Passionierter Schlichter: Martin Sträuli will Hinterthurgauer Friedensrichter werden

Martin Sträuli ist der einzige offizielle Kandidat für das Friedensrichteramt im Bezirk Münchwilen. Wird er am 9. Februar gewählt, tritt er eine neue und doch bestens vertraute Herausforderung an.

Roman Scherrer
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Betreibungsamtsleiter Martin Sträuli ist mit den Aufgaben des Friedensrichters vertraut.

Betreibungsamtsleiter Martin Sträuli ist mit den Aufgaben des Friedensrichters vertraut.

(Bild: Andrea Stalder)

Zwei zerstrittene Parteien setzen sich an einen Tisch. Sie können sich mit Hilfe des Friedensrichters einigen. Beim Verlassen des Raumes fragt die eine Person die andere: «Gehen wir etwas trinken?» Solche Szenen durfte Martin Sträuli schon erleben. Sie zeigten ihm, dass er seine Arbeit mit Erfolg erledigt hatte.

«Das ist etwas vom Schönsten.»

Während er das sagt, blüht Sträuli – die Besonnenheit in Person – auf, und es wird klar, dass er im Problemlösen und Schlichten seine Passion gefunden hat. So verwundert es kaum, dass der Tägerscher für das Amt des Friedensrichters im Bezirk Münchwilen kandidiert. Er steht für den 9. Februar als einziger offizieller Kandidat auf der Wahlliste.

2012 wurde der heute 48-Jährige zum Friedensrichter und Leiter des Betreibungsamts im damaligen Kreis Sirnach gewählt. Vier Jahre später führte der Kanton seine Reorganisation durch – und Martin Sträuli musste sich entscheiden. Fortan leitete er das Betreibungsamt für den ganzen Bezirk Münchwilen, das Friedensrichteramt musste er aufgeben. «Das ist mir sehr schwergefallen», sagt er.

Trotzdem, die Funktion als Betreibungsamtsleiter erfüllt Sträuli. «Ich konnte den Umgang mit Leuten in schwierigen Situationen bestens lernen.» Zudem kann er hier seine Stärken nutzen. Selbstbewusst sagt er:

«Es fällt mir leicht, auf Personen einzugehen.»

Diese Eigenschaften sowie seine ruhige und überlegte Art würden ihm bei der altbekannten und wohl wieder neuen Herausforderung helfen. Genauso wie sein «ungewöhnlicher, aber guter Werdegang», wie er selbst sagt. Vor seiner mittlerweile 15-jährigen Tätigkeit im Betreibungswesen konnte sich der gelernte Schreiner im Jus-Studium Kenntnisse des Rechts aneignen. Sträuli, der auch den «CAS Friedensrichter» absolvierte, relativiert aber:

«Für den Friedensrichter geht es mehr um den Menschen und die Sache als um Juristisches.»

So gelinge es der ersten Instanz unseres Rechtsweges, den Grossteil der Fälle, die sich meist um Geldforderungen sowie Erb- und Arbeitsrecht drehen, zu lösen und vor dem Gang ans Bezirksgericht zu bewahren. Seine Mitgliedschaft bei der SVP habe auf die Arbeit des Friedensrichters keinen Einfluss, erklärt Sträuli und betont: «Allparteilichkeit ist mir sehr wichtig.»

Obwohl seine Wahlchancen sehr gut stehen und es ihm kaum gelingt, seine Vorfreude zu verbergen, gibt sich Martin Sträuli im Hinblick auf den 9. Februar «nur» vorsichtig optimistisch. Gedanken über seine wohl künftige Tätigkeit als Schlichter hat er sich dennoch gemacht. «Meinen Arbeitsplatz müsste ich nur 30 Meter zügeln», sagt er lächelnd.

Will auch in den Gemeinderat

In seiner Freizeit fährt Martin Sträuli gerne Motorrad und betreibt Krav Maga. Zudem verbringt er gerne Zeit mit seiner Familie und seiner Freundin, mit welcher der gebürtige Frauenfelder seit vergangenem Herbst in Tägerschen wohnt. In seiner neuen Heimat kandidiert er zudem für den vakanten Sitz im Gemeinderat und tritt damit – ebenfalls am 9. Februar – gegen Patrick Schmid an.

«Die Arbeit im Gemeinderat hat mich immer gereizt, weil man da viel bewegen kann», erklärt Sträuli. Weil er damit vertraut ist, würde er in der Behörde gerne die Finanzen verantworten. «Mit der Kandidatur ist es schnell gegangen. Aber es hat für mich keinen Grund gegeben, damit zu warten.»