Glosse

Parkplätze und Grüselheftli: In Frauenfeld gibt es weltweit eine der letzten Jäger- und Sammlerkulturen

Murgspritzer: Was der Thurgau mit Tansania zu tun hat, erklärt TZ-Redaktor Mathias Frei. Und er erzählt von seinen Helfereinsätzen bei Altpapiersammlungen.

Mathias Frei
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Viele freilaufende Parkplätze in der grossen Höhle (Parkhaus Altstadt).

Viele freilaufende Parkplätze in der grossen Höhle (Parkhaus Altstadt).

(Bild: Andrea Stalder)

Für einmal gibt es am frühen Morgen keinen Kaffee Togo. Dafür liegt der Thurgau in Tansania. Denn die Hadza sind den Frauenfelderinnen und Frauenfelder gar nicht mal so unähnlich. Die Volksgruppe der Hadza lebt am Eyasi-See im Ostafrikanischen Graben und ist weltweit eine der letzten Jäger- und Sammlerkulturen. Nebst der Volksgruppe der Frauenfelder natürlich. In Frauenfeld gibt es die Jagd auf Parkplätze. Wobei es gar nicht nötig wäre, sie zu jagen. Denn es hat ja genug. Man muss nur wissen, wo. Das mit den genug Parkplätzen für alle, das sagt der Stadtrat. Und der muss es ja wissen. Von wegen: schon genug Böcke geschossen. Haha. Aber für einmal liegt der Stadtrat nicht falsch.

Dieser Bub ist vielleicht auf der Jagd nach Grüselheftli.

Dieser Bub ist vielleicht auf der Jagd nach Grüselheftli.

(Bild: Andreas Anderegg, 2003)
Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Nur einen Speerwurf entfernt vom Ort, wo die Parkplätze tagsüber äsen, hat es in einer grossen Höhle genug Parkplätze für alle. Da muss keiner verhungern, wenn er morgens nicht zu seinem Godi-Gipfeli kommt, weil in der Altstadt mal wieder alle schon geschossen wurden. Neuerdings sind die Parkplätze ja sogar eingezäunt. Kein Zoo, sondern Easyjagd. Damit sogar ein Blinder mit dem Speer einen Parkplatz trifft. Und wem das Wildbeutertum irgendwann zu martialisch geworden ist, wird Feldbeuter, also Sammler. Am Samstag bietet sich dazu Gelegenheit. Denn Frauenfelds grösste Altpapiersammlung ever steht an. Früher konnte man als Helfer Grüselheftli aus dem Altpapier sammeln. Meist waren sie in Bündeli versteckt mit der NZZ als Deckblatt. Ob das noch heute so ist, weiss ich aber nicht.

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