Pauschalbesteuerung: Weniger reiche Ausländer zahlen mehr Steuern im Thurgau

Die höheren Hürden für die Pauschalbesteuerung wirken nach: Die Zahl der nach Aufwand besteuerten Ausländer im Thurgau nimmt weiter ab. Der Steuerertrag bleibt davon allerdings verschont.

Sebastian Keller
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Die nach Aufwand besteuerten Ausländer sind immer seltenere Gäste auf der Thurgauer Steuerverwaltung. (Bild: Andrea Stalder)

Die nach Aufwand besteuerten Ausländer sind immer seltenere Gäste auf der Thurgauer Steuerverwaltung. (Bild: Andrea Stalder)

Im Thurgau kamen im vergangenen Jahr 48 Personen in den Genuss der Pauschalbesteuerung. Dieses Privileg richtet sich an vermögende Ausländer, die in der Schweiz residieren, aber nicht arbeiten. Weniger als 50 Personen waren es noch nie in den vergangenen zehn Jahren. Der bisherige Tiefpunkt im Jahr 2016 lag bei 50 Personen. Der Rückgang überrascht allerdings nicht.

«Die Zahl der aufwandbesteuerten Personen pendelt sich bei rund 50 ein», heisst es dazu im aktuellen Geschäftsbericht des Kantons. Grund: Der Mindeststeuerbetrag von 150000 Franken. Dieser «beschränke die Nachfrage», heisst es weiter im Geschäftsbericht.

Wie die Statistik zeigt, ging die Anzahl pauschal besteuerter Personen zwar zurück. 2010, in der Hochphase, besteuerte der Thurgau 127 Personen pauschal. Doch der Steuerertrag ist seither nicht eingebrochen (siehe Grafik).

Bezahlten reiche Ausländer 2010 rund 10,6 Millionen Franken Steuern an Bund, Kanton und Gemeinden. 2018 waren es im Thurgau 9,9 Millionen Franken - bei noch 48 Personen in dieser Kategorie. Damit zeigt sich: Die nach Aufwand besteuerten Ausländer zahlen pro Kopf deutlich mehr als vor zehn Jahren.

Damit ist der Thurgau in guter Gesellschaft. Wie eine Umfrage der Konferenz der kantonalen Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren zeigt, nimmt die Anzahl Fälle ab, gleichzeitig steigen die Erträge aus dieser Form der Besteuerung. Zwischen Bodensee und Genfersee wurden 2018 4557 Personen nach Aufwand besteuert. 2012, im Jahr des schweizweiten Höchststandes, waren es 5445 Personen.

Fünf Kantone haben Pauschalbesteuerung abgeschafft

Die Pauschalbesteuerung ist nicht mehr überall zulässig. Die Kantone Zürich, Basel-Stadt, Basel-Land, Schaffhausen und Appenzell Ausserrhoden hatten dieses Instrument – auf politischen Druck – in den vergangenen Jahren abgeschafft. Eine eidgenössische Initiative fand 2014 keine Mehrheit.

Auch im Thurgau gab es ein Volksbegehren, welches der Sonderbehandlung einen Riegel schieben wollte. Doch die kantonale Initiative «Abschaffung der Pauschalbesteuerung – Schweizer und Ausländer gleich behandeln» fiel 2011 an der Urne durch. Das Rennen machte der Gegenvorschlag des Parlamentes. Dieser sah die Einführung des kantonalen Mindeststeuerbetrages von 150000 Franken vor.

Nach der Übergangsfrist galt er ab 2014 für alle. Mit der neuen Hürde begründeten die Verantwortlichen vor zwei Jahren den Rückgang: Die Minimalsteuer habe viele veranlasst, zur ordentlichen Besteuerung zu wechseln. Weitere rund 20 Personen hätten zudem den Kanton verlassen oder seien verstorben.

STEUERPRIVILEG: Der Lockvogel hat Federn gelassen

Mit der Pauschalbesteuerung kommen reiche Ausländer in den Genuss einer Sonderbehandlung. Im Thurgau sind das immer weniger. Zu den besten Zeiten waren es rund 130, letztes Jahr nur noch 50.
Christian Kamm

Sommeri und Salmsach gegen Pauschalsteuer

Die drei eidgenössischen Vorlagen sind im Thurgau weniger deutlich abgelehnt worden als in der gesamten Schweiz. Zwei kleine Oberthurgauer Gemeinden haben die Initiative zur Abschaffung der Pauschalsteuer sogar angenommen – ebenso die im Thurgau registrierten Auslandschweizer.
Thomas Wunderlin