Ein Aadorfer und seine Partnerin waren 
14 Tage lang gefangen im Paradies

Das Paar musste die Ferien in der Dominikanischen Republik unfreiwillig verlängern. Erst nach zwei Wochen klappte es mit der Rückreise in die Schweiz.

Kurt Lichtensteiger
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Passagiere stehen an für einen Rückholflug, um sie von der Dominikanischen Republik zurück nach Hause zu bringen.

Passagiere stehen an für einen Rückholflug, um sie von der Dominikanischen Republik zurück nach Hause zu bringen.

Orlando Barria / EPA

Um der Kälte und dem Nebel zu entgehen, brach Kurt Heider am 18. Februar voller Vorfreude zu einem vierwöchigen Ferienaufenthalt in die Dominikanische Republik auf. Als das Flugzeug der Condor am Flughafen Zürich startete, zeichneten sich in China die ersten Anzeichen einer Pandemie ab, doch welche Ausmasse diese schliesslich annehmen würde, hatte kaum jemand erahnt.

Mit Ausflügen, Wanderungen, Ausfahrten und einer Fahrt mit der einzigen Seilbahn des Landes in luftige Höhe in der Gegend um Puerto Plata verbrachte der 73-Jährige ungetrübte Tage mit seiner Partnerin. Langsam rückten die Tage der Heimreise näher, was ihm gerade recht schien.

Restaurants zu, Bankautomaten leer

Doch alsbald änderte sich die Lage auf einen Schlag: Geschäfte und Restaurants wurden geschlossen. Einige Tage später wurde gar von abends 17 Uhr bis morgens 5 Uhr eine Ausgangssperre verhängt. Kam dazu, dass die meisten Bankautomaten leer waren, so dass mehrere Versuche gemacht werden mussten, um das Maximum von 10000 Pesos, rund 200 Franken, zu beziehen. Auf den Morgen des 19. März war der Rückflug gebucht. Doch dieser wurde gestrichen. Als Ersatz wurde dem Paar ein Repatriierungsflug der deutschen Fluggesellschaft Condor angekündigt.

Es hatte nur Platz für Deutsche

Die Hoffnung auf eine schnelle Abreise stieg. Doch die Erwartung löste sich jäh in Luft auf, denn die Tickets von Kurt Heider und seiner Partnerin wurden nicht akzeptiert, weil ausschliesslich Deutsche heimgeflogen werden sollten. Für alle anderen war kein Platz mehr übrig.

Kurt Heider.

Kurt Heider.

Bild: Kurt Lichtensteiger

Am Flughafen habe sich eine grosse Schlange von Menschen gebildet, die sehnlichst auf eine Heimreise hofften. Herzzerreissende Szenen hätten sich im Flughafengebäude abgespielt, erzählt Heider.

«Mütter mit ihren Kindern weinten, weil ihnen das Geld für einen längeren Aufenthalt ausgegangen war.»

In dieser ungemütlichen Lage beschlossen Heiders, wieder zurückzufahren, um mit der Schweizerischen Botschaft und dem Aadorfer Reisebüro Lily Travel Kontakt aufzunehmen. Man hatte für das Anliegen der Aadorfer ein offenes Ohr und so sei das Nötige für eine Heimreise veranlasst worden. Heider und seine Partnerin sollten über einen möglichen Rückflug so bald wie möglich Bescheid erhalten, hiess es. Der Albtraum schien damit ein Ende zu nehmen. Aber noch waren sie nicht zu Hause. Zuerst erwartete das Paar eine sechsstündige Autofahrt nach Punta Cana. Dort landete am 3. April ein Flugzeug der Edelweiss Air, von Ecuador kommend, um zum Direktflug nach Zürich abzuheben.

Kein Ticket mehr nötig, nur eine Unterschrift

Das Check-in sei unbürokratisch gewesen: Kein Ticket war nötig; lediglich die Angaben der Personalien und eine Unterschrift auf einem A4-Blatt genügten, um durchgelassen zu werden. Rund 50 Flugreisende waren an Bord – überwiegend Schweizer Bürgerinnen und Bürger. Alle waren in Zürich überglücklich, wieder heimischen Boden betreten zu dürfen.

«Für die Rückholaktion erwarte ich in nächster Zeit eine Rechnung», sagt Kurt Heider. Wie weit das Reisebüro den Gestrandeten entgegenkommen wird, bleibt allerdings offen. Doch das ist für Heider und seine Partnerin das kleinste Problem. Heider sagt:

«Hauptsache zu Hause, auch wenn 14 Tage später als vorgesehen.»