 1969 in St. Gallen bekamen wir eine gute Kritik – einen Monat später in Zürich war sie vernichtend. Das hat mir schon einen Stich gegeben.

Ein Tiefpunkt?

Im Juni 1970, während der WM in Hamburg, spielten wir in einem kleinen Lokal – es war immer leer.

Der Beizer war pleite, wir bangten um unsere Gage.

Und fragten uns dennoch: Sollen wir weiterspielen?

Was treibt Sie an?

Meine Motivation und mein grosses Glück ist: stets das tun zu können, was mir gefällt – auch eine Volksmusik-Gala im KKL oder Projekte mit Blasmusiken, Amateuren, einem Jugendorchester. Und wir haben auch an Walzer und Tango Spass.

Manche Journalisten berichten über Ihre Tierliebe ...

Mein Vater hielt Hühner und Enten, und als ich im Tessin lebte, hatte ich einen ganzen Zoo, aber noch keine eigene Familie. Jetzt haben meine Frau Christina und ich Hühner und Kaninchen. Das Bauernhaus im Kurzdorf haben wir vor sieben Jahren gekauft und hergerichtet.

Hinweis
Fr/Sa, 22./23.3., Festhalle Rüeger­holz. www.bluesfestival-frauenfeld.ch

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Stefan Hilzinger