Anders Stokholm bezeichnet Twerenbold-Projekt als Paradebeispiel für Frauenfelder Stadtentwicklung

Die Frauenfelder Stimmbürger befinden am 10. Februar nebst den Stadtratswahlen auch über den Grundstückverkauf an Twerenbold. Trotz grossem Widerstand unterstreicht der Stadtrat seine Hauptargumente und nimmt den Gegnern Wind aus den Segeln.

Samuel Koch
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Die Visualisierung zeigt die Dimensionen des geplanten Reiseterminals samt Wohnüberbauung entlang der Schaffhauserstrasse (Pappelallee) mit Sicht aus Westen. (Bild: PD/Architektur Strut)

Die Visualisierung zeigt die Dimensionen des geplanten Reiseterminals samt Wohnüberbauung entlang der Schaffhauserstrasse (Pappelallee) mit Sicht aus Westen. (Bild: PD/Architektur Strut)

  • 10. Juli 2018: Der Stadtrat beantragt dem Gemeinderat mittels Botschaft ein Ja für den Grundstückverkauf in Höhe von 5,7 Millionen Franken an Twerenbold.
  • September 2018: Anwohner im Sonnmatt-Quartier und «Chrampfe & Hirne» wehren sich dagegen.
  • 19. September 2018: Der Gemeinderat stimmt dem Verkauf mit 25 Ja gegenüber 9 Nein und zwei Enthaltungen zu. Das Behördenreferendum scheitert.
  • 2. November 2018: Die Gegner sammeln über 1000 Unterschriften und bringen somit eine Volksabstimmung zustande.
  • 16. November 2018: Der Stadtrat setzt die Abstimmung auf den 10. Februar 2019 fest.

Die Fronten sind verhärtet, die Meinungen gemacht. Trotzdem lässt der Stadtrat nichts unversucht hinsichtlich der bevorstehenden Volksabstimmung vom 10. Februar zum Grundstückverkauf der Parzelle an der Ecke Sonnenhof-/Schaffhauserstrasse an Twerenbold. Mit der Abstimmungsbotschaft, welche die Stadtkanzlei dieser Tage in alle Haushalte verschickt, akzentuiert der Stadtrat seine Bestrebungen für einen Verkauf.

Der Reiseveranstalter Twerenbold plant auf dem rund 9500 Quadratmeter grossen Grundstück im Westen der Stadt ein Betriebsgebäude mit Büros, eine Careinstellhalle mit Reiseterminal sowie eine Wohnüberbauung.

«Wir scheuen den Dialog nicht», sagt Stadtpräsident Anders Stokholm an der Medienorientierung vom Montagvormittag. Deshalb sind in der 19 Seiten umfassenden Abstimmungsbotschaft sowohl die Argumente der Gegner – Anwohner im Sonnmatt-Quartier und «Chrampfe & Hirne» ermöglichten mit ihren über 1000 Unterschriften die Abstimmung überhaupt erst – als auch jene der Befürworter. Stadtpräsident Anders Stokholm, angesprochen auf teilweise Behauptungen, unter anderem in sozialen Netzwerken: 

«Wir wollen Fakten aufzeigen und diese in den Vordergrund stellen.»
Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Aus Sicht des Stadtrates zählt die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohnraum als Hauptargumente für einen Verkauf. Einerseits entstünden in Frauenfeld bis zu 100 neue Stellen. Andererseits plane Twerenbold in der Überbauung südlich des Reiseterminals rund 32 Wohnungen. Stokholm betont:

«Ein besseres Projekt für die gleichmässige Stadtentwicklung von Arbeitsplätzen und Wohnraum gibt es nicht.» 

Das Projekt auf der städtischen Parzelle, die sich gemäss Zonenplan als Mischzone über Wohn- und Gewerbezone sowie Gewerbe- und Kleinindustrie erstreckt, sei absolut zonenkonform. Und die Tatsache, dass das Grundstück seit über 30 Jahren im Finanzvermögen verbucht ist, zeige, dass die Stadt dieses nie für den Eigenbedarf, sondern für die Ansiedlung von Unternehmungen vorgesehen habe.

Busse verkehren über die Schaffhauserstrasse

Nicht ignorieren will der Stadtrat die Befürchtungen der Anwohner, er gibt jedoch Gegensteuer. «Die zusätzliche Lärmbelastung liegt im kleinen bis mittleren Bereich, nicht im übermässigen», betont Stokholm. So sei die Zufahrt für Busse über die Schaffhauserstrasse in der Baubewilligung klar festgesetzt.

In den Hauptreisemonaten – zwischen März und Oktober – sei pro Woche mit maximal rund 280 zusätzlichen Fahrbewegungen zu rechnen. Addiert mit jenen der Mitarbeitenden und der Wohnungen steige der durchschnittliche Verkehr pro Tag von heute 7700 auf 8100 Fahrzeuge. Zudem schirme der Wohnbau das Sonnmatt-Quartier «als Riegel» vom Reiseterminal ab.

«Dass der Schulweg betroffen ist, ist ebenso ein falsches Argument.»

Dass bei einem Nein die Rechnung fürs laufende Jahr mit hohem Defizit abschliesst – der Gewinn von 2,9 Millionen Franken ist bereits budgetiert – will der Stadtrat hingegen nicht als Pro-Argument gelten lassen.

Widerstand gegen Twerenbold Reisen: Gegner des Frauenfelder Busbahnhofs sammeln Unterschriften

Obwohl der Frauenfelder Gemeinderat dem Grundstückverkauf an den Reiseveranstalter Twerenbold in Höhe von 5,7 Millionen Franken zugestimmt hat, gelangt das Geschäft womöglich doch noch vors Stimmvolk. Anwohner im Sonnmatt-Quartier sowie die Gruppierung Chrampfe & Hirne sammeln Unterschriften fürs fakultative Referendum und gegen den geplanten Busterminal im Westen der Stadt Frauenfeld.
Samuel Koch

Frauenfelder Busterminal gerät ins Schlingern

Die Stadt Frauenfeld will ihr Grundstück im Westen der Stadt für 5,7 Millionen Franken an den Reiseveranstalter Twerenbold veräussern. Die Gruppierung «Chrampfe & Hirne» und Anwohner opponieren nun dagegen. An der Gemeinderatssitzung am 19. September fällt der Vorhang.
Samuel Koch