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In Steckborn auf Spurensuche nach dem Wahlkampf ums Stadtpräsidium

Ovomaltine und der Name des Ex-Pöstlers: So lässt sich die Suche nach einem Wahlkampf zu den vier Stadtpräsidiumskandidaten zusammenfassen. Eine Reportage.
Samuel Koch
Ein bunter Strauss: Wahlkampfplakate am Strassenrand beim Ortseingang. (Bild: Andrea Stalder)

Ein bunter Strauss: Wahlkampfplakate am Strassenrand beim Ortseingang. (Bild: Andrea Stalder)

Ist es der falsche Tag wegen des winterlichen Wetters und der bitterkalten Bise, die von Osten her über den Untersee fegt? Sind die Steckborner Stimmbürger auf der Strasse? Wenn nein, wo sind sie anzutreffen? Haben sie schon eine Wahl getroffen im Kampf um den nächsten Stadtpräsidenten ab Juni 2019? Empfinden sie den Wahlkampf überhaupt als solchen? – Alles offene Fragen, als sich das 3700-Einwohner-Städtchen in seinem winterlichen Kleid vom Eichhölzli herabblickend das erste Mal zeigt.

Kurz vor der Ortstafel am Ortseingang, wo sonst im Spätsommer alle zwei Jahre altehrwürdige bis topmoderne Boliden beim Bergrennen vorbeifahren, lächeln drei der vier Mitstreiter entgegen. «Wo ist der vierte?», tut sich unweigerlich eine weitere Frage auf. Selbst die Fahrt ins Zentrum und der Gang durchs Altstädtchen beantwortet die Frage nicht. Immerhin gibt es dort Antworten auf die eingangs gestellten Fragezeichen, wobei die Wiederansiedlung des Bibers im Feldbach oder das geflutete Eisfeld im Strandbad die bilateralen Gespräche bei Kafi und Gipfeli dominieren.

Beim Blättern durch die Lokalzeitung «Bote vom Untersee und Rhein» folgt mit einem Inserat von FDP-Kandidat Roman Pulfer ein erster Lichtblick. Hurra, Wahlkampf! Eine Seite weiter die Ernüchterung: Moritz Eggenberger (parteilos) beantwortet seine eigens aufgestellte rhetorische Frage nach einem lahmen Wahlkampf unter anderem mit seiner frisch aktualisierten Website.

Einhellig dieselbe Meinung vertreten alle Kandidaten – auch Andreas Gäumann (SP) und Markus Kuhn (parteilos) – darüber, dass im Wahlkampf der persönliche Kontakt zuoberst auf der Fahne stehen muss. «Ich wähle vielleicht auch Otto Schäfli», meint Pascal Meier von der gleichnamigen Café-Konditorei an der Seestrasse. Mit den vier Kandidaten tut er sich schwer. «Deshalb schreiben die unschlüssigen Steckborner jeweils aus Jux den Namen des früheren Pöstlers auf den Wahlzettel», sagt Meier und grinst. Wegen seiner Kundschaft wolle er neutral bleiben und sich nicht mit einer Wahlempfehlung aufs Glatteis begeben.

Die Hafenpromenade ist menschenleer. Niemand kann’s den Steckbornern verübeln. Im Sommer brummt der Motor am Untersee mit den vielen Touristen, Böötlern und nach Abkühlung lechzenden Wasserratten. Im Winter wirkt das Städtchen zumindest bis zu den ersten Frühlingstagen kahl und trostlos. Selbst die herumtollenden Schüler auf dem Pausenplatz des Seeschulhauses springen und kreischen wohl nur herum, weil sie sich für kurze Zeit nicht mit Mathe- oder Geografieaufgaben herumschlagen müssen.

Ein älterer Herr, eingepackt in Daunenjacke, Wollmütze und Handschuhe, zieht zielstrebig durch die engen Altstadtgässchen. «Markus Kuhn hat sich für mich am besten verkauft», meint der Rentner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Klar ist für ihn, dass es auf einen zweiten Wahlgang hinausläuft. Wesentlich offener, jedoch ebenfalls unschlüssig, zeigt sich Markus Holenweger, der mit seinem Elektromobil gerade die eiskalte Post verteilt. «Ich muss mich zuerst mit den Wahlunterlagen befassen», sagt er, ohne einen Favoriten nennen zu wollen.

Im Café-Restaurant Traube beim Sonnenkreisel und im Restaurant Anker ist alles andere Gesprächsthema, nur nicht der Wahlkampf ums Stadtpräsidium. Im «Anker» steht mit der Metzgete halt der Höhepunkt nicht auf dem Wahlzettel, sondern auf dem Menuplan. Kein Wunder fokussieren alle lieber auf Kesselfleisch und Blutwurst mit Sauerkraut statt auf Gäumann, Kuhn, Pulfer und Eggenberger.

Im Hotel Restaurant Bahnhof beteiligen sich zwei Ur-Steckborner bei Zigarettenqualm und Kaffee am Blick in die ominöse Glaskugel. «Viele sagen, sie wollen keinen Pfarrer», sagt der eine, während die Barmaid reiferen Alters um Punkt 10.41 Uhr das erste Bier zapft. «Die Kandidaten sind gerade gestern hier gewesen», meint sie. Alle vier? – «Nein, nur drei.» – Wer von den Kandidaten fehlte, weiss sie nicht. Dafür erinnert sie sich gut daran, dass die drei bei ihrem Besuch keine Ovomaltine tranken. «Sie haben ein Spezli bestellt und diskutiert», meint sie, ehe der andere Stammgast sagt: «Am Schluss wird ja sowieso wieder der Falsche gewählt.»

Die wohl deutlichste Meinung vertritt eine Passantin vor dem Coop. «Ich wähle Moritz Eggenberger», meint sie. Eine der vielen Wahlveranstaltungen wie Podien oder Standaktionen habe sie nicht besucht. «Ich wähle ihn, weil er freundlich ist und mein Sohn auch für ihn ist», begründet sie lapidar. Ein anderer schwankt hin und her zwischen Markus Kuhn und Roman Pulfer. «Aber ich wünsche mir von allen klarere Stellungnahmen.»

Ja, es gibt einen Wahlkampf ums Stadtpräsidium in Steckborn. Ja, die Stimmbürger haben eine Meinung. Und ja, sie haben ihre Wahlzettel teils schon ausgefüllt, geben das aber nicht allen offenkundig preis. Anzutreffen sind die Steckborner überall, ob bei eitel Sommerwetter oder Eiseskälte. Zum Glück wählen die Steckborner im Winter, denn im Sommer wäre die Suche nach politisch interessierten Stimmbürgern zu einer wahren Herkulesaufgabe verkommen.

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