Out in the Green
«Es ist Zeit, zu unseren Wurzeln zurückzukehren»: Rockfestival erlebt im Juni 2022 mit Metallica seine Renaissance in Frauenfeld

Nächsten Sommer kommt mit dem Out in the Green die Rockmusik zurück auf die Grosse Allmend. Am eintägigen Konzerttag mit 50'000 Fans spielt die weltbekannte US-Band Metallica. Das mehrtägige Hip-Hop-Open-Air findet wie gewohnt eine Woche später statt.

Samuel Koch Jetzt kommentieren
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Die weltberühmte Rockband Metallica während eines Konzerts vor Corona in Prag vor 70'000 Menschen.

Die weltberühmte Rockband Metallica während eines Konzerts vor Corona in Prag vor 70'000 Menschen.

Bild: Imago/Vit Simanek

Ein Paukenschlag inmitten der Stille der zuletzt abgesagten Frauenfelder Festivals. So lässt sich die Nachricht über die Rückkehr des Out in the Green nach Frauenfeld resümieren. Am 29. Juni 2022 kehrt das Rockfestival zurück auf die Grosse Allmend. Nach über 20-jähriger Abstinenz erlebt die Rockmusik also in Frauenfeld ihre Renaissance. Dort, wo 2002 am Ministry of Rock letztmals harte Töne und Gitarrenriffs ertönten und 1987 der Grundstein für das heute erfolgreiche Open Air Frauenfeld mit seiner Hip-Hop-Ausrichtung gelegt wurde.

Als Headliner und Publikumsmagnet für die 50'000 Besucherinnen und Besucher portiert die organisierende First Event AG für den eintägigen Konzerttag Metallica. Die Metalband aus Kalifornien hat mit Liedern wie «One», «Whiskey in the Jar» oder «Nothing else matters» gemäss eigenen Angaben millionenfach Alben verkauft. Sabaton aus Schweden und Five Finger Death Punch aus den USA ergänzen das bisher bekannte Line-up, das mit drei weiteren internationalen Bands komplettiert werden soll.

Rolling Stones, David Bowie, Oasis, Deep Purple, Die Toten Hosen: Die Liste von namhaften Künstlern, die einst in Frauenfeld auf der Bühne standen, ist lang. Vor der Bühne standen Zehntausende Gäste, die das erste Mal die grosse Freiheit auf dem Camping, die Euphorie in der Menge und die Magie rund um das knisternde Lagerfeuer zusammen erlebten, fassen es die Veranstalter in ihrer Mitteilung zusammen.

Wolfgang Sahli, Verwaltungsratspräsident First Event AG.

Wolfgang Sahli, Verwaltungsratspräsident First Event AG.

Bild: Arthur Gamsa

Mit den Rolling Stones überlupften sich die damaligen Veranstalter und versuchten sich mit dem Ministry of Rock 2002 letztmals, ehe das Open Air Frauenfeld 2004 in die Hände der First Event AG überging und mit der Ausrichtung aufs Hip-Hop-Genre ein neues und erfolgreiches Zeitalter begann. Wolfgang Sahli, heutiger Präsident der First Event AG, lässt sich wie folgt zitieren:

«Die Abkehr vom Rock war die richtige Entscheidung vor 20 Jahren.»

Unter anderem mit Metallica am Out in the Green schliesse sich nach 20 Jahren ein Kreis. «Jetzt ist es Zeit, wieder zu unseren Wurzeln zurückzukehren», meint Sahli.

Übernommene Rechte von Gert Hubatka

Die baldige Renaissance des Rock möglich gemacht hat die kürzliche Übernahme der Namens- und Logorechte vom Frauenfelder Werkzeug- und Maschinenunternehmer Gert Hubatka, der diese 2002 nach dem Konkurs der damaligen Event AG als Veranstalterin vom Konkursamt übernommen hatte.

Hubatka nennt weder eine Verkaufssumme noch geht er auf Fragen nach der Anzahl Dezimalstellen der Summe ein. Das tut auch Joachim Bodmer nicht, Mediensprecher der First Event AG. «Wir kommunizieren keine Zahlen, aber es lief alles fair und freundlich ab», sagt er. Unter dem Strich hätten alle gewollt, dass die Fans ihr altes Festival zurückbekommen.

Die Bühne des ersten Open Air in Frauenfeld im Jahr 1987, das damals noch «Out in the Green» hiess.
51 Bilder
Auf der Bühne standen 1987 unter anderem Barclay James Harvest und Status Quo.
Eine Marktgasse gab es schon 1987.
«Frauenfeld erlebte begeisterndes Open air»: Diesen Titel setzte die «Thurgauer Zeitung» über ihren Text zum ersten Out in the Green im Juli 1987. Der Artikel handelt von einem friedlichen Fest mit 30'000 Besuchern, «Campingunfällen» und gefragten Getränken.
Die Neville Brothers treten am 8. Juli 1995 am «Out in the Green» in Frauenfeld auf. Aaron Neville, links, und Charles Neville, rechts, in Aktion.
Im gleichen Jahr war auch Chuck Berry im Thurgau zu Gast.
Und auch Elton John beehrte 1995 das Frauenfelder Open Air.
Eng war es vor der Bühne schon 1995.
David Bowie gab das letzte Konzert des «Out in the Green» 1997.
Im gleichen Jahr ebenfalls beim «Out in the Green» zu Gast: Sting.
Nicht ganz so berühmt wie Sting und David Bowie, aber im deutschsprachigen Raum unter anderem dank einer legendären Pressekonferenz trotzdem in Erinnerung geblieben: «Tic Tac Toe».
Auch 1998 waren Stars in Frauenfeld. Hier im Bild: Mick Jagger von den Rolling Stones.
Nicht immer war das Wetter gut, wie dieses Bild aus dem Jahr 2000 zeigt.
Sogar Nessie war 2000 in Frauenfeld zu Gast.
Zwar war das «Out in the Green» 2000 noch kein Hip-Hop-Festival, doch erste Acts dieses Genres waren in Frauenfeld schon zu Gast. Zum Beispiel «Die Fantastischen Vier».
Der Schweizer Musiker Bligg, damals noch Rapper, trat 2004 in Frauenfeld auf.
Mary J Blige trat 2004 auf der Hauptbühne in Frauenfeld auf.
Ein reines Hip-Hop-Festival war das Open Air damals aber noch immer nicht. Auch Pink trat 2004 in Frauenfeld auf...
...ebenso wie Motörhead.
2007 kam es auf dem improvisierten Parkplatz in der Nähe der Allmend zu einem grossen Brand. Rund 50 Autos brannten.
2008 war die Ausrichtung des Open Air bereits deutlich klarer. Hip-Hop-Megastar Jay-Z bei seinem Auftritt.
Und auch der deutsche Rapper Jan Delay war in Frauenfeld zu Gast.
Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Sitzgelegenheiten.
Wo ein Open Air stattfindet, bleibt viel Müll zurück, so auch 2008 in Frauenfeld.
Ob sich dieser Musikfan das Konstrukt patentieren liess?
2009 war das Wetter deutlich besser.
Deshalb suchten die Musikfans Abkühlung im nahegelegenen Fluss.
Nahezu alle Hip-Hop-Grössen waren irgendwann in Frauenfeld zu Gast. 2009 zum Beispiel 50 Cent...
...und Kanye West.
Von oben lassen sich die Ausmasse des Festivals im Jahr 2010 besser erkennen.
Eine temporäre Zeltstadt für wenige Tage entsteht jedes Jahr in Frauenfeld.
2010 (im Bild) und 2018 war US-Rapstar Eminem zu Gast.
2011 gehörten Cypress Hill zu den ganz grossen Namen.
Lauryn Hill trat am Open Air Frauenfeld 2012 auf.
2013 waren mehrere Altstars des Hip-Hops in Frauenfeld. «A Tribe Called Quest» genauso...
...wie Run DMC.
1987 wunderte sich die Presse noch, dass Barclay James Harvest eine eigene Lichtanlage mitnehmen wollte, 2014 kamen Künstler mit einer ganzen Lichtshow. Hier im Bild: M.I.A.
Zur Hip-Hop-Kultur gehört neben der Rap-Musik auch das Breakdancen.
Musiker mit Maske sah man in Frauenfeld immer wieder. Hier im Jahr 2014: Cro.
Und im Jahr 2015 Marsimoto.
Innert weniger Tage entsteht in Frauenfeld jeweils ein imposantes Bühnenbild.
Konfetti beim Konzert von K.I.Z. 2016.
Open Air und trotzdem nicht aufs Training verzichten: In Frauenfeld seit einigen Jahren möglich.
2017 gehörte Mac Miller zu den grossen Namen in Frauenfeld.
Tausende Besucherinnen und Besucher strömen jedes Jahr auf die Allmend.
Auch Schweizer Künstlerinnen sind in Frauenfeld zu sehen und zu hören. 2018 zum Beispiel Danitsa...
...und Lo&Leduc.
Einer der bekanntesten deutschen Rapper: Sido.
Beim bisher letzten Open Air Frauenfeld zu Gast: Cardi B.
Beim Open Air Frauenfeld geht's immer auch um den Style.
Nicht nur Künstler tragen Masken, auch die Fans.

Die Bühne des ersten Open Air in Frauenfeld im Jahr 1987, das damals noch «Out in the Green» hiess.

Bild: PD

Mit dem Out in the Green (Rock) eine Woche vor dem eigentlichen Open Air Frauenfeld (Hip-Hop) können die Veranstalter dieselbe Infrastruktur zweimal nutzen. Einerseits sei das ein logistischer Vorteil, meint Bodmer und ergänzt:

«Anderseits macht das auch betreffend Nachhaltigkeit und Emissionen Sinn, es reduzieren sich Transporte, Bauzeiten, Energieverbrauch et cetera.»
Joachim Bodmer, Mediensprecher Out in the Green.

Joachim Bodmer, Mediensprecher Out in the Green.

Bild: Andrea Stalder

Ausserdem generiert die mehrfach verwendete Infrastruktur keine zusätzlichen Kosten. Geringere Emissionen verursacht das Out in the Green auch, weil die Besucher bloss einen Tag auf der Allmend bleiben. «Weniger Bands – also kürzere Spielzeiten und kein Camping – geben auch weniger Abfall», meint Bodmer.

Vorverkaufsstart ab Freitagmittag

Für der Armasuisse als Liegenschaftseigentümerin hat die First Event AG keine weiteren Auflagen zu erfüllen. Das Out in the Green mit der komplett anderen Zielgruppe finde innerhalb der den Veranstaltern zur Verfügung stehenden Zeitspanne statt. «Das heisst, es musste für die Rockkonzerte kein zusätzlicher Zeitslot bewilligt werden», sagt Bodmer. Der Vorverkauf für die 50'000 Tickets fürs Out in the Green startet am kommenden Freitag, 17. September, pünktlich um 12 Uhr.

Von den Neuigkeiten zum Out in the Green zeigt sich auch Ermano Conti begeistert, einstiger Gründer des Festivals in den 1980ern. Damals setzte der FC Frauenfeld mit Conti, Inhaber eines Grafikbüros, die Idee eines «grösseren Sommernachtsfestes» mit dem Namen Out in the Green in die Tat um. Die simple Intention: Der FC wollte damals nach dessen missglücktem Ausflug in die Nationalliga B die Chance wahren, Geld zu verdienen. Heute sagt Conti, der nichts mit Hip-Hop anzufangen weiss:

«Toll, dass handgemachte Musik wieder zurückkommt.»
Ermano Conti, Gründer des Out in the Green in den 1980ern.

Ermano Conti, Gründer des Out in the Green in den 1980ern.

Bild: Susann Basler (6. Juli 2002)

Als Gründer verbindet Conti viele gute Erinnerungen mit dem Out in the Green. Aber es gab auch weniger gute, als es nach dem Gastspiel der Rolling Stones um Mick Jagger zum finanziellen Desaster kam. «Das Defizit lag weit über einer Million Franken», sagt Conti, der das Minus nicht aus der Portokasse ausgleichen konnte. Selbst die Neulancierung des Ministry of Rock brachte keine Besserung, weshalb die First Event AG um Wolfgang Sahli schliesslich 2004 die neue und erfolgreiche Ausrichtung in Richtung Hip-Hop-Genre wagte.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Das Open Air Frauenfeld mauserte sich zum grössten Festival der Schweiz mit täglich 50'000 Besucherinnen und Besuchern und zum grössten Hip-Hop-Festival Europas mit Künstlern wie Eminem, 50 Cent und Macklemore. Vor vier Jahren folgte die Übernahme der First-Event-Aktienmehrheit durch den US-Unterhaltungsgiganten Live Nation, wobei das Operative auf dem Festivalplatz Frauenfeld weiterhin die lokalen Organisatoren führen.

Und 2022 beginnt in Frauenfeld mit der Renaissance also ein neues Zeitalter, mit dem zunächst eintägigen Out in the Green und dem mehrtägigen Open Air Frauenfeld innerhalb von wenigen Tagen.

Frage 1 / 12

Über wie viele Hektare erstreckt sich das Gelände am Open Air Frauenfeld?

98
8 Hektare
188 Hektare

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