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Patenschaftsprojekt im Thurgau: Wie der kleine Mereb zur Oma kam

Im Thurgau werden aktuell rund zwanzig Kinder in schwierigen Situationen im Caritas-Projekt «mit mir» von Paten betreut. Es ist noch Luft nach oben vorhanden. Für die Betroffenen ist die Teilnahme ein Gewinn.
Martina Eggenberger Lenz
Miriti Kuflu, Alfred und Annalis Müller und der kleine Mereb spielen Uno. (Bild: Martina Eggenberger)

Miriti Kuflu, Alfred und Annalis Müller und der kleine Mereb spielen Uno. (Bild: Martina Eggenberger)

«Du bisch dra, Oma.» Der Bub mit den lebhaften dunklen Augen schaut Annalis Müller ungeduldig an. Die zwei sitzen im Wintergarten am Tisch und spielen Memory. Verwandt sind sie nicht. Aber nah stehen sie sich schon. Der sechsjährige Mereb ist Müllers Caritas-Patenkind.

Er kommt alle zwei Wochen für einen Nachmittag zu Besuch. In diesen Stunden nehmen sich Annalis Müller und ihr Mann Alfred Zeit für den kleinen Wildfang, der in einer Nachbargemeinde wohnt. Die Senioren machen mit Mereb Spiele, backen Guetzli oder unternehmen Ausflüge.

«Weisst du noch, da waren wir in Jakobsbad?», sagt der pensionierte Buschauffeur, während er Fotos auf seinem Handy zeigt. Der Bub erinnert sich: «Das war cool, Opa. Da sind wir mit dem Rodel gefahren.»

Das Strahlen ist die Entschädigung

Seit bald zwei Jahren kümmert sich das Paar aus Sitterdorf um Mereb. Der Knabe eritreischer Herkunft ist aber nicht ihr erstes Patenkind. Vor zehn Jahren sind Müllers zum ersten Mal eine Patenschaft eingegangen. Fünf Kinder konnten schon von ihrem Engagement profitiert. Annalis Müller sagt:

«Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie es ist, nichts zu haben.»

Das sei ihre Motivation, sich für die Patenschaft einzusetzen. Und wenn sie dann das Strahlen in Merebs Augen sehe, dann mache sie das glücklich.

In der Tat ist der Erstklässler während seines Besuchs bei «Oma und Opa» äusserst aufgestellt. Er geniesst die ungeteilte Aufmerksamkeit, die ihm geschenkt wird. Mal fischt er ein Tattoo aus dem Chips-Päckli, dann tollt er eine Runde mit Hündchen Jerry herum.

Paten sind auch für die Eltern wertvoll

Ausnahmsweise ist auch Mutter Miriti Kuflu dabei. Sie erzählt, sie habe über eine andere eritreische Bekannte vom Projekt erfahren. Ihr Sohn habe mit Müllers richtige Ersatzgrosseltern gewonnen. Die eigentlichen Verwandten würden alle in ihrem Heimatland leben. «Für mich ist es sehr wertvoll, den Kontakt zu einer Schweizer Familie zu haben. Müllers helfen mir, wenn es Probleme in der Schule gibt oder sie bringen mir Gemüse aus dem eigenen Garten vorbei», erzählt die vierfache Mutter.

Im Jahr 2018 sind von Caritas Thurgau rund zwanzig Kinder im «mit mir»-Projekt betreut worden, wie die Projektverantwortliche Simone Rutishauser erzählt. Die Kinder und ihre Familien leben in schwierigen Situationen, müssen zum Beispiel mit einem schmalen Budget auskommen.

Paten werden geprüft

Wer eine Patenschaft für ein Kind übernehmen möchte, der kann sich bei Caritas Thurgau melden. Die Vermittler besuchen die Interessenten für ein Erstgespräch in deren Zuhause. Es werden ein Strafregisterauszug und Referenzen verlangt. Regelmässige Standortgespräche und Weiterbildungsabende sind ebenfalls Pflicht.

Kontakt: Caritas Thurgau, Simone Rutishauser, 071 626 11 81

Paten haben keine Erziehungsverantwortung

«Interessanterweise haben wir meist mehr Anfragen von möglichen Patenfamilien», sagt Rutishauser. Sie hofft daher, dass sie 2019 noch etwas mehr Patenschaften vermitteln kann. Seitens der Paten brauche es vor allem Geduld und Ausdauer. Schliesslich dauert eine erfolgreiche Verbindung drei Jahre.

«Wichtig ist, dass wir Paten keine Erziehungsverantwortung haben. Diese liegt bei den Familien. Wir können nur eine punktuelle Entlastung anbieten»

sagt Annalis Müller. Sie habe auch schon schwierige Momente mit einem Patenkind erlebt. Ja, das berühre einen, aber man dürfe die Schicksale nicht zu nahe an sich ranlassen. Der fröhliche Mereb scheint allen Beteiligten im Moment aber keine grösseren Sorgen zu bereiten. Er klettert seiner «Oma» auf den Schoss und macht eine Grimasse. Sie lacht. «Er ist ein richtiger Knuddler.» Dann verteilt sie die Uno-Spielkarten.

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