Pathologie im Kantonsspital: «Wir sind nicht CSI Münsterlingen»

Das Pathologische Institut Münsterlingen feierte den Einzug in seinen Neubau mit einem Tag der offen Tür. Diesen nutze es auch, um mit Vorurteilen aufzuräumen und die tägliche Arbeit zu demonstrieren.

Kurt Peter
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Der leitende Arzt Thomas Breitbach erläutert anhand des Herzen eines Verstorbenen die Todesursache. (Bild: Kurt Peter)

Der leitende Arzt Thomas Breitbach erläutert anhand des Herzen eines Verstorbenen die Todesursache. (Bild: Kurt Peter)

Seit 50 Jahren besteht das Pathologische Institut Münsterlingen beim Kantonsspital, im Juni konnte es mit der Arbeit im Neubau beginnen. Das war der Grund, die Bevölkerung am Samstag zu einem Tag der offenen Tür einzuladen.

«Wir benützen die Gelegenheit auch, um mit den Vorurteilen aufzuräumen», erklärte Achim Fleischmann, Chefarzt des Instituts in seinem Begrüssungsreferat. Zu oft herrsche die Meinung vor, dass Pathologen auch bei Verbrechen zu Rate gezogen würden. «Das stimmt nicht, die Zahl der Autopsien sind von früher jährlich mehr als 500 auf 50 bis 70 zurückgegangen», machte er klar. Und: «Wir sind nicht CSI Münsterlingen.»

Immer mehr Krebsdiagnostik

Bei den Autopsien wird nach der Todesursache geforscht. 95 Prozent der Arbeit im Institut mache aber die Diagnostik an Lebenden aus. «Das hat auch damit zu tun, dass die Menschen immer älter werden und es deutlich mehr Vorsorgeuntersuchungen gibt», erklärte Achim Fleischmann. Dazu komme die moderne Krebsdiagnostik, denn Krebserkrankungen nähmen generell zu.

Fleischmann erklärte die Aufgabe seines Berufs so: «Die Pathologie ist ein wichtiger Vermittler wichtiger Informationen für die Therapie.»

Erkenntnisse können Angehörigen helfen

Für Thomas Breitbach, leitender Arzt des Institutes, kann die Ermittlung der Todesursache eine Hilfe für die Angehörigen sein. Im Autopsiesaal erklärte er anhand einiger Organe die Krankheitsbilder und schliesslich die Todesursache.

«Bei diesem Patienten war jede weitere Operation überflüssig, nach einer Bypassoperation kam später der Infarkt dazu», erklärte er augenscheinlich den Besuchern. Dass niemand mehr etwas habe tun können, sei für Angehörige oft eine wertvolle Erkenntnis.

Pathologie ist ein Nischenfach

Eine Autopsie werde bei unklaren Todesursachen durchgeführt oder wenn die Klinik dies wünsche. Auch der Patient könne sein Einverständnis geben und natürlich die Angehörigen. Die «Lehre der Krankheit» könne aber auch Erkenntnisse darüber bringen, in welchem Masse eine Therapie helfe: Nicht alle Patienten reagierten gleich auf entsprechende Medikament. «Wichtig ist das Institut dann, wenn die Ärzte während der Operation eine Diagnose wünschen.»

Achim Fleischmann bezeichnete die Pathologie als Nischenfach. Am Pathologischen Institut und am Institut für morphologische Diagnostik gibt es über 40 Arbeitsplätze, neben acht Fachärzten sind auch drei Assistenzärzte beschäftigt. Der Institutsleiter sagt:

«Die Ausbildung ist uns wichtig, da wir in unserem Fachbereich Nachwuchsprobleme haben.»

Münsterlingen sei in der glücklichen Lage, die Arbeitsplätze besetzen zu können. Das habe mit dem modernen Gebäude und den entsprechenden Geräten zu tun. «Wir stehen sicher nicht hinter Zürich oder St.Gallen zurück», sagte Fleischmann.

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